Brent bei 100 Dollar, Diesel im Aufwind: Peak Oil wieder im Gespräch

Brent nahe 100 Dollar und steigende Dieselpreise öffnen die Debatte neu: echtes Peak Oil oder künstliche Knappheit durch Krieg und fehlende Raffineriekapazität?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Brent bei 100 Dollar und Diesel explodiert: die Knappheit, die manche künstlich nennen

Mit Brent um die 100 Dollar und Diesel auf dem Weg zu zwei Euro an vielen Tankstellen kehrt die unbequeme Frage zurück: Geht das Öl zur Neige, oder wird es uns rationiert? Der unmittelbare Auslöser ist nicht geologischer Natur. Es ist ein Konflikt am Persischen Golf, der einen Teil der weltweiten Rohölverteilung blockiert hat, wobei ein Land Routen kappt, über die bis zu ein Viertel der globalen Versorgung läuft, wie in der Debatte behauptet wird. Von dort an spaltet sich die Diagnose in zwei Lager.

Manche halten Peak Oil für eine Tatsache und sehen in den Kriegen dieses Jahrzehnts das erste Zeichen, dass der Kuchen nicht mehr für alle reicht. Dagegen das Gegenargument: Die Lagerstätten in Russland und am Golf sind reichlich vorhanden, was fehlt, ist der Zugang, nicht die Förderung. Die Knappheit, so heißt es, sei völlig künstlich.

Warum der Diesel steigt, obwohl Rohöl nicht knapp ist

Der erste Streitpunkt liegt in der Raffinerie, nicht am Bohrloch. Die großen europäischen Ölkonzerne haben aufgehört, in Exploration und neue Raffinerien zu investieren: Das sind gewaltige Investitionen, die sich erst über Jahrzehnte amortisieren, und mit einer EU, die darauf aus ist, die fossilen Brennstoffe abzuschaffen, geht die Rechnung nicht mehr auf, wie einige Teilnehmer argumentieren. Die Warnung, die über dem Gespräch schwebt: Wenn sie auch die bestehenden Raffinerien nicht mehr instand halten, wird das Problem ein anderes sein. Die Kriegszerstörung von Anlagen setzt ein ohnehin knappes System zusätzlich unter Druck.

Dazu kommt der statistische Effekt, der die Schlagzeilen relativiert. Ein Preis von 100 Dollar heute ist nicht mit 2008 vergleichbar: real gerechnet liegt er in der Spanne von damals 50-60 Dollar, als das Fass zeitweise über 140 Dollar stieg, so eine Rechnung, die im Thread kursiert. Die Zahl beeindruckt weniger, als sie scheint. Weniger beeindruckend, ja, aber bezahlt wird sie an der Zapfsäule trotzdem.

Die EZB, die Zinsen und der Betrug am Steuerzahler

Die zweite Ebene des Problems ist monetär. Mit steigendem Ölpreis und einem Konflikt ohne absehbare Lösung rechnet der Markt mit zwei weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr durch die EZB, so die in der Debatte zitierten Nachrichten. Die offizielle Begründung: Die Preise eindämmen, damit das Geld mehr kauf. Die Begründung von der Straße: Steigen die Zinsen, finanzieren die Staaten ihre Schulden teurer, und weil sie nicht bereit sind, Ausgaben zu kürzen, kommt die Rechnung über Steuern. Der Bürger, immer der Ruderknecht.

Die Staatsverschuldung spürt es bereits. Die französische zehnjährige Anleihe flirtet schon mit 4 %, und das ist die Art von Signal, das unbequemen Entscheidungen vorausgeht. Unterdessen macht der offizielle Diskurs weiter den kleinen Autofahrer verantwortlich: die Transporter, die unnötigen Bestellungen. 70 % des spanischen BIP bewegen sich auf der Straße, so die Angabe im Thread, die Sarracena vom nachhaltigen Teilen senkt den Brent also um keinen Cent.

Die Agenda 2030 und die Grenzen des Wachstums

Die dritte Front ist die ideologische, und dort wird der Ton hitzig. Ein Teil der Analyse vertritt die Auffassung, die Agenda 2030 sei genau eine Antwort darauf: die Knappheit zu managen, die man seit den siebziger Jahren kommen sah, seit dem Manifest der Grenzen des Wachstums. Die gezogene Schlussfolgerung ist düster: die westliche Zivilisation am Abgrund und im Kampf um das, was übrig bleibt. Das ist eine These, keine Tatsache, und sollte auch so behandelt werden.

Eine andere Strömung reduziert es auf das Unmittelbare: kein Peak Oil, keine Agenda, sondern ein logistischer Engpass und eine Energiepolitik, die Investitionen vertreibt. Zwei Erzählungen, die sich nicht berühren.



Der Dieselpreis an einer beliebigen Tankstelle der Hauptstadt, bei 1,87 Euro pro Liter, ist die einzige Zahl, in der beide Lager übereinstimmen. Alles andere —ob das Öl zur Neige geht oder man es uns einfach vorenthält— bleibt unbeantwortet. Und die Zapfsäule wartet nicht auf den Konsens.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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