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Ukrainische Flagge in Cherson: Kein Sieg sichtbar
Die Rückkehr der ukrainischen Flagge nach Cherson wurde angekündigt, doch während die russischen Truppen sich angeblich zurückzogen, wurden vor Ort Symbole entfernt.
Cherson: Entfernte Flaggen und ein unbestätigter Vormarsch
Es wurde verkündet, dass die ukrainische Flagge nach Cherson zurückkehre. Das zusammen mit der Ankündigung verbreitete Beweismaterial deutete jedoch auf das Gegenteil hin: In der Stadtverwaltung wurden Flaggen abgenommen, nicht gehisst. Die weitgehend akzeptierte Interpretation – zugeschrieben dem Kanal Grey Zone und dessen Übersetzung durch WarTranslated – besagte, dass die Symbole entfernt wurden, um zu verhindern, dass jemand später ihre Ersetzung durch die blau-gelbe Flagge filmen konnte. Ein offizieller Sieg ohne ein einziges Bild des Sieges.
Warum werden die Flaggen in Cherson entfernt?
Dieses Detail bestimmte den Ton für alles Folgende. Wenn eine Flagge entfernt wird, bevor der Gegner eintrifft, verzichtet die Verwaltung, die sie gehisst hat, scheinbar grundlos auf ein Symbol. Die verbreitetste Lesart war logistischer Natur: Man wollte einen fremden Photocall vermeiden. Die gegenteilige Deutung behauptete, es gebe nichts zu feiern, da kein Vormarsch bestätigt sei. Zwischen beiden lag ein unbequemer Fakt für beide Seiten: Die Entfernung einer Flagge beweist allein weder eine Eroberung noch eine Flucht.
Hat sich Russland aus Cherson zurückgezogen? Videos leerer Kontrollpunkte
Neben der Ankündigung kursierten Aufnahmen von leeren Kontrollposten in der Stadt. Ein Posten ohne militärische Präsenz ist ein Hinweis, keine Bestätigung. Eine Armee kann ihn wegen Umgruppierung, Rotation oder als Teil einer Manöver verlassen. Der skeptischere Lager bestand darauf, dass keine Bewegungen an den russischen Verteidigungspositionen oder Verlegungen von Fahrzeugen ans linke Ufer des Dnepr registriert worden seien. Das diskutierte Szenario war ein geordneter Rückzug – oder eine Falle –, keine panische Flucht. Die Gegenargumentation ging vom Offensichtlichen aus: Wenn die Flaggen fielen und die Kontrollen leer blieben, bewegte sich etwas.
Der Sieg, der gefilmt werden muss
In einem Krieg, der auch auf Bildschirmen geführt wird, existiert die Eroberung erst, wenn sie aufgenommen wird. Daher das Detail mit den Flaggen: Wer die Symbole entfernt, weiß, dass der Wert nicht im Stoff liegt, sondern in der Aufnahme, die sie gehisst zeigt. Befürworter des Vormarsches forderten Geduld; Skeptiker verlangten Beweise. Die Diskussion drehte sich darum, wer die Informationen von der Front kontrolliert und warum keines der beiden Lager Interesse daran hatte, sie vollständig zu zeigen. Das Ergebnis war zu diesem Zeitpunkt eine Stadt, deren tatsächliche Kontrolle niemand mit Bildern bestätigte.
Das Afghanistan-Präzedenzfall und der Verschleiß der Großmächte
Der Vergleich mit Afghanistan tauchte sofort auf, um den Verschleiß jener zu messen, die sich als Großmacht ausgeben. Ein Teilnehmer führte die Bilanz zwanzig Jahre internationaler Präsenz an: über 70.000 getötete afghanische Polizisten und Soldaten, 2.400 US-Soldaten, 1.100 Koalitionstruppen und fast 4.000 Vertragsarbeiter, bei Kosten von 2,3 Billionen Dollar. Die Schlussfolgerung eines Teils der pro-russischen Analyse: Wenn die mächtigste Armee der Welt Kabul angesichts einer Aufstandsbewegung ohne nennenswerte externe Unterstützung verließ, sollte niemand über Cherson belehren. Die westliche Antwort kehrte das Argument um: Afghanistan fiel aufgrund des fehlenden Kampfeswillens der lokalen Armee, nicht wegen der Überlegenheit des Gegners. Die Analogie wurde als Wurfgeschoss verwendet, nicht als Analyse.
Krieg der Zahlen: Von 75.000 Toten bis zum Holodomor
Zahlen dienten als Munition. Angesichts des angekündigten Vormarsches wurden die 75.000 getöteten russischen Soldaten angeführt, die dem Konflikt zugeschrieben wurden, und das Argument reichte bis zu historischen Episoden zurück: die zehn Millionen ukrainischen Bauern, die im Holodomor geschätzt werden, oder die Massaker in Tschetschenien, der Krim und Afghanistan. Jede Zahl diente dazu, eine vorherige These zu stützen. Dass Russland bereits verloren habe, oder dass der Westen einen fremden Krieg mit offener Rechnung führe. Was nirgends auftauchte, war ein Bild des Vormarsches vor Ort.
Westliches Material und wer die Rechnung zahlt
Eine weitere Diskussionsebene ließ die Front beiseite und blickte auf die Buchhaltung. Das Volumen der an die Ukraine gelieferten Waffen wurde mit der Größe der zukünftigen Rechnung verglichen: Wer einen fremden Krieg führt, so hieß es, zahlt ihn doppelt, in Menschenleben und Schulden. Der Einwand von der anderen Seite bezog sich auf den Zeitplan: Nach acht Monaten Kampf verlor die Armee, die die zweitstärkste der Welt sein sollte, Boden und hatte aufgehört, mit Europa Handel zu treiben. Keine der beiden Bilanzen passte zur jeweiligen Erzählung.
Es bleibt offen, was sich tatsächlich unter den fehlenden Flaggen verbarg. Wenn es ein Rückzug war, sollten die ukrainischen Streitkräfte in eine Stadt einmarschieren, aus der die Russen geordnet abzogen. Wenn es eine Falle war, würde die Rechnung Tage später kommen. Niemand hatte die Antwort, und die Bilder leerer Kontrollposten lieferten sie nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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