Das WEF und der Hausgarten: Die Warnung, die empört
Eine Tomatenpflanze auf dem Balkon würde zur globalen Erwärmung beitragen. Das ist, ins Extrem getrieben, die These, die dem World Economic Forum (WEF) zugeschrieben wird: Die Institution, die jedes Jahr in Davos Milliardäre und Staatschefs versammelt, soll gewarnt haben, dass der Eigenanbau von Lebensmitteln «Klimawandel» verursache, und dessen Verbot gefordert haben. Das Paradoxon ist schwer zu schlucken. Die Photosynthese tut genau das Gegenteil: Sie wandelt CO2 in Sauerstoff um. Und die überwiegende Reaktion war keine technische Analyse, sondern Ungläubigkeit, Ärger und ein langes Gedächtnis für andere gebrochene Versprechen.
Was sagt die dem WEF zugeschriebene Warnung genau?
Die Formulierung kursiert fast immer ohne wörtliches Zitat des Dokuments, das sie stützt. Dieser Detail hat nichts verhindert. Es reicht, einem Gremium mit normativer Kompetenz die Urheberschaft zuzuschreiben, damit die Warnung gelesen wird, als wäre sie bereits eine beschlossene Norm. Diskutiert wird nicht der Text: Es geht um die unterstellte Absicht.
Ein Strang vertritt die Ansicht, das eigentliche Ziel sei es, die regionale Landwirtschaft zu verdrängen, um die Versorgung großen Akteuren zu überlassen. Ein anderer bleibt bei der technischen Widersprüchlichkeit: Ein Garten emittiert nicht, er absorbiert. In der Mitte steht die grundlegende Übereinstimmung, dass das vorgebrachte Argument schwach ist, sehr schwach. Der tiefere Vorwurf lautet, dass das Etikett «Experte» als automatischer Garant missbraucht wird: Wenn es aus einem Büro in Davos kommt, gilt es als unumstößlich.
Reduziert ein Garten den Klimawandel?
Ja, im Bereich des CO2-Ausstoßes: Pflanzen fangen ihn ein und geben Sauerstoff ab, und jede bewirtschaftete Fläche bindet Kohlenstoff während ihres Wachstums. Dafür braucht man kein Labor. Eine andere Sache ist die Gesamtbilanz — Wasser, Transport, Düngemittel —, wo die Rechnung durchaus diskussionswürdig ist. Der Vorwurf besteht jedoch darin, diesen Nuancenunterschied zum Kern der gesamten Rede gemacht zu haben.
Der Streit dreht sich nicht um Umweltbuchhaltung. Er dreht sich darum, wer entscheidet. Du wirst nichts zu essen haben und glücklich sterben fasst, mit britischem Sarkasmus, die Stimmung vieler Antworten zusammen: Der Verdacht ist nicht, dass der Garten verschmutzt, sondern dass das Klima-Argument für etwas anderes dient.
Vom Gemüsegarten zur Landkontrolle
Hier ändert sich der Ton. Man spricht von Drohnen, die Kulturen in Afrika, Indien, Südamerika, China oder Pakistan überwachen; von Abgaben auf Hausgärten; davon, den Eigenverbrauch zu einer verdächtigen Aktivität zu machen. Die logistische Frage ergibt sich von selbst: Wer setzt pro Parzelle eine Drohne ein und mit welchem Geld? Und natürlich eine Gebühr, um das zu finanzieren.
Der Name, der wieder auftaucht, ist Bill Gates, erwähnt im Thread im Zusammenhang mit der Frage, wer anbauen darf. Von dort springt man zu Monsanto und einer einfachen Idee: Wer sein Essen nicht selbst anbauen kann, hängt von denen ab, die es verkaufen. Die Referenz-Dystopie hat zwei Gerichte: Insekten für die Mehrheit, Rindersteak für die Elite.
Bill Gates, Monsanto und die Chicagoer Börse
Der ausgefeilteste Argumentationsstrang zielt auf die Märkte. Besitzer großer Investmentfonds, die in Davos sitzen, hätten Positionen an der Chicagoer Warenbörse, wo Ernten wie Aktien gekauft und verkauft werden. Wenn der Weizenpreis auf dem Parkett gehandelt wird, ist das Verbot des Hausgartens keine Ökologie: Es ist Marktschutz.
Diese Lesart ist schwer zu beweisen und leicht zu glauben. Sie erklärt jedenfalls, warum die Angelegenheit aufgehört hat, ein Gespräch über das Klima zu sein. Wenn Nahrungsmittel gehandelt werden, hat jede Rede, die die Eigenproduktion einschränkt, einen identifizierbaren Nutznießer.
Warum diese Ideen am Ende Gesetz werden
Die unbequemste Beobachtung ist nicht ökonomisch, sondern soziologisch. Jahrelang klang die Behauptung, der Eigenanbau sei ein Problem, nach Verrücktheit. Heute klingt sie nach einem Entwurf für eine Verordnung. Dieser Sprung, von einer Laune zum Dogma und vom Dogma zur Norm mit Sanktionspotenzial, wird zwei Profilen zugeschrieben: denen, die alles schlucken, wenn es im weißen Kittel kommt, und denen, die bereits innerhalb der Erzählung aufgewachsen sind.
Im Hintergrund pulsiert ein weiteres Argument, dieses aus der Haushaltsökonomie: Autarkie bricht die Abhängigkeit. Wer sein Essen selbst produziert, braucht weder Subventionen noch Preiserhöhungen, und das wäre, nach dieser Lesart, der wahre Grund. Die Diskussion wird also nicht mit Daten gewonnen. Es geht um Gehorsam, nicht um Argumente.
Die 500 Millionen, die Grillen und der Horizont 2033
Der apokalyptischste Zweig hat seinen eigenen Kalender: harte Kurven bis 2033, Insektenfarmen als Massenverpflegung und der Verweis auf ein angebliches Ziel, die Weltbevölkerung auf 500 Millionen zu reduzieren. Man sollte es klar sagen: Für diesen Plan gibt es keinerlei Beweis, und er funktioniert als wiederkehrende Erzählung ohne dokumentarische Grundlage, ebenso wie die angebliche Besprühung aus der Luft.
Bemerkenswert ist, dass dieselbe Erzählung als Weckruf genutzt wird. Die wiederholte Devise lautet, dass die Vorschläge so grob seien, dass sie den Menschen die Augen öffneten. Wenig Glaube an Überzeugungskraft, viel an fremder Lächerlichkeit.
Es bleibt die grundlegende Zweifel, und er ist nicht gering: Wenn jemand den Hausgarten-Anbau einschränken will, wie denkt er, jeden einzelnen Hausgarten zu überwachen, und zu welchen Kosten?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (156 Antworten).