Forum debattiert: Warum kein Protestcamp in Barcelona?
In der Forumsdiskussion wird vorausgesetzt, dass das Mietergewerkschaft (Sindicato de Inquilinas) in Barcelona keine Zelte aufschlagen wird, während die Bewegung in Madrid ihren Protest gegen die Mietpreise organisiert hat. Hinter diesem Kontrast steht die unbequeme Frage: Warum protestiert man dort, wo der politische Gegner regiert, und schweigt dort, wo die eigene Partei an der Macht ist?
Das ist keine Nebensache. Katalonien taucht in den im Thread kursierenden Daten als die Region auf, die in Spanien die meisten Zwangsräumungen verzeichnet, und seine Hauptstadt, Barcelona, ist die Stadt, in der das Mieten einer Wohnung zu einem Wettrennen geworden ist. Dass ausgerechnet dort nicht protestiert wird, ist zumindest die Paradoxie, die mehrere Beiträge hervorheben.
Die Paradoxie der 462 Anfragen pro Anzeige
Der Mietmarktthermometer lädt in Katalonien nicht zum Optimismus ein. Barcelona verzeichnet 462 Kontakte pro Anzeige, gegenüber 103 in Madrid, laut den veröffentlichten Daten, die in die Debatte eingeflossen sind. Viermal so viele Bewerber pro Wohnung, die auf einem Portal inseriert wurde. Wäre Wohnraum das einzige Kriterium, hätte das Camp im Eixample mehr Sinn als in Chamberí.
Zu diesem Engpass kommt eine weitere unbequeme Statistik hinzu: Katalonien, regiert von der PSOE, führt bei den Zwangsräumungen in Spanien an, laut einem Tweet, der im Thread geteilt wurde. Ein Teilnehmer behauptet, dass sich in Hospitalet vor einer Woche eine Frau nach einer Zwangsräumung das Leben genommen habe, ein Fall, der ernst und ohne Schnörkel zitiert wird. Der Druck der Nachfrage und die Durchsetzung von Hypotheken treffen gleichermaßen hart, unabhängig davon, wer regiert.
Warum schlägt die Mietergewerkschaft ihr Lager nicht in Barcelona auf?
Hier beginnt die Politik. Die Gewerkschaft in Barcelona war die erste, so die am häufigsten wiederholte Version, und von dort aus breitete sie sich in ganz Katalonien aus. Die in Madrid kam später, kopierte den Namen, und beide Organisationen würden unabhängig voneinander funktionieren, gebunden an verschiedene Parteien. In Barcelona, so sagen jene, die dem Geldfluss folgen, würde die Nabelschnur zum Umfeld der Comuns und zu einer eher institutionellen, bürokratischen Verwaltung führen. In Madrid wäre es anders: eine Art Nachbarschaftsdeckmantel.
Vorwürfe der Subventionierung durchziehen die gesamte Unterhaltung. Es wird behauptet, die Bewegung erhalte öffentliche Mittel, obwohl niemand ein Dokument vorlegt, das dies beweist, und es sollte als das behandelt werden, was es ist: ein wiederholter Verdacht, kein bewiesener Fakt. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist jedoch immer dieselbe: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Und angesichts der nahenden Kommunalwahlen entscheidet derjenige, der die Rechnungen eines Protests bezahlt, auch darüber, wo er stattfindet und wo nicht.
Alle Behörden gehören derselben Farbe an
Das am häufigsten wiederholte Argument ist nicht wirtschaftlicher Natur, sondern basiert auf institutioneller Arithmetik. Das Rathaus von Barcelona, die Provinzverwaltung, das Parlament von Katalonien und die spanische Regierung gehören derselben Partei an, wie ein Teilnehmer zusammenfasst. Eine Demonstration zu organisieren, wenn der Verantwortliche für alles, wogegen man protestiert, die eigene politische Farbe ist, ergibt ein seltsames Bild: Das Banner weiß nicht, auf wen es zeigen soll. In Madrid hingegen ist das Ziel klar.
Es gibt eine zynischere und auch ältere Lesart des Konflikts: Die Flut, die mit institutionellen Subventionen organisiert wird, campiert selten vor ihrem Finanzier. Wer das Geld bewegt, führt den Protest nicht.
Der Geist gescheiterter Protestcamps
Es wäre nicht das erste Mal, dass Zelte auf der Plaça de Catalunya schlechter enden, als sie begonnen haben. Man erinnert sich an die 15-M-Bewegung von 2011 und ihr Echo in anderen katalanischen Städten: Laut einem Teilnehmer war die Toleranz gering und der Ausgang schlecht. Das Unabhängigkeits-Camp von 2018 hinterließ, laut einer anderen Nachricht, ein bedauerliches Spektakel, mit Zelten voller Vogeldreck und einer Atmosphäre, die niemand wiederholen will.
Hinzu kommt die Sicherheit einer Nacht unter freiem Himmel im Stadtzentrum. Mehrere Nachrichten warnen davor, dass Camping in Barcelona riskant sei, und behaupten, dass man ohne Zelt, ohne Handy und ohne Geldbörse aufwachen könnte.
Das Einzige, was Politiker bestraft, so einige, ist nicht das Banner, sondern die Nichtzahlung: In Rumänien blieben 2020 zwei von drei Wählern zu Hause und ihre Politiker bezogen weiterhin das volle Gehalt. Auch Enthaltung schreckt nicht ab. Camping noch weniger.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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