Von Marilyn Lange bis Raquel Welch: Der Schönheitskanon, den Generation X nicht vergisst

Ein Thread mit 676 Antworten reicht von Marilyn Lange bis Raquel Welch und offenbart ein Unbehagen: Der heutige Schönheitskanon überzeugt nicht mehr, wer mit einem anderen aufgewachsen ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von Marilyn Lange bis Raquel Welch: Der Schönheitskanon, den Generation X nicht vergisst
Von Marilyn Lange bis Raquel Welch: Der Kanon, den Instagram nicht abbildet

Was hatten Marilyn Lange, Raquel Welch oder Grace Kelly, was ein Instagram-Konto mit zwei Millionen Trinc nicht hat? Diese Frage zieht sich durch eine Diskussion mit 676 Antworten, die mit einer strengen Regel beginnt: Name und erkennbares Gesichtsfoto für jede vorgeschlagene Frau. Daraus entsteht ein Inventar von Schönheiten einer anderen Ära, das als Barometer eines breiteren Unbehagens dient: dem derjenigen, die glauben, dass der heutige Schönheitskanon seine Natur geändert hat, nicht nur seine Gesichter.

Den Ausgangspunkt bildet Marilyn Lange, das amerikanische Model und Playmate des Jahres 1975. Es folgen Namen von der spanischen Schauspielerin Inma de Santis —die sehr jung starb— bis zu Hedy Lamarr, Jill St John oder Danuta Lato. Die Liste ist keine harmlose Nostalgie: Darunter liegt eine These. Nämlich die, dass die kulturellen Eliten eine bewusste Hässlichkeit verordnet haben, während das Publikum etwas anderes bevorzugte.

Der Kanon der 70er und 80er: Namen, Daten und eine generationale Obsession

Das Inventar ist minutiös und hat seine eigene Archäologie. Samantha Fox gilt als Referenz einer ganzen Generation —"die halbe Spanien hat es sich mit Samantha Fox gut gehen lassen", fasst ein Beitrag zusammen—, allerdings nicht ohne Kontroverse: Manche halten sie wegen ihres Punk-Looks und ihrer bescheidenen Herkunft für deplatziert. Ihr gegenüber werden Cindy Crawford und Brooke Shields als natürliche Schönheiten gefeiert, das Gegenmodell zu dem, was als zeitgenössische Künstlichkeit wahrgenommen wird.

Die Liste erweitert sich um Sabrina Salerno, Janet Lupo —Playmate des November 1975—, Lynda Carter als Wonder Woman und Miss World 1972 oder Sophie Marceau Anfang der 80er. Raquel Welch erhält den Ehrentitel der attraktivsten Frau der Geschichte, mit Erwähnung ihres Aufenthalts in Spanien während der Dreharbeiten zu 100 Rifles und einer Episode mit Sancho Gracia, die den Einsatz der Guardia Civil (spanische Guardia Civil) erforderte.

Es gibt einen untergründigen Faden, der alle diese Vorschläge verbindet: die Vorstellung, dass die Schönheit von damals natürlich und ohne Tattoos war. "Mir gefällt inzwischen fast jede junge Frau ohne Tattoos", fasst ein Beitrag zusammen, der den Geist eines Großteils der Debatte verdichtet. Das ist keine isolierte ästhetische Präferenz; es ist ein Bekenntnis dazu, was als kultureller Verfall gilt.

Die Theorie der verordneten Hässlichkeit: von Fleetwood Mac bis zum heutigen Kino

Das ausgearbeiteteste Argument der Debatte dreht sich nicht um Gesichter, sondern um Kleidung und Klasse. Es vergleicht Fleetwood Mac beim Live-Auftritt —zerzaust, einer mit freiem Oberkörper— mit The Tennessee Three an der Seite von Johnny Cash: Anzug und Krawatte, "wie Angestellte einer Filiale der Bank of America". Die gezogene Schlussfolgerung: Die Eliten der Musikproduktion verordneten die ästhetische Degeneration, während das Publikum weiterhin elegant gekleidet war.

Dieselbe Logik wird aufs Kino angewandt. Dem klassischen Hollywood —Gene Tierney, Ava Gardner, Sharon Tate— wird die zeitgenössische Produktion gegenübergestellt, und dem heutigen spanischen Kino wird vorgeworfen, die Schönlinge und die großen Komödiantinnen durch ein einheitliches Muster ersetzt zu haben. Die Kritik wird scharf, wenn die aktuellen Schauspielerinnen als wiederholtes Modell aus Pony, selbstbewusster Stimme und pogre Diskurs beschrieben werden. Es ist eine Meinung, kein Fakt, aber sie erklärt, warum der Thread in die Kulturpolitik abdriftet.

Die Liste der einheimischen Schönheiten umfasst Carmen Sevilla, Carmina Ordóñez, eine junge Emma Peine und Esther Arroyo, die mit Mitte fünfzig immer noch gefeiert wird. Auch dabei sind Verónica Hamel —Captain Furillos Freundin in Hill Street Blues—, Debra Winger, Cybill Shepherd und Lauren Hutton, deren persönliche Geschichte als Kuriosität dient: Sie verdiente viel Geld als Model, und ein Agent nahm ihr alles ab, was die Serie Moonlighting inspirierte.

Die letzte Wendung: zeitgenössische Schönheit als ontologisches Problem

Gegen Ende verlässt die Debatte die Nostalgie und begibt sich auf philosophisches Terrain. Ein Beitrag behauptet, die heutigen Frauen seien "unendlich schöner von außen", aber in ihrer inneren Dimension wohne "der semantische Schutt des Systems". Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Die Umbenennung wird abgelehnt, die Diagnose korrigiert. Die Diskussion über Frisuren —lange glatte Mähnen gegenüber Hochsteckfrisuren— dient als Vorwand für einen Austausch, der ans Absurde grenzt und den ein Dritter trocken beendet.

Der Thread schließt mit einer Reflexion über die Schauspielerinnen, die sich jung zurückzogen, um zu heiraten, mit Maria del Valle als paradigmatischem Beispiel, und mit der Feststellung, dass viele dieser Frauen aus dem Geschäft verschwanden, bevor das Publikum sie feiern konnte. Die Liste der Schönheiten ist im Grunde eine Liste der Abwesenheiten.

Am Ende lautet die Frage, die über dem ganzen Inventar schwebt, nicht, wer die Schönste war. Sie lautet, was auf dem Weg verloren ging. Und die Antwort hat, so der vorherrschende Konsens, nichts mit Genetik zu tun.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (685 Antworten).

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