Acht Jahre Technische Analyse: Vom Schwarzen Montag bis zum Ibex-Anstieg

Zwischen 2008 und 2017 sendete Radio Intereconomía hunderte Börsenanalysen. Acht Jahre voller Treffer und Fehler.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Acht Jahre Technische Analyse: Vom Schwarzen Montag bis zum Ibex-Anstieg
Acht Jahre technische Analyse des Ibex: vom Schwarzen Montag zur 21%-Erholung

Wer erklärte einem spanischen Privatanleger, was er am Montag nach der Lehman-Pleite mit seinen Telefónica- und Santander-Aktien tun sollte? Zwischen dem 29. August 2008 und Anfang 2017 strahlten die Börsensprechstunden von Radio Intereconomía und seinem Fernsehsender hunderte technische Analysen aus. Dieses fast lückenlos aufgezeichnete Material dient heute als unbeabsichtigtes Röntgenbild der Krisenbewältigung. Die Namen wiederholen sich: Herr Cava (Bolsacava.com), Herr Segarro, Herr Vicho (Ejdvalores.com), Herr Sáez del Castillo, Herr Cárpatos.

Wer waren die Analysten der Börsensprechstunde?

Das Team blieb über ein Jahrzehnt hinweg stabil. Sie kamen von Firmen, die heute kaum noch bekannt sind: Kostarof.es, Bolsakrak.com, Bolsagora.com, Gesmovasa.com, Invertirbolsa.es, Profim.es, Ejdvalores.com. Sie wechselten in festen, fast liturgischen Zeitfenstern ab: Herr Cava montags um 7:20 Uhr im Radio; Herr Segarro donnerstags um 9:42 Uhr im Fernsehen; Herr Vicho dienstags um 19:10 Uhr; Herr Sáez del Castillo freitags. Jeder Beitrag folgte dem gleichen Schema: Überblick über Indizes, Rohstoffe, Zinsen, Devisen und den VIX-Index sowie eine abschließende Sprechstunde zu konkreten Werten — Telefónica, Iberdrola, Repsol, Gamesa, Bankinter, Banco Santander, Jazztel, Arcelor Mittal, Inmobiliaria Colonial.

Die Loyalität des Publikums spricht für sich: Eine Sprechstunde hält acht Jahre nicht ohne Zuhörer durch. Und schon gar nicht, wenn ihre Struktur kaum verändert wird.

Vom Lehman-Crash zum +21% beim Ibex

Die erste aufgezeichnete Sendung stammt vom 29. August 2008, drei Wochen vor dem Kollaps. Am 15. September 2008 analysierte Herr Cárpatos tiefgehend die Pleite von Lehman Brothers und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung in Europa. Am 10. Oktober 2008 wurde eine Sonderausgabe mit dem Titel „Analyse des Börsencrashes“ aufgenommen, die Ursachen und Folgen dessen behandelte, was noch bevorstand.

Von dort an verfolgt das Archiv den gesamten Zyklus bis zum Jahresende 2013 mit einem Anstieg von 21,41% beim Ibex. Im folgenden Jahr stieg der Index nur um 3,66%. Auf diesem Weg wurden technische Szenarien und konkrete Empfehlungen zu überprüfbarem Material. Ein Großteil hielt der späteren Überprüfung schlecht stand.

Der Sprung zu Wettbewerben: 5.000 Dollar Preisgeld

Mit wenig Erfolg an den Börsen suchten einige Analysten andere Bühnen. Broker-Wettbewerbe wie Dukascopy vergaben Preise basierend auf Vorhersagegenauigkeit. Beim Dukascopy Fundamental Analysis Contest erreichte ein Teilnehmer zwischen September 2013 und Februar 2014 mehrere Spitzenplätze: 500 Punkte mit 12 korrekten Prognosen im September; 700 Punkte mit 14 Treffern Ende November; ein zweiter Platz mit 230 Punkten im Dezember; ein weiterer zweiter Platz im Januar mit 223 Punkten und 14 Treffern.

Im monatlichen Wettbewerb im Januar 2014 landete er auf Platz eins und erhielt 5.000 Dollar, nachdem er 916 Teilnehmer hinter sich gelassen hatte. Im Februar brachte ein anderer Wettbewerb 992 Trader zusammen und bescherte ihm 500 Dollar für einen zehnten Platz. Im Juni gewann er auch den Binäroptionen-Wettbewerb mit weiteren 2.000 Dollar. Die Ironie: Während manche im Demokonto lernten, schwankten die Indizes wild.

Der Wolf von Wall Street und der TVE-Dokumentarfilm

Das Archiv enthält nicht nur technische Analysen. Es verlinkt auf den Dokumentarfilm „¿Dónde está el DINERO?“ („Wo ist das Geld?“), den TVE im Oktober 2010 ausstrahlte, über das Geld, das während der Boom-Jahre zirkulierte und mit der Krise verschwand. Auch der Trailer zu The Wolf of Wall Street von Scorsese ist enthalten, mit einem Kommentar, der die Stimmung zusammenfasst: „Es sagt nichts, was wir nicht wüssten und was heute genauso oder schlimmer weitergeht.“ Ebenso die jährlichen Leitfäden zur Einkommensteuer IRPF (spanische Steuererklärung) — Steuersätze, Simulatoren der AEAT (Finanzverwaltung), PADRE-Programm — gemischt mit Links zu Trading-Demos zum Üben mit CFDs. Dasselbe Publikum, zwei Ängste: den Markt zu verpassen und dass das Finanzamt anklopft.

Was bleibt von diesem Material?

Acht Jahre technische Analyse ergeben keine epische Lektion. Sie ergeben eine Musterkollektion: die Analysten, die recht hatten, und jene, die falsch lagen, die Werte, die hielten, und jene, die pleitegingen, die 5.000-Dollar-Preise und die kleinen persönlichen Niederlagen, die niemand aufzeichnete. Ein solches Archiv hilft nicht beim Investieren. Es zeigt, was gesagt wurde. Den Rest schreibt jeder selbst, hindsight is 20/20.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (519 Antworten).

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