Wallapop: Spaniens Gebrauchtmarkt, auf dem keine Deals mehr zustande kommen

Der Gebrauchtmarkt in Spanien stockt: Preise, die das Doppelte von Neuware kosten, absurdes Feilschen und eine Versicherung, die das Geschäft verteuert. Niemand kauft, niemand verkauft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wallapop: Spaniens Gebrauchtmarkt, auf dem keine Deals mehr zustande kommen
Wallapop kommt nicht mehr zum Abschluss: Der Gebrauchtmarkt stockt

Es gibt ein Paradox, das in jedem Gespräch über Second-Hand-Ware auftaucht: Der Artikel ist eingestellt, hat dreißig Herzchen, liegt seit Monaten dort und verkauft sich nicht. Es ist nicht so, dass ihn niemand will. Käufer und Verkäufer kommen einfach zu keiner Einigung. Die Diagnose, die die Runde macht: Bis 2015 oder 2016 war fast alles in ein paar Wochen verkauft, und heute sind die Plattformen für Privatverkäufe zu einer Schaufenstermeile geworden, auf der niemand kauft und niemand verkauft. Ein Nicht-Markt, wie der Autor der Analyse sagt.

Die These ist nicht, dass die Nachfrage fehlt, sondern dass der Mechanismus an beiden Enden blockiert ist. Auf der Angebotsseite: Preise, die das Doppelte der Neuware kosten, Verkäufer, die nicht antworten, halbherzige Anzeigen. Auf der Nachfrageseite: Käufer, die um keinen Euro verhandeln, und solche, die nur originalverpackte Ware akzeptieren. Und dazwischen ein Feilschen, das aufgehört hat, eine Verhandlung zu sein, und zur Demütigungssportart wurde.

Der geforderte Preis und der gezahlte Preis

Das häufigste Muster ist der Verkäufer, der das Doppelte des Neupreises verlangt, um Gewinn zu machen. Das ist kein vereinzeltes Gefühl: Es gilt als eine der Hauptursachen der Blockade. Dazu kommt der lustlose Verkäufer, der etwas einstellt und verschwindet, und derjenige, der auf eine Frage mit Schweigen reagiert. Die Folge: Der Käufer schaut nicht mehr hin, und die Anzeige bleibt liegen und sammelt Herzchen, die nie zu Geld werden.

Manche halten das Problem für gekreuzte Erwartungen. Der Verkäufer nennt einen hohen Preis in der Hoffnung, dass verhandelt wird; der Käufer sieht den hohen Preis und geht weiter, ohne es zu versuchen. Das Ergebnis ist ein absurdes Gleichgewicht, in dem sich niemand bewegt. Die Plattform kassiert derweil ihre Pflichtversicherung, die bei billigen Artikeln die Endkosten verdoppeln kann, und dieser Aufpreis frisst die Marge auf, die das Geschäft attraktiv gemacht hätte.

Der Käufer, der zweimal feilscht, und der, der gar nicht feilscht

Die andere Seite ist genauso giftig. Ein Käufertyp, der den Preis senkt, um das Geschäft abzuschließen, und nach der Zusage einen weiteren Nachlass verlangt. Es wird als unersättliche Gier beschrieben: Wichtig ist nicht ein für beide Seiten vorteilhafter Deal, sondern die Nase vorn zu haben. Bei Produkten, die Dutzende Herzchen ansammeln und monatlich nicht verkauft werden, während lächerliche Angebote hereinkommen, hört der Verkäufer irgendwann auf zu antworten.

Am anderen Ende stehen die, die aus Prinzip um keinen Euro verhandeln, und die, die aus Vorurteilen nur Neues kaufen. Auch dieser Käufer existiert und zerstört den Markt ebenfalls: Ohne Verhandlung keine Preisanpassung, und ohne Anpassung bleibt die Anzeige hängen. Die Second-Hand-Kultur, so heißt es, hat sich hier nie so richtig etabliert wie in anderen Ländern.

