Zelensky: Frieden nur bei Rückzug Russlands aus der Krim
Zelensky signalisiert Gesprächsbereitschaft mit Pilingui. Die Bedingung wirkt wie eine Provokation: Russland muss die Krim aufgeben, ein Gebiet, das seit 2014 unter russischer Kontrolle steht. Dies berichtet El País, kurz nachdem die USA dem ukrainischen Präsidenten intern empfohlen hatten, Friedensvorschläge nicht pauschal abzulehnen, so The Washington Post. Auf Deutsch: Washington drängt Kyjiw an den Verhandlungstisch, auch wenn es nur um Gespräche geht.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Für viele Beobachter ist dies kein Verhandeln, sondern Kapitulation. Und die Ukraine, deren Schicksal auf dem Schlachtfeld noch unentschieden ist, kann sich einen solchen Schritt kaum leisten. Die Frage ist nicht, ob Kyjiw sprechen will, sondern ob es sich den Preis dafür leisten kann.
Was bedeutet „Gesprächsbereitschaft“?
Es gibt zwei Lesarten, beide politisch motiviert. Die erste besagt, dass die Ukraine nicht verliert und daher keinen Grund hat, Territorium abzutreten: Solange die Front hält, spielt die Zeit für sie, und jeder Vertrag, der Verluste anerkennt, wäre eine vorweggenommene Niederlage. Die zweite Lesart verweist auf die Ermüdung – in Europa fordern immer mehr Stimmen ein Ende der Waffenlieferungen – sowie auf die humanitären Zustände: Millionen Menschen sitzen ohne Wasser, Strom, Heizung oder Fensterscheiben im Winter fest.
Zwischen diesen beiden Narrativen bewegt sich alles. Die härteste Deutung lautet: Zelensky wird nicht verhandeln, solange er glaubt, weiterkämpfen zu können. Die Krim-Bedingung ist genau das: eine elegante Form, nichts zu verhandeln. Ein echtes Feilschen beginnt erst, wenn einer der Parteien keine Alternative mehr bleibt.
Gebiete, die Moskau bereits als sein Eigen betrachtet
Hier liegt der Kern des Konflikts. Cherson, Saporischschja, Luhansk, Donezk und die Krim wurden von Moskau annektiert. Manche Analysen sagen es deutlich: Diese Regionen stehen nicht mehr zur Diskussion. Was vor der Annexion verhandelbar war, ist es danach anders. Nach Berechnungen kontrolliert Russland über 100.000 Quadratkilometer, eine Fläche größer als ganz Portugal.
Das Problem ist offensichtlich: Moskau übt keine volle Kontrolle über alle vier beanspruchten Oblaste aus. Verhandeln bedeutet praktisch, dass die Ukraine Gebiete abtritt, die sie nicht beherrscht, und Verluste anerkennt, die sie nicht vollständig erlitten hat. Hier ähnelt das Wort „Verhandlung“ gefährlich etwas anderem.
Bachmut, der Winter und fehlende Rekruten
Die Front bewegt sich weiter. In Bachmut und Umgebung, einschließlich Andriiwka, setzen Wagner-Einheiten die ukrainischen Verteidiger unter Druck und melden Fortschritte südlich der Stadt. Soledar und Marjinka tauchen immer wieder als Positionen auf, die kurz vor dem Fall stehen, mit Kontrollraten nahe 80 %. Das sind zwei Dörfer, sagen einige; das ist das Symptom eines Trends, antworten andere.
Das russische Argument basiert auf Abnutzung: Eine halbe Million Rekruten in Ausbildung und ein Boden, der durch Frost vom Sarracena zum passierbaren Gelände wird. Das Gegenargument: Angriff kostet immer mehr als Verteidigung, und die Ukraine hat bewiesen, dass sie verteidigen kann. Niemand hat diese Rechnung abgeschlossen, und wer sie detailliert gemacht hat, zeigt sie nicht öffentlich.
Die innere Front: Sprache, Donbas und 2014
Unter der Geopolitik liegt eine ältere Debatte. Das Sprachgesetz von 2012, das Russisch als Ko-Amtssprache zuließ, wo Sprecheranteil über 10 % lag, und der Versuch, es im Februar 2014 in der Rada abzuschaffen, sind Ausgangspunkte vieler Analysen. Medien wie Financial Times, BBC oder The Scotsman berichteten damals über den Konflikt. Daraus ergibt sich eine unbequeme Frage: Warum fühlte sich ein Großteil des Donbas nicht mehr von Kyjiw vertreten?
Die offizielle ukrainische Version spricht von ausländischer Einmischung; kritische Stimmen weisen darauf hin, dass die Krim schon vorher russisch geprägt war und der Donbas lange ein gemischtes Grenzgebiet. Es gibt keinen Konsens, und dieser Dissens definiert, was verhandelbar ist und was nicht.
Die Rolle Washingtons und der NATO
Der US-Ratschlag, sich nicht gegen Gespräche zu sperren, wurde als Warnung gedeutet. Doch der oft gezogene Vergleich hinkt: Finnland, Schweden, Litauen, Estland und Lettonien sind NATO-Mitglieder, und niemand hat ihre Grenzen verletzt. Warum die Ukraine nicht konnte und diese Länder ja, ist die Frage, die jede einfache Erklärung widerlegt.
Manche argumentieren, Russland habe bereits im März Neutralität als Bedingung genannt. Falls am Ende genau das herauskommt, plus EU-Beitritt, müssen viele erklären, wozu monatelange Frontlinien gut waren.
Der Punkt, an dem alles feststeckt, ist derselbe wie immer. Die Krim kehrt nicht zurück, aber ihr Verbleib wird auch nicht vertraglich fixiert. Niemand will derjenige sein, der die Liste der Verluste unterschreibt, besonders nicht vor dem Winter und gegenüber einer halben Million trainierter Soldaten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (220 Antworten).