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Bolívar und der totale Krieg: Das Narrativ des britischen Verräters
Revisionsistische Debatte über Bolívar: Die These eines von London finanzierten Verräters, das Dekret zum Toten Krieg und die Biografie von Karl Marx.
Bolívar, der totale Krieg und das Imperium, das allein fiel
Simón Bolívar war nicht nur der Befreier halb Südamerikas. Für eine revisionsistische Strömung war er der Architekt des Untergangs des größten Imperiums seiner Zeit: ein von London finanzierter Verräter, der einen fragmentierten Kontinent hinterließ. Diese These gewinnt an Fahrt. Und wie fast alles, was die koloniale Vergangenheit berührt, hat sie weniger Substanz, als es scheint.
Ein Teil der Analyse behauptet, dass Bolívar und San Martín nicht aus Überzeugung handelten, sondern im Auftrag ausländischer Mächte. Das Argument stützt sich auf dokumentierte britische Unterstützung für die Aufständischen und auf die geopolitische Logik der Epoche: Spaniens Schwächung in Amerika diente Londons Interessen.
Die These des von London finanzierten Verräters
Der Kern der Anschuldigung ist, dass die hispanoamerikanische Emanzipation keine autonome Bewegung war, sondern eine Operation, die von den Mächten gelenkt und unterstützt wurde, die den Fall des spanischen Imperiums herbeisehnten. England und Frankreich, so wird argumentiert, zogen die Fäden im Hintergrund.
Hier liegt das Problem. Dass britische Interessen mit denen der Aufständischen übereinstimmten – das taten sie –, ist etwas anderes als die Behauptung, Bolívar habe im Sold Whitehalls gestanden. Die Verwechslung von Interessenkonvergenz mit Verschwörungsleitung ist der wiederkehrende Fehler fast aller verschwörungstheoretischen Geschichtsschreibung.
Das Dekret zum Toten Krieg: Was das Archiv sagt
Der stärkste Punkt der Anklage ist nicht die Finanzierung, sondern die Gewalt. Das unbequeme Dokument existiert und ist datiert: Das Dekret zum Toten Krieg, proklamiert 1813, erklärte jeden Spanier, der nicht gegen die Krone konspirierte, zum Tode. Laut der Version, die in der Debatte kursiert, wurden Anfang 1814 in Caracas rund tausend kranke Soldaten hingerichtet, niedergemetzelt, weil Schießpulver knapp und teuer war.
Die historiografische Verteidigung bietet einen anderen Rahmen. Manche lesen dieses Dekret als Reaktion auf einen bereits zuvor vom royalistischen Lager entfesselten Toten Krieg, nach dem Fall der ersten Republik. Die Chronologie ist umstritten. Und die Zahl der Hingerichteten muss durch Archive belegt werden, nicht durch Schlagzeilen.
Marx, Bolívar und die unbequeme Biografie
Ein Detail verwirrt viele. Die Biografie, die Karl Marx über Bolívar für die New American Cyclopedia schrieb, verfügbar in Übersetzung auf marxists.org, ist kein Lobgesang. Es ist ein hartes, verächtliches Stück, das im Widerspruch zur späteren Vereinnahmung des Befreiers durch die lateinamerikanische Linke steht.
Dass ein Revolutionär des 19. Jahrhunderts Bolívar zerfleischte, macht ihn nicht zum Verräter. Aber es widerlegt die einfache Lesart, die seine Verteidiger und Kritiker auf dieselbe ideologische Achse stellt.
Das Imperium, das allein hätte fallen können
Nicht alle kaufen die Verschwörungstheorie. Ein anderer Teil weist auf interne Ursachen hin: ein katastrophales Wirtschaftsmodell, eine überwiegend Analphabetenbevölkerung, eine Krone, die mehr mit der Inquisition beschäftigt war als mit der Bildung ihrer Untertanen. Wenn das Imperium blutete, geschah dies kaum durch das Werk zweier Männer.
Zwei Jahrhunderte Unabhängigkeit haben ungleiche Ergebnisse gebracht. Ein Kontinent mit außergewöhnlichen Ressourcen bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Wenn die Beseitigung des spanischen Einflusses allein für Wohlstand gesorgt hätte, wäre dies längst sichtbar gewesen.
Denkmäler, Schwerter und Kulturkampf
In Spanien stehen weiterhin mehrere Denkmäler zu Ehren Bolívars, was dieser Sektor in einem Land, das jemanden ehrt, den es als Feind betrachtet, für unerklärlich hält. Die öffentliche Ausstellung des Schwertes des Befreiers bei offiziellen Anlässen befeuerte die Debatte darüber, welche Figuren institutionelle Anerkennung verdienen und welche nicht.
Sogar die Geografie ist Teil der Angelegenheit geworden: Es gibt eine baskische Gemeinde namens Bolívar. Eine unwichtige Einzelheit, die heute in Stammtischrunden für alles Mögliche dient.
Zwei Jahrhunderte später ist die Bilanz noch offen. Wahrscheinlich war Bolívar weder der Verräter, den manche zeichnen, noch der Heilige, den andere idealisieren. Die Geschichte gewährt selten so saubere Schuldige.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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