Wahlvorstände am 23. Juli: Sieben Versuche und neue Losverfahren

Die Wahlbehörden in Spanien versuchen bis zu siebenmal, die Mitglieder der Wahlvorstände für den 23. Juli zu benachrichtigen, und planen neue Losverfahren zur Besetzung offener Stellen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wahlvorstände am 23. Juli: Sieben Versuche und neue Losverfahren
Unvollständige Wahlvorstände am 23. Juli erzwingen neue Auslosungen

Den Wahlvorständen für den 23. Juli fehlen Mitglieder. Manche Wahllokale werden mit nur einem bestätigten Hauptmitglied von insgesamt neun (einschließlich Stellvertretern) eröffnen, wie die Wahlbehörde von Pontevedra feststellt. Kommunale Bedienstete unternehmen bis zu sieben Versuche, um jede Ernennung zuzustellen, doch die Liste der offenen Stellen schrumpft nicht. Diskutiert wird, zwei oder drei zusätzliche Sondersitzungen abzuhalten, um die Auslosung zu wiederholen: In dieser Provinz allein müssen 3.141 Personen in 21 Gemeinden ersetzt werden.

Das Einschreiben, das eigentlich den Prozess absichern sollte, ist zu einem Versteckspiel geworden. In Lugo veröffentlichten jemand in sozialen Medien und Messenger-Diensten die Nachnamen der Ausgelosten, damit diese sich bei Erhalt der Benachrichtigung durch das Rathaus oder die Post entziehen konnten. Dieses Muster wiederholt sich in ländlichen Gebieten, wo die Guardia Civil hilft, die „Verschwundenen“ aufzufinden, und die Zustellung der Briefe einer Hindernislauf gleicht.

Von Behinderung bis Flugticket: Das Katalog der Entschuldigungen

Die Wahlbehörde von Ourense beschreibt einen grundlegenden Wandel. Neu ist die Flut an Begründungen basierend auf Behinderungen: Die Zentrale Wahlbehörde hat gewarnt, dass jeder anerkannte Grad als Ausschlussgrund gilt. Bisher wurde ein ärztliches Attest verlangt, wenn eine Behinderung unter 46 % vorlag. „Eine leichte Hörschwäche reicht aus, wenn sie anerkannt ist“, fasst ein Mitglied der Wahlbehörde von Ourense zusammen.

Der zweite häufige Grund sind Reisen. Auffällig ist die Zahl der Entschuldigungen, die durch Tickets, Pauschalurlaube und Sommerbuchungen belegt sind, die bereits im Januar und Februar gebucht wurden. Diese werden vollständig akzeptiert, um dem Betroffenen keine finanziellen Nachteile zu verschaffen. In Pontevedra und Ourense beginnt man, Reservelisten heranzuziehen – die genau so viele Namen enthalten wie die ursprünglich Ausgelosten –, aber es wird erwartet, dass weitere Vorsitzende und Beisitzer ernannt werden müssen. In Vigo gilt dies als sicher.

Wie viele sind insgesamt berufen? Die fehlende Zahl

Das Ausmaß des Phänