Von 19.200 auf 3.500 Dollar: Wie der Altcoin-Markt ausblutete
Im Januar 2018 stand Bitcoin bei 19.200 Dollar, und eine Legion von Privatanlegern, überzeugt davon, dass Fiat-Geld „Hühnermist“ sei, verteilte ihre Ersparnisse auf Projekte, die versprachen, alles zu revolutionieren – von Telekommunikation bis hin zu mobilen Datenpaketen. Zwölf Monate später deutete die erste Kryptowährung auf 3.500 Dollar hin, und das Ökosystem fragte sich, ob der Markt oder nur die Erzählung kaputt war. Das war kein Platzen einer Blase, sondern ein gestaffelter Abriss, der Konto für Konto nachvollziehbar ist.
Von 19.200 auf 3.500: Der Absturz, den niemand rechtzeitig sah
Die Mathematik des Desasters war einfach zu formulieren und schmerzhaft zu akzeptieren. Vom Höchststand von 19.200 Dollar verschwanden plötzlich 9.200, woraufhin der Preis in einen freien Fall geriet, der ihn „Richtung 3.5K“ trieb. Die Unterstützung bei 8.400 brach wie nicht vorhanden weg, und damit öffnete sich das Szenario, über das viele nur halblaut sprachen: die Korrektur um 80% vom Hoch, was mit 4.000 Dollar zusammenfiel, mit einer kritischen Zone zwischen 3.700 und 4.000, die man „unbedingt“ halten musste.
Die gehandelten Drehpunkte — 4.493, dann 5.138 und 5.876 — dienten als Referenz für eine erwartete „LEBENSWICHTIGE“ Umkehr, die wochenlang auf sich warten ließ. Manche hatten schon im Dezember 2017 gewarnt, andere taten es im Nachhinein. Diese Diskrepanz zwischen denen, die den Gipfel markierten, und denen, die ihn leugneten, erwies sich am Ende als genauso wichtig wie der Preis selbst.
Das DENT-Konto: 6 Milliarden Token unterwegs zu den Börsen
Der Fall, der die meisten Schlagzeilen machte, war DENT. Die Logik passte in zwei Zeilen: 10 Milliarden Token im Umlauf, weitere 90 Milliarden vom Team gesperrt, und ein Mutterkonto — laut Berechnung definitiv „vom Team“ — mit 52 Milliarden Token. Von dort flossen grob geschätzt 6 Milliarden Einheiten zu Börsen wie KuCoin, was 30 bis 40 Millionen Dollar, vielleicht mehr, entsprach.
Die daraus gezogene Schlussfolgerung war bitter: ein Verlust auf ein Drittel des Wertes vom Hoch, während drei Millionen Nutzer in der App Daten kauften, unabhängig vom Markt, wo diese Token nicht gehandelt werden. Die Verteidigung war ebenso simpel: Die Roadmap versprach die Android-App im Februar, iOS im März und die Web-App im Juni; das kolossale Angebot mache es „schwierig, dass der Kurs explodiert“. Andere sagten, niemand habe jemanden betrogen, denn nirgends stand, dass das Team seine Token nicht verkaufen dürfe. Das Kleingedruckte gewinnt immer.
Nützt technische Analyse bei Kryptowährungen überhaupt etwas?
Wenige Diskussionen wiederholten sich so oft wie diese. Für manche reduziert sich die technische Analyse auf „wenn es steigt, steigt es; wenn es fällt, fällt es“, eine Wissenschaft der Dummheit und der Angst, den Zug zu verpassen (FOMO). Für andere ist sie ein weiteres Werkzeug, nützlich zur Bestimmung von Unterstützungs- und Widerstandslinien sowie zur Erkennung von Manipulationsmustern, aber nutzlos für langfristige Prognosen.
Der grundlegende Verdacht richtete sich gegen die Märkte selbst: Wenn Börsen durch Eigenhandel („Wash Trading“) dafür sorgen, dass Bots und Anfänger reinfallen, zeigt das Chart nichts anderes als diese Falle. Das Doppel-Tief mit dem RSI im überverkauften Bereich wurde als Bullenfalle vor einem weiteren Abfall gelesen. Wer angab, den Absturz vorhergesagt zu haben, erhielt die Gegenfrage: Er hatte auch das Ende 14.000 Punkte zuvor angekündigt.
Finanzamt, KYC und das „Modell 100“
Die Besteuerung kam schnell ins Spiel. Muss jede Transaktion gemeldet werden oder nur der Endgewinn? Würde eine Börse in Hongkong die Kundendaten an den zuständigen Minister liefern? Der automatische Informationsaustausch für Steuerzwecke entstand aus den Panama Papers, und einige Länder warnten bereits, dass er automatisch gar nicht stattfinde: nur auf richterlichen Beschluss.
Der am häufigsten gegebene Rat: Alles beim Wechsel in Euro melden, aber ohne Eile. „Die scheißigste Krypto ist 10.000.000-mal anonymere als ein Schweizer Konto“, fasste jemand zusammen. Die reale Angst galt nicht dem Gesetz, sondern der Tatsache, der Erste zu sein, der öffentlich unterschreibt, und zum fernsehübertragenen Abschreckungsbeispiel zu werden.
USDT, EURT und die angstbesetzte Zuflucht
Bitfinex kündigte direkte Paare zwischen Fiat und Tether an, mit USD-USDT und EUR-EURT. Auf der Ethereum-Blockchain wurden über 146 Millionen neue EURT-Token erstellt. Für manche gab dies Vertrauen und zerstreute Zweifel daran, ob die Stablecoin tatsächlich gedeckt sei. Für andere blieb es ein kryptografischer Fiat mit Audits, die nie vollständig erscheinen: am nächsten Morgen „purer Nebel“.
Das Argument der Befürworter ging anders: Schaut euch Argentinien oder Venezuela an und fragt euch, womit ihr lieber bezahlt werdet. Ein Brot wird so viele Satoshis kosten, wie seine Zutaten wert sind.
Die Korrelation von 0,81, die den Markt überdehnt
Ein technischer Wert kursierte stark: Die Korrelation zwischen Kryptowährungen lag bei 0,81, gehalten seit Februar 2018. Hoch. Wenig gesund. Wenn sich alles gleichzeitig bewegt, hört der Markt auf, Projekte zu unterscheiden, und belohnt oder bestraft nur das Gesamtbild, was es eher zu einer einzigen Wette als zu einem Portfolio macht.
Parallel dazu bewegten sich andere Teile eigenständig. Die Verantwortlichen von CENTRA wurden wegen Unregelmäßigkeiten bei ihrem Initial Coin Offering festgenommen, und der Token fiel um 70%. Komodo testete 300.000 Transaktionen pro Sekunde gegenüber den angepeilten 200.000. Und das Bitcoin-Mining in Venezuela — wo die Polizei Miner jagte, um die Münzen einzubehalten — lag unter den Produktionskosten.
Mit Bitcoin, der auf 4.000 zusteuert, bleibt die Kernfrage unbeantwortet: Wenn jeder Rückgang von 65, 47 und 60% eine vorübergehende Korrektur ist, wie viele weitere braucht es, bis es keine mehr ist und zu „einem Glaubensakt im Chaos“ wird? Die Langzeit-Investoren hielten weiterhin daran fest, dass die Technologie zählt und der Preis stört. Die Neuen sahen nur noch auf die Cashbox.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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