Öl bei -37 Dollar: Die vermeintlich einfache Wette scheitert
Die Empfehlung kam, als Brent bei 30 Dollar stand, mit einer einzeiligen Begründung: Flughäfen und Straßen begannen sich wieder zu beleben, Rohöl war billig, und das sei eine Chance für schnelles Geld. Zwei Monate zuvor lag der Barrelpreis noch nahe an 70 Dollar, während der Markt auf Irans Reaktion nach dem Attentat auf Soleimani blickte. Niemand in dieser Diskussion hätte gedacht, dass Öl ins Negative rutschen könnte. Noch weniger, dass die Kosten für die Halteposition eines Differenzkontrakts (CFD) so schwer wiegen würden wie der Preis selbst.
Von 30 auf 72 Dollar: Die These der leichten Gewinnmitnahme
Die Nachricht, die den Thread eröffnete, wurde aktualisiert, je nachdem wie sich der Barrelpreis bewegte: erst 30 Dollar, dann 39, und abschließend eine Notiz von 72 im Jahr 2021. Die These war simpel: Da Shell und Exxon noch stark abgestraft waren, bot sich für jene, die den Anstieg verpasst hatten, ein zweiter Einstieg. Der Autor fasste es zusammen: Er handele ohne Hebelwirkung, prozentuale Verluste beunruhigten ihn nicht, und Ende des Jahres werde der Barrel bei 45 stehen. Andere präzisierten das Ziel: Kaufen bei 30, verkaufen bei 60, ohne auf den Preis zu schauen, mit der Idee, später in physisches Metall zu rotieren.
Dem gegenüber stand sofortiger Skeptizismus. Für manche würde das Rohöl weiter unter 20 fallen, wenn sich die Bicho in den USA ernsthaft verschlechtere. Für andere war der Kauf von Öl im freien Fall „wie Turrón im Dezember kaufen, um ihn im August zu essen“. Es fehlte auch nicht an Warnungen, dass der Registrierungslink zur Empfehlung Provisionen für den Verbreiter generiere, während mehrere Nachrichten Anweisungen zum Konteneröffnung verlangten.
Der Tag, an dem Öl negativ notierte
Das Szenario, das kaum jemand erwartet hatte, trat ein. WTI schloss am Verfallstag bei -37 Dollar, ein beispielloser Vorfall, der die Broker auf dem falschen Fuß erwischte. In den Charts ist dieser Tag mit 9,46 Dollar markiert, und die folgende Sitzung öffnet bei 10; die gängige Erklärung besagt, dass diese Zahl dem Abrechnungspreis des Futures entsprach, nicht dem letzten Handelskurs. Manche forderten ironisch, ihnen dreißig Millionen Billionen Barrel nach Hause zu schicken, während andere auf das Wesentliche hinwiesen: Wenn die kumulierten Verluste sich der 15%-Marke des Margins nähern, verlangen Broker zusätzliche Sicherheiten, und bei negativen Kontoständen fordern Intermediäre die Begleichung des Saldos.
Die Erholung kam danach, getrieben durch ein mögliches Abkommen zwischen Russland und Saudi-Arabien, aber der Barrel fiel innerhalb weniger Sitzungen wieder von 28 auf 15 und zurück in die Tiefe. Wer Ende des Jahres 45 Dollar angekündigt hatte, hielt weiterhin an einem Zehnmonatshorizont fest. „Wie viel Panik“, schrieb er.
Was ist Contango und warum frisst es Gewinne?
Hier liegt die strukturelle Falle, die keine Schlagzeile erklärt. Ein Future befindet sich im Contango, wenn spätere Fälligkeiten teurer notieren als naheliegende – ein üblicher Zustand bei Rohöl und ein Zeichen eines Bärenmarktes. Wenn man eine Position über den Referenz-ETF hält, ist dieser in den nächsten Future investiert und verkauft diesen vor der Fälligkeit, um den nächsten zu kaufen: Jede Rotation erfolgt gegen den Trend. Hinzu kommen die Lagerkosten für einen Barrel, die bei diesen Preisen prozentual schwer wiegen.
Eine im Thread verteidigte These lautet, Futures nicht direkt zu kaufen, sondern über ETCs zu gehen, da diese laut Befürworter Mechanismen enthalten, um das Roll-Down-Risiko abzufedern, obwohl andere Teilnehmer konkrete Details dazu forderten. Als Alternativen wurden genannt: Dieseltanks füllen, physisches Gold halten oder akzeptieren, dass man für eine Marktteilnahme zahlt, nicht für einen greifbaren Vermögenswert.
Was kostet der Handel mit Rohöl-CFDs wirklich?
Mehr als es scheint. Die Kosten strukturieren sich in zwei Wegen: der Spread zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem angebotenen Preis sowie die nächtliche Haltegebühr, die an Wochenenden verdoppelt oder verdreifacht wird. Ist die Position gehebelt – x2, x5, x20 –, verteuert dieses Darlehen die Haltung zusätzlich. Hohe Hebel erfordern zudem die Einstufung als professioneller Anleger. Bei einem solchen Produkt ist das Durchhalten bis zur Erholung des Rohöls nicht gratis: Jeder Tag, der vergeht, erhöht effektiv den Einstiegspreis allein durch die Kosten.
Fonds aus Ölkonzernen oder Rohöl-ETF?
Am häufigsten zitiert wird die Erfahrung von jemandem, der nach dem Börsencrash im März einen Korb aus Ölaktien kaufte – BP, Exxon, Aramco und Co. Innerhalb von zwei Wochen machte er 20% Gewinn und dankte erneut für die Empfehlung. Eineinhalb Monate später verlor er 10%, der einzige rote Fonds in seinem Portfolio, und dachte bereits an Ausstieg. Ein anderer Teilnehmer fasste die Lektion nüchtern zusammen: Das einzige Bedauern sei gewesen, ein Produkt gekauft zu haben, das man nicht zu 100% verstand.
Der Kontext hilft nicht. Die Internationale Energieagentur (IEA) kündigte das Ende einer Ära an, mit einer Nachfrage nach Rohöl, die am Ende des Jahrzehnts nicht mehr wächst und im schlechtesten Szenario erst 2027 ihr Niveau wieder erreicht. Die Rohölimporte nach Spanien brachen im August um 21% ein, Versorger sind an der Börse jetzt mehr wert als Ölkonzerne, und die Schweizer Bank Julius Baer argumentierte, die US-Wahlen seien für den Barrelpreis nur ein Nebenschauplatz. Der Streit zwischen Biden und Trump bewegte wenig; die wöchentlichen Inventardaten, plus 4,32 Millionen Barrel in den USA, bewegten mehr.
Der Fall ENI, der nahe an sein Minimum fiel, illustrierte die Stimmung: Wer auf einen Boden wartete, entschied sich, noch etwas länger zu warten. Wer Monate zuvor mit Gewinn aus Shell ausgestiegen war, tröstete sich, als die Strafe kam, während der Autor der ursprünglichen Empfehlung zugab, noch „etwas Shell im grünen Bereich“ zu haben, und nun zu Investitionen in erneuerbare Energien riet. Ein Barrel, das im Chart bei 9,46 Dollar erscheint und bei -37 Dollar schloss, ist exakt derselbe Barrel.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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