Die Versicherung, die den Preis verdoppelt, und das Geschäft, das am Rande gemacht wird

Ein weiterer Brennpunkt sind die Kosten der Plattform. Die Pflichtversicherung wird als versteckte Steuer beschrieben: Bei einem billigen Artikel wie einem Buch kann der Aufpreis das Doppelte ausmachen. Daraus entstehen Gewinne, von denen niemand weiß, wofür sie verwendet werden. Viele Käufer und Verkäufer haben gelernt, das zu umgehen, indem sie das Geschäft außerhalb der App abschließen und sich auf ihre aufgebaute Fruta verlassen, um den Artikel zu verschicken, ohne sich zu beugen.

Der Trick hat seine Kehrseite. Alles, was über die Zahlungsabwicklung läuft, wird protokolliert, inklusive Verkaufspreis, und damit öffnet sich der Finanzverwaltung die Tür, ihren Anteil zu fordern. Manche haben das System genau deshalb aufgegeben und verzichten auf Verkäufe, um keine Spuren zu hinterlassen. Die Leichtigkeit, Geschäfte abzuschließen, und die Leichtigkeit, überwacht zu werden, sind ein und dasselbe.

Die Krise, die in den Restaurants nicht auftaucht

Die Krisenerzählung hat ihren Widerspruch. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, sollte der Gebrauchtwarenhandel boomen. Doch manche verweisen auf das Gegenteil: Restaurants, Hotels und Theater sind voll, also gibt es keine Krise. Der Rückgang der Verkäufe auf den Plattformen wäre dann kein Symptom von Armut, sondern von Übersättigung und veränderten Gewohnheiten.

Dagegen die andere Lesart: Wir werden immer ärmer, und deshalb versuchen die Leute zu verkaufen, was sie früher verschenkt haben. Die Rechnung ist einfach. Wenn dir ein Second-Hand-Laden zwanzig Euro für etwas bietet, das du für hundert loswerden könntest, verkaufst du es selbst. Diese Wanderung von der Ladentheke zur privaten Anzeige erklärt einen Teil des Angebots, aber nicht, warum die Anzeige nie abgeschlossen wird.

Der Kalender des Käufers und die Kunst, keine Zeit zu verlieren

Die Praxis zählt mehr, als man denkt. Wer freitags abends einstellt, bekommt die Anzeige am Wochenende besser platziert – und genau dann schauen die Leute. Anfang des Monats, mit frischem Gehalt, wird mehr gekauft; ab Monatsmitte weniger. Und wer zuerst echtes Geld bietet, auch wenn es etwas weniger ist als verlangt, hat sicher verkauft: Der Spatz in der Hand ist mehr als eine ewige Anzeige.

Auch der Filter des vernünftigen Käufers funktioniert. Wer ohne Gruß und mit einem absurden Dumpingangebot beginnt, wird sofort erkannt; eine Antwort wie „Dieses Angebot kann ich nicht einmal ernsthaft prüfen“ lässt die meisten zurückweichen. Seriöse Leute erkennt man schnell, und das Geschäft kommt von allein zustande. Das Problem: Dieser Filter kostet Zeit, und Zeit ist genau das, was der müde Verkäufer nicht mehr hat.

Der Spiegel eines Landes, das sich nicht einigt

Die Schlussfolgerung, die über allem schwebt, ist unbequem: Es ist nicht nur ein Preisproblem, es ist ein Problem der Verhandlungskultur. Ein Land, in dem der Käufer Gebrauchtem misstraut, der Verkäufer seine Sachen überbewertet und die Plattform für die Vermittlung kassiert, ohne zu garantieren, dass das Geschäft zustande kommt. Das Ergebnis ist ein Markt, der auf dem Papier existiert und in der Praxis erlischt.

Und wenn das Problem nicht die Krise wäre, sondern dass niemand gelernt hat, ein Geschäft abzuschließen, ohne sich betrogen zu fühlen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (91 Antworten).

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