Galicien verkauft seine Industrie: von Avícola Tratante bis Aludec

Avícola Tratante, Aludec, Ochoa, Martínez Otero: ausländisches Kapital kauft galicische Unternehmen; Forumsteilnehmer beklagen fehlende Generationennachfolge

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Galicien verkauft seine Industriestruktur: vom Priester von Dozón zum Risikokapital

Die Familie Campos verkaufte Avícola Tratante zwei Monate nach dem Tod ihres Gründers, eines Priesters, dessen Erbe – so das Gerücht im Thread – sein Patenkind war. Das ist kein Einzelfall: Es ist das Muster, das die Teilnehmer beschreiben. In gut einem Jahr sind die wichtigsten galicischen Zulieferer für Autoteile in die Hände externer Gruppen übergegangen. Ochoa, Aludec, Martínez Otero, Grupo Bermúdez, Abra-Mar, Bives Tour, Marosa. Die Liste wächst schneller, als die Lokalpresse sie veröffentlichen kann.

Das Problem ist nicht der Verkauf selbst. Es ist das, was er offenbart, so die Forumsnutzer: Es gibt keine Generationennachfolge. Und wo die Nachfolge fehlt, kommt das Kapital – ausländisches oder aus Fonds – und nimmt den Firmensitz, die Kontrolle und mittelfristig die Entscheidungen mit.

Das Muster, das niemand mehr bestreitet: Großvater, Sohn, Enkel

Es gab eine Zeit, da folgte der Familienbetrieb einem vorhersehbaren Drehbuch. Der Großvater gründete ihn und machte ihn groß. Der Sohn erhielt ihn, begann aber, ihn zu ruinieren. Der Enkel schloss ihn, weil er pleite war. Heute ist dieser Zyklus verkürzt: Verkauft wird direkt in der zweiten Generation, bevor der Erbe Zeit hatte zu beweisen, dass er keine Ahnung vom Geschäft hat, so ein Forumsnutzer.

Die Logik ist kalt. Der Erbe hält seinen Onkel für einen Dummkopf und sich für begabt, hat tausend Ideen, den Umsatz zu verzehnfachen. Und weil er den Betrieb am Ende doch pleite macht, ist die rationale Option: verkaufen, das Geld einstecken und die Verwaltung anderen überlassen. In einem halben Jahrhundert, so die pessimistischste Analyse im Thread, werde alles in den Händen von Megakonzernen sein und keine mittlere Produktionsstruktur mehr übrig bleiben. Das, so sagen sie, kann nur schlecht ausgehen.

Die Deals, die Galiciens Industriekarte verändert haben

Die Zahlen erlauben es, die Karte nachzuzeichnen. CIE Automotive, ein baskischer Konzern und Eigentümer von Galfor in San Cibrao das Viñas, kaufte Aludec, einen Automobilzulieferer aus Pontevedra, der 2025 mit rund 160 Millionen Umsatz abschließen sollte. Dazu kommen das Übernahmeangebot von Greening für Eidf (Barro, Pontevedra, 138 Millionen 2024, Streubesitz) und der Kauf von Mape (32 Millionen 2023, Familie Cachafeiro, Medizintechnik) durch einen weiteren Private-Equity-Fonds.

Portobello kaufte nicht ein, sondern zwei starke Unternehmen: Martínez Otero (A Estrada) und Grupo Bermúdez (Carral). Iberostar übernahm Abra-Mar (21 Millionen 2023), eine Madrider Gruppe Bives Tour (rund 9 Millionen). Die beiden wichtigsten Reiseveranstalter von Vigo, binnen zwei Jahren an auswärtiges Kapital verkauft. Und ein US-Unternehmen nahm Recambios Ochoa mit, 20-25 Millionen Umsatz und stark im Süden von Pontevedra vertreten.

Warum gibt es keine Nachfolge? Siebzig Jahre an der Spitze

Die Antwort liegt im Alter. Eine Gruppe an der Küste von Pontevedra mit rund 9 Millionen Gesamtumsatz wird tatsächlich noch von einem Mann über 70 geführt. Auch der Steuerberater ist über 70. Die Szene wiederholt sich in Dutzenden Büros und Fabrikhallen der Region, so die Erfahrung im Thread: Der Gründer lässt nicht los, die Kinder leben von den Erträgen oder sind Beamte geworden, und wenn der Patriarch verschwindet, ist der Verkauf der schnellste Ausweg.

Es gibt Ausnahmen, die die Regel bestätigen. In Lalín fällt die Zahl kleiner Kinder und junger Familien auf, und das Geld fließt sichtbar: Landwirtschaft und Viehzucht boomen. Die Rinderzucht hatte zwei, drei sehr gute Jahre; die Schafzucht ist derzeit eine Goldgrube, so ein Forumsnutzer. Aber das ist der Primärsektor, nicht die Industrie. Die Struktur, die produziert, verarbeitet und exportiert, wird gerade weitergereicht.

Der Arbeitsmarkt, der nicht ins Bild passt

Während Unternehmen verkauft werden, präsentiert die Provinz Pontevedra eine sehr dynamische Arbeitsmarktlage, so die Aussage im Thread. Niemand, der arbeiten will, ist ohne Job. Und trotzdem steht der Metalltarifvertrag von Pontevedra schlecht da: Der Arbeitgeberverband bietet eine Erhöhung von 5,5 % in zwei Jahren und 12 % in fünf Jahren an, ohne bei Arbeitszeit, Lohngruppen oder Gefahren- und Giftzulagen entgegenzukommen. Die Beschäftigten könnten zwei Monate Streik nach dem Sommer nicht durchhalten, heißt es.

Das Ergebnis ist ein unbequemes Paradox: Es fehlt qualifiziertes Handwerk — kein Stuckateur ist zu finden, um die Decke des Teatro Principal in Pontevedra zu reparieren — während die Kaufkraft seit fünfzehn Jahren stagniert und das Produktionsmodell ohne tiefgreifende Reformen bleibt. Man spricht davon, Arbeitskräfte von anderswo zu holen, aber das Problem ist nicht nur, wie viele kommen, sondern was ihnen geboten wird.

Rekordtourismus und das Galicien, das nicht aufs Bild kommt

Die Pilgerzahlen wachsen unaufhörlich: 499.000 im Jahr 2024, 530.000 in 2025 und 433.000 bis August 2026, laut der Pilgerstelle. Der portugiesische Weg ist voller Amerikaner, der spendabelsten Gäste. Portugal bewirbt den Weg im Ausland, und der Flughafen Porto verbindet mit der Welt. In Santiago ist der Bereich um die Kathedrale erdrückend voll. In Sanxenxo dagegen sind weniger Leute unterwegs, und die Gastronomie beklagt das Ausgabeverhalten.

Der Tourismus trägt, aber er ersetzt die Fabrik nicht. Und währenddessen rechnet das ländliche Galicien weiter auf seine Art ab, so die Geschichten im Thread: Alte, die heimlich Grenzsteine verschieben, eine Frau, die einem Nachbarn von hinten mit der Hacke einen Schlag versetzt. Der Film As Bestas hat dem Image geschadet, aber der Untergrund existiert, so die Behauptung.

Wie viele weitere Unternehmen müssen noch den Besitzer wechseln, bevor jemand fragt, wer übrig bleibt, um die Löhne zu zahlen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (124 Antworten).

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