Bolsonaro naht der absoluten Mehrheit, Auszählung in Brasilien friert ein

Bolsonaro lag mit 28 % ausgezählten Stimmen nahe 50 %, landete am Ende aber bei 47 % gegen Lulas 45 %. Das Wahlpanel in Brasilien frierte 40 Minuten ein, es kommt zur Stichwahl.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bolsonaro naht der absoluten Mehrheit, Auszählung in Brasilien friert ein
Bolsonaro naht der absoluten Mehrheit, Auszählung in Brasilien friert ein

Bei 20 % ausgezählter Stimmen kam der Kandidat der brasilianischen Rechten auf 11.520.790 Stimmen, Lula da Silva auf 9.168.405. Das offizielle Panel wies bei 28 % ausgezählter Wahllokale sogar 50,85 % für den Ersteren aus. ein direkter Sieg in der ersten Runde schien zum Greifen nah. Er währte nur kurz.

Der Prozentsatz fiel, während Ergebnisse aus kleineren Wahlkreisen eingingen. Bei 50 % Auszählung lag er bereits bei 50,20 %. Am Ende schloss die Auszählung mit 47 % für Bolsonaro und 45 % für Lula, was eine Stichwahl erforderlich macht. Was das halbe Land verunsichert, ist nicht das Ergebnis, sondern der Ablauf: Im letzten Abschnitt der Auszählung verringerte Lula einen Rückstand von vier Millionen Stimmen um zwei Millionen.

Der vierzigminütige Stillstand, den niemand erklären kann

Die Ergebnisseite des Tribunal Superior Electoral (oberstes Wahlgericht) stellte die Aktualisierung der Präsidentschaftszählung um 19:06:33 Uhr ein, bei 64,81 % ausgezählter Wahllokale. Um 19:54 Uhr zeigte sie weiterhin dieselbe Uhrzeit. Die Übertragung wurde gegen 20:08 Uhr fortgesetzt, inzwischen waren 84,96 % ausgezählt. In diesem Zeitraum gingen die Ergebnisse für Gouverneure, Senat und Abgeordnetenkammer ganz normal ein.

Darin liegt der Kern des Verdachts. In der eingefrorenen Auszählung führte Bolsonaro mit 49,58 % und 37.566.895 Stimmen, gegenüber 42,25 % und 32.007.853 für Lula. Als das Panel sich wieder bewegte, war der Abstand abrupt geschrumpft. Das brasilianische Medium Metrópoles berichtete, das Gericht habe sich zur Ursache des Problems nicht geäußert. Schweigen nährt in solchen Fällen mehr als jede Erklärung.

Manche halten es für einen folgenlosen technischen Fehler, andere sehen in dieser Zeitlücke den Beweis einer Manipulation. Beide Lesarten existieren nebeneinander, ohne dass eine von einer Wahlbehörde bestätigt wurde. Das einzige Überprüfbare ist die Chronologie: Das Panel stoppte, die Präsidentschaftszählung verzögerte sich, die anderen Zählungen nicht.

Die Rechnung, die zum Präsidentschaftsergebnis nicht passt

Der Kontrast zwischen Präsidentschaftswahl und Parlamentswahl ist das meistgenannte Argument. Die bestätigten Daten deuten auf eine überwältigende Mehrheit der Rechten in beiden Kammern hin: 18 regierte Bundesstaaten gegenüber 6 der Linken, 39 Senatoren gegenüber 5 und 388 Abgeordnete gegenüber 124. Bolsonaros Partei kam von 97 auf 121 Sitze.

Vor dieser Landkarte wirkt Lulas Sieg mit einem Punkt Vorsitz bei der Präsidentschaftswahl schief. Die Summe der Kräfte, die in der ersten Runde außen vor blieben — ausnahmslos der Mitte-rechts- oder rechten Szene zuzuordnen — hätte die Waage eigentlich klar zugunsten Bolsonaros gekippt. Daraus speist sich die These des Wahlbetrugs, die ohne festen Beweis kursiert, aber mit einer Rechenlogik, die unbequem ist.

Die Frage, die in der Luft bleibt, ist, wie ein Kandidat die Präsidentschaftswahl verliert und am selben Tag mit denselben Wahlurnen bei der Parlamentswahl abräumt. Die offizielle Antwort steht aus. Die inoffizielle heißt Wahlbetrug, und im Moment ist es genau das: eine Anschuldigung.

Was für Anleger auf dem Spiel steht: Petrobras und Suzano

Während die Politik sich aufheizt, schaut der Markt woandershin. Die Kurse von Petrobras und Suzano sind zum eigentlichen Thermometer der brasilianischen Wahl geworden. Suzano verzeichnet seit März beträchtliche Verluste, zuletzt erneut in den vergangenen Tagen. Die vorherrschende Lesart: Das Papier hat Potenzial, aber nur, wenn es auf die Hälfte des aktuellen Kurses korrigiert und seinen Schuldenabbau verbessert.

Der makroökonomische Hintergrund trägt nicht zur Euphorie bei. Brasilien zahlt rund 9 % des BIP an Zinsen für seine Staatsschulden, einer der höchsten Sätze der Welt. Wer auch immer regiert, wird wenig fiskalischen Spielraum haben, und Versprechen voller Staatsausgaben prallen auf diese Last.

Die Stichwahl und der Präzedenzfall, der nicht bricht

Die Geschichte spricht gegen das Comeback. Seit Jahrzehnten hat in Brasilien kein Kandidat, der die erste Runde verloren hat, die Stichwahl gewonnen. Die außen vor gebliebenen Kräfte summieren sich auf mehr als sieben Prozent und stehen der Mitte rechts nahe. Auf dem Papier spricht die Stichwahl also für Bolsonaro.

Das Ende liegt dort, wo die Auszählung war: eingefroren. Ein 47 zu 45 lässt die Präsidentschaft in der Schwebe, ein rechtslastiges Parlament in der Tasche und eine unbeantwortete Frage über jene vierzig Minuten, in denen das Panel nur bei der Präsidentschaftswahl das Zählen einstellte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (58 Antworten).

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