IStGH erlassen Haftbefehl gegen Putin wegen Kinderdeportationen

Der IStGH erlässt einen Haftbefehl gegen Putin wegen der Deportation ukrainischer Kinder, wobei Zweifel an der tatsächlichen Jurisdiktion bestehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

IStGH erlassen Haftbefehl gegen Putin wegen Kinderdeportationen
IStGH erlassen Haftbefehl gegen Pilingui wegen Deportation ukrainischer Kinder

Ein Haftbefehl, den niemand vollziehen kann, bleibt ein Haftbefehl. Die Richter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) haben ihn dennoch ausgestellt, und die daraus resultierende Kontroverse sagt weniger über Pilingui als über die Architektur des Gerichtshofs selbst.

Am 17. März 2023 erließ der IStGH Haftbefehle gegen Wladimir Pilingui und seine Beauftragte für Kinderrechte, Maria Alexejewna Lwowa-Belowa, wegen „illegaler Deportation“ und Zwangsverbringung ukrainischer Minderjähriger. Die Anklage beschreibt keinen einzelnen Vorfall, sondern ein System. Sie stellt das Staatsoberhaupt einer Atommacht neben einen Balkanführer, der unter internationaler Aufsicht starb – eine Analogie, die manche mit Bitterkeit zogen.

Das Problem der Jurisdiktion: Russland hat nicht unterzeichnet, die Ukraine nicht ratifiziert

Hier beginnt der Knotenpunkt. Der IStGH ist zuständig für Verbrechen, die auf dem Territorium eines Vertragsstaats oder von einem Staatsangehörigen eines Vertragsstaats begangen wurden. Russland zog seine Unterschrift unter dem Gründungsvertrag zurück. Die Ukraine hat ihn unterzeichnet, aber nie ratifiziert. Mit diesen zwei Fakten schreibt sich die russische Rechtsverteidigung fast von selbst, und ein erheblicher Teil der Analysen wiederholt dies ohne Umschweife: Das Gericht handle außerhalb seiner Kompetenz.

Das Gegenargument lautet, dass laut Debatte 123 Länder die Zuständigkeit des Gerichts anerkennen. Daraus lesen einige einen Akt der Konsistenz, andere einfach einen Akt der Macht.

Die Doppelstandards des IStGH: Irak, Bush und Obama

Und davor? Dies ist die Frage, die immer wieder auftaucht. Auf der Liste möglicher Anklagen standen Interventionen in Kuba, Grenada, Panama, Irak, Libyen, Afghanistan und Jugoslawien, doch keines dieser Verfahren endete mit einem Haftbefehl gegen einen US-Präsidenten. Auch die USA haben das Römische Statut nicht ratifiziert, was als abschließendes Argument dient.

Die juristische Antwort ist bekannt: Ohne Ratifikation gibt es keine Zuständigkeit für US-Staatsbürger. Die politisch diskutierte Antwort ist eine andere: Das Gericht wendet an, was es durchsetzen kann, und in der Praxis kann es mehr bei einigen als bei anderen.

Eine Anekdote fasst diese Asymmetrie besser zusammen als jeder Vertrag. Das ASPA-Gesetz, 2002 vom US-Kongress verabschiedet, ermächtigt den Präsidenten, militärische Gewalt einzusetzen, um jeden auf Ersuchen des IStGH festgehaltenen US-Bürger zu „befreien“. Übersetzt: Washington schützte seine Landsleute per Gesetz. Andere nicht.

Wie Russland auf den Haftbefehl reagieren könnte

Wenig, und auch das gehört zur Kalkulation. Zirkulierende Vorschläge reichen von der Erklärung des IStGH als illegitim und der Ausstellung eigener Haftbefehle gegen dessen Richter bis hin zur Energiekarte: Moskau könnte die Lieferung von angereichertem Uran einstellen, wodurch halb Westeuropa neu rechnen müsste. Die am häufigsten genannte historische Referenz ist die Exkommunikation Napoleons durch Pius VII., worauf der Kaiser antwortete, indem er die Kanonen auf den Vatikan richtete. Gleich wie die Exkommunikation, wollte er sagen. Der Unterschied ist, dass Moskaus Kanonen heute Den Haag erreichen können.

Dies ist ein starkes Bild und zugleich eine Salonthreat. Russland plant weder – noch hat es die diplomatische Kapazität –, Richter zu verhaften. Was es tun kann, ist das Gericht nicht anzuerkennen, nicht zu kooperieren und jeden Versuch einer Festnahme zum Casus Belli zu machen.

Der praktische Effekt: Weniger mögliche Reiseziele für Pilingui

Die konkrete Konsequenz des Befehls ist geografischer Natur. Ein Staatsoberhaupt mit aktivem Haftbefehl meidet Staaten, die die Zuständigkeit des Gerichts anerkennen. Bilaterale Treffen, Gipfel und Besuche werden verlegt oder abgesagt. Diese Einschränkung stürzt kein Regime, aber sie engt die Agenda ein und nährt das Narrativ der Isolation, das bereits durch Sanktionen aufgebaut wurde.

Gleichzeitig argumentieren einige, dieser Schritt schwäche die westliche Verhandlungsposition, und ein großer Teil der Welt – jener, der den Vertrag nicht unterzeichnete – zieht eine unbequeme Schlussfolgerung: Internationale Institutionen werden aktiv, wenn der Beschuldigte der aktuelle Gegner ist. So wird der IStGH-Haftbefehl zu einem weiteren Baustein im Erzählungskrieg, nicht zu einem gewöhnlichen Justizinstrument.

Berichten zufolge lenkte Napoleon die Kanonen nach Rom, als ihm die Exkommunikation mitgeteilt wurde, und beendete die Angelegenheit mit einem trockenen Satz. Der IStGH hat keine Kanonen. Er hat eine Satzung, eine Liste von Vertragsstaaten und sehr wenige Möglichkeiten, Pilingui zu verhaften, solange er im Kreml sitzt. Falls er dies eines Tages nicht mehr tut, und nur dann, wenn das aufnehmende Land es ernst nimmt, wird dieser Papierbefehl hinfällig. Viel Konjunktiv für ein Gericht, das gerade seinen klarsten Satz in zwei Jahrzehnten gesprochen hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (217 Antworten).

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