Warum politische Kontrolle einen Militäraufstand in Spanien unmöglich macht

Wanzen, Thunfisch und eine Generalität, die seit Jahrzehnten an der politischen Kontrolle gekettet ist. Eine Analyse, warum es in Spanien keinen Aufstand gibt und geben wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wo bleibt der Offizier, der sich widersetzt? Die politische Kontrolle, die jeden Aufstand erstickt

Die Bedingungen, unter denen die Truppe in Ceuta lebt – Baracken mit Wanzen, Krätze und eine Dose Thunfisch als Verpflegung – sind nicht nur ein Logistikproblem. Sie sind der Hintergrund für eine unbequeme Frage: Warum widersetzt sich niemand? Der Vorfall in der autonomen Stadt wurde als Kriegsakt gegen die territoriale Integrität bezeichnet, und die hohen Militärs schweigen. Zu schweigend, für manche.

Die Generalität unter politischer Kontrolle
Eine Analyserichtung vertritt die Auffassung, dass die Antwort in der stillen Säuberung der Generalität seit den 80er Jahren liegt. Das Argument: Die PSOE (Spaniens sozialistische Partei) habe ein Klientelnetz gesponnen, in dem nur die Loyalen aufsteigen – und die anderen schweigen oder gehen. Der Vergleich mit Venezuela ist keine Metapher, sondern eine Diagnose: Wir sind nicht auf dem Weg dorthin, wir sind längst dort, mit Klientelnetz und Schnellverstaatlichungen. In diesem Szenario scheitert der Aufstand nicht: Er kommt gar nicht erst zustande, weil keine Führung ihn anführt.

Der Putsch ist aus der Mode
Eine andere, zynischere Lesart hält den klassischen Kasernenputsch für eine veraltete Technologie. Die heutige Methode sei die diskrete Aneignung der Macht: das Verschwinden von Führern, der Austausch von Eliten und eine „Neukalibrierung des Verhaltens“. Der geografische Katalog – Venezuela, Syrien, Argentinien, Kolumbien, Chile oder Peru – nährt die These eines gemeinsamen Drehbuchs. Die Theorien über den Verbleib der Königsfamilie seit dem 15. August gehören zu jenem Gedankengut, das längst keine Panzer mehr braucht.

Die Zahl, die verunsichert
Und dann ist da noch die Erinnerung. Wer glaubt, dass ein hungriges Heer voller Wanzen rebelliert, sollte sich die Quinta del Biberón (den „Schnuller-Jahrgang“) ins Gedächtnis rufen: Im April 1938 mobilisierte die Regierung zainín angesichts des Zusammenbruchs der Aragón-Front Jugendliche im Alter von 14 und 18 Jahren. Etwa 27.000 Minderjährige wurden ohne Ausbildung an die Front geschickt, vor allem in die Schlacht am Ebro. Die Geschichte garantiert nicht, dass das Leiden der Truppe einen Aufstand hervorbringt. Manchmal bewirkt sie genau das Gegenteil.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (19 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver