Warum spanisches Essen kein globales Fast Food ist

Spanische Klassiker wie Tortilla und Calamari-Sandwiches scheitern global an Formatproblemen, fehlender Unternehmensstruktur und der schwachen Marke Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum spanisches Essen kein globales Fast Food ist
Warum spanisches Essen kein globales Fast Food ist

Kartoffelomelett (Tortilla de Patatas), Tintenfischsandwiches (Bocadillo de Calamares) oder Serranito könnten globale Phänomene sein. Sind sie aber nicht. Der Grund liegt nicht im Geschmack, sondern in etwas Profanerem: dem Format, der Zubereitungszeit und dem Fehlen einer Unternehmensstruktur, die sie von der lokalen Taverne in die Welt trägt. Der Koch José Andrés tut am meisten für die Internationalisierung der spanischen Küche in den USA, doch seine Arbeit ist die Ausnahme, nicht die Regel. Währenddessen geben uns die Briten mit ihrem Fish and Chips und die Türken mit ihren Durums Lektionen darin, wie man ein bescheidenes Gericht zu einem Fast-Food-Imperium macht.

Das Problem ist Logistik, nicht Geschmack

Die erste Hürde ist das Format. Ein Teller Fabada passt nicht in eine Pappschachtel. Erfolgreiches globales Fast Food basiert auf Kohlenhydraten als Träger – Burgerbrötchen, Pizza, Dürüm-Wraps, Taco-Schalen –, auf denen Kombinationen aufgebaut werden, die vage an die lokale Küche erinnern. Das spanische Sandwich ist kein unverwechselbares Format, und Paella oder Kartoffelomelett sind andere Geschichten, wie ein Teilnehmer zusammenfasst. Zudem erfordert die Tortilla eine Zubereitung, die für den durchschnittlichen Amerikaner Profi-Niveau hat: Kartoffeln schälen, schneiden, frittieren, Eier verquirlen und mit einem Teller wenden. Eine wiederkehrende Anekdote illustriert dies: Ein Spanier in den USA lud Kollegen zum Abendessen ein, und als er die Tortilla wendete, sahen sie ihn an, als wäre er ein Künstler. Keiner wagte es, es zu Hause zu versuchen.

Marke Spanien verkauft sich nicht wie Marke Italien

Italien hat seine Küche zum Synonym für Luxus und Lebensfreude gemacht. Spanien nicht. Italiener verkaufen spanisches Olivenöl in den USA als ihr eigenes, und Michelin-Sterne-Restaurants in Deutschland rühmen sich spanischer Rohstoffe ohne Nennung der Herkunft. Die Marke Spanien verkauft sich nicht, und das zeigt sich sogar bei Zara, wo es keine Verweise auf das Land gibt. Manche argumentieren, der Schaden komme von weit her, vom Image, das England projiziert habe, was in bestimmten Märkten Ablehnung erzeugt. Aber es ist nicht nur externe Schuld: Fehlender Unternehmergeist, finanzielle Kraft und konsolidierte spanische Migrantengemeinschaften im Ausland behindern jeden Exportversuch. Italiener triumphieren, weil sie eine Diaspora haben, die ihre Küche lebendig hielt; Spanier haben entweder keine oder sie hat sich aufgelöst.

Die Mafia, die wir nicht haben

Eine der am häufigsten wiederholten Theorien besagt, dass Fast Food dort erfolgreich ist, wo eine Mafia bereit ist, Geld zu waschen. Alle Länder mit globalen Fast-Food-Ketten haben nach dieser Lesart eine kriminelle Struktur dahinter. In Spanien ist die Mafia der Staat, der nicht waschen muss. Das einzige spanische Fast-Food-Franchise, das Grenzen überschritten hat, ist 100 Montaditos, und seine Expansion wird unkonventionellen Kontakten zugeschrieben. Ohne diesen Hebel bleibt jeder Versuch, Tortilla oder Sandwiches zu exportieren, eine Anekdote.

