Kein Rücktritt: Rekord für spanische Regierung ohne Abgänge

Seit 2018 gab es keinen einzigen Regierungs-Rücktritt in Spanien, die längste Phase dieser Art seit der Demokratie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kein Rücktritt: Rekord für spanische Regierung ohne Abgänge
Was muss geschehen, damit ein Präsident zurücktritt?

Diese Frage beschäftigt Spanien seit Monaten und bleibt unbeantwortet. Nach einer im politischen Diskurs kursierenden Berechnung hat seit 2018 kein Regierungsmitglied seinen Posten verlassen – die längste Phase ohne einen einzigen Rücktritt aus Korruptions- oder Ethikgründen in der Geschichte der spanischen Demokratie. Weder die Sturmflut an der Levante-Küste noch der Hochgeschwindigkeitszug-Unfall (AVE) noch die Affären um Koldo, Ábalos oder Aldama haben zu einem Wechsel geführt. Die Exekutive bleibt sitzen, und die Opposition drängt sie nicht ab.

Der Vergleich ist schmerzhaft. Frühere Regierungen unter Felipe González oder Zapatero verzeichneten Rücktritte aufgrund von Skandalen. Hier fällt niemand. Eine Zahl, die den Frust zusammenfasst, wird hinter vorgehaltener Hand weitergegeben: null zurückgetretene Präsidenten und rund fünfzehn entlassene Minister wegen Korruption oder ethischer Verstöße seit 1978. Alle, mit wenigen Ausnahmen, gehörten derselben politischen Farbe an.

Der Rekord, den niemand feiern will

Ein Faktum taucht in jeder Diskussion über dieses Thema auf: Seit 2018 hat kein Regierungsmitglied seinen Posten freiwillig geräumt. Kein Minister, kein Staatssekretär, kein Berater. Diese Zeitspanne übertrifft die Ära von González und Zapatero an Beständigkeit, die durchaus Köpfe rollen ließen, als der Druck der Skandale zu groß wurde.

Die Wahrnehmung auf der Straße ist simpel: Es fehlt an Ehre. Amtsträger beziehen hohe Gehälter und klammern sich an ihre Sitze. Der Rücktritt, jenes Wort, das in anderen Ländern Krisen binnen 48 Stunden löst, klingt hier wie eine Fremdsprache. „Rücktritt ist ein russisches Wort“, fasst eines der verbreiteten Zitate zusammen.

Das Gegenargument existiert ebenfalls, findet aber weniger Gehör: Wenn der Präsident Neuwahlen ausschreibt und diese verliert, tritt er ab. Das ist der demokratische Mechanismus. Das Problem ist, dass niemand daran glaubt, dass dieser Mechanismus funktioniert, wenn Wahlmanipulation – real oder vermeintlich – im Spiel ist.

Fälle, die niemanden stürzen

Die Liste offener Fälle ist lang. Die Koldo-Affäre, die Ábalos-Affäre, die Aldama-Affäre. Und der Name, den der Präsident selbst im Parlament nannte, um vom eigentlichen Thema abzulenken. Keiner dieser Fälle führte zu einem Abgang. Die Maschinerie hält stand.

Ähnlich bei Naturkatastrophen und technischen Pannen. Der Sturm, der die Levante verwüstete und Todesopfer forderte. Der AVE-Zugunfall. Die Waldbrände des vergangenen Sommers, wo Stoppelfelder unberührt blieben. Das Management des Vulkanausbruchs. Jeder Vorfall endet ohne einen namentlich genannten Verantwortlichen, der seine Sachen packt und geht.

Manche behaupten, die Schuld liege bei der Opposition, die es nicht versteht, ein Misstrauensvotum anzuzetteln, das die Unterstützer der Regierung bloßstellt. Andere kontern, dass ein solches Votum nutzlos wäre: Der Block, der die Exekutive trägt, ist immun gegen Schamgefühl.

Warum tritt ein Präsident in Spanien nicht zurück?

Weil es keinen Mechanismus gibt, der ihn dazu zwingt. Das System sieht keine erzwungene Demission durch Vertrauensverlust vor, außer auf parlamentarischem Weg, und dieser Weg erfordert eine Mehrheit, die sich nie materialisiert hat. Der Präsident kontrolliert den Staatshaushalt, was ihm praktisch erlaubt, Allianzen zu schmieden und Gefälligkeiten zu verteilen.

Die Folge ist eine Regierung, die seit über drei Jahren keine allgemeinen Budgets verabschiedet hat und weiterhin mit Verlängerungen regiert. Die Paradoxie liegt darin, dass diese haushaltspolitische Schwäche niemandem den Posten gekostet hat.

Die offizielle Erzählung erkennt keinen Verschleiß an. Die Tourismusreservierungen für den Sommer gehen laut Branchenverantwortlichen „durch die Decke“. Die Wirtschaft hält dank EU-Fonds und Eurobonds stand, so die Beobachter der Geldströme. Die unangenehme Frage lautet, was passiert, wenn diese Hilfe wegfällt und jemand fragt, wohin das Geld geflossen ist.

Die Diktatur, die sich nicht so nennt

In den härtesten Debatten hat sich eine Idee festgesetzt: Dies ist keine Demokratie mehr, sondern eine versteckte Diktatur. Sie stützt sich auf drei Säulen: Über drei Jahre ohne Budget, allgegenwärtige Korruption und vernachlässigte Infrastruktur.

Diese These ist nicht unumstritten. Manche entgegnen, dass die formale Demokratie intakt sei und lediglich die Kontrollmechanismen versagten: Richter, Medien, Parlament. „Wir brauchen ehrliche Richter, die ihn ins Gefängnis bringen“, fasst eine der vorgeschlagenen Lösungen zusammen.

Eine andere Strömung blickt nach oben: Freimaurerlogen, faktische Machtzentren, das Regime von 1978. Der Verdacht lautet, dass der Präsident nicht gegenüber den Wählern rechenschaftspflichtig ist, sondern gegenüber denen, die ihn im Amt halten. Wenn das stimmte, hinge der Rücktritt nicht an Spanien.

Das Volk, das sich nicht vereint

Die häufigste Diagnose zeigt nicht auf La Moncloa (den Sitz der spanischen Regierung), sondern auf die Straße. Solange die Stimmen geteilt sind und die Leute ihren Geschäften nachgehen, hat die Regierung Spielraum. „Unter den arbeitenden Spaniern herrscht keine Einheit“, klagt man. Man arbeitet dafür, dass andere gut leben.

Die beschriebene Szene ist bekannt: Nachbarn in perfekter Gesundheit, die seit Jahrzehnten nicht arbeiten, während andere sich den Rücken krumm machen. Der Vergleich mit Benachteiligten schürt Enthaltung und Empörung, stürzt aber keine Regierungen.

Und dann ist da der menschliche Faktor. Wenn dir jeden Monat 15.000 oder 20.000 Euro für einen Sitz überwiesen werden, trittst du zurück? Die laute Antwort lautet: Nein. Der Rücktritt ist ein Luxus, den sich nur leistet, wer außerhalb der Politik etwas zu verlieren hat.



Also bleibt die Frage unbeantwortet. Kein Skandal ist groß genug, keine Katastrophe tödlich genug, keine Straße wütend genug. Der Präsident tritt nicht zurück, weil er es nicht muss. Und jene, die ihn dazu zwingen könnten, finden den richtigen Moment nicht. Vielleicht liegt das Problem nicht bei ihm.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (132 Antworten).

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