Haute Cuisine als einziger Ausweg

Gegen Fast Food verteidigen manche, dass Spaniens Trumpfkarte die Haute Cuisine sei. Die Nische des Fast Foods ist von Italienern, Mexikanern, Türken und Asiaten besetzt. In der Haute Cuisine konkurriert nur Frankreich. Spanische Produkte – Weine, Käse, Öle, Schinken – eignen sich eher dafür, als exklusiv und teuer verkauft zu werden, als als Takeaway-Essen. Die Strategie würde darin bestehen, Restaurants in Madrid, Barcelona oder San Sebastián mit Touristen zu füllen, die bereit sind, für das Beste zu zahlen, und die es dann in sozialen Medien teilen. Die Frage ist, ob das ausreicht, um das Fehlen einer globalen Fast-Food-Kette zu kompensieren.

Öl und Zubereitungszeit

Die spanische Küche verlangt mehr Technik und Zutaten, die nicht in jedem Supermarkt zu finden sind. Um Kichererbsen mit Kalbsbäckchen (Garbanzos con Callos) in den USA zuzubereiten, muss man sie über Nacht mit Natron einweichen und einen Schnellkochtopf verwenden. Für Pizza oder Makkaroni spielt es keine Rolle, ob man in Berlin oder Burkina Faso ist: Die Zutaten sind überall und schnell zubereitet. Hinzu kommt die Reinigung danach: Das Frittieren in Olivenöl spritzt, riecht und hinterlässt Spuren, die viele Touristen nicht akzeptieren wollen. Angloamerikanisches Fast Food wird in geschmacklosen Ölen frittiert und mit einem Wisch gereinigt. Spanisches Essen nicht.

Picoteo und Tapas: Nicht exportierbare Kultur

Die Kultur des Picoteo (Snackens) und des Teilens von Tapas ist eine weitere Hürde. In Italien gibt es diese Gewohnheit, Gerichte zu teilen, nicht; jeder bestellt sein eigenes. In Spanien ist eine Taverne am Freitagabend ein Ritual von Gerichten in der Mitte, das in anderen Ländern nicht verstanden wird. Das erschwert die Standardisierung: Man kann eine Tapas-Erfahrung nicht in einer Fast-Food-Speisekarte verkaufen. Einige Teilnehmer bemerken, dass ein Teil dieser Kultur in Madrid durch die Geizigkeit der Barbesitzer verloren gegangen ist, aber die Gewohnheit des Teilens lebt weiter. Sie zu exportieren, steht auf einem anderen Blatt.

Der Fall Chile: Die Ausnahme, die die Regel bestätigt

Chile hat sein eigenes Fast Food entwickelt, basierend auf Formaten aus den USA, aber mit lokalen Rezepten: Completo Italiano, Chacarero-, Barros Luco- oder Churrasco-Sandwiches, Empanadas und Sopaipillas. Alle diese Speisen haben eine spanische Basis, wurden aber zu Fast Food, weil sie sich an das Format angepasst haben. Es zeigt, dass es möglich ist, aber auch, dass eine Diaspora und eine lokale Kultur nötig sind, die bereit sind, die Gerichte zu transformieren. In Spanien ist das Gleiche nicht passiert.

Fazit: Frittierter Fisch und Kartoffeln

Fish and Chips, das die Briten zum nationalen Emblem gemacht haben, ist laut einigen eine Adaption von Pavías mit frittierten Kartoffeln, die von vertriebenen Conversos ins Exil mitgenommen wurden. Wenn das stimmt, hat Spanien das Konzept exportiert und andere haben das Geschäft gemacht. Die Frage bleibt unbeantwortet: Warum haben wir das Gleiche nicht mit Tintenfischsandwiches oder Tortilla geschafft? Die Antwort liegt wahrscheinlich in einer Mischung aus fehlender Unternehmensstruktur, einer nicht verkauften Landesmarke und einer gastronomischen Kultur, die sich nicht dem Fast-Food-Format beugt. Währenddessen essen Türken und Briten weiterhin auf unsere Kosten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (130 Antworten).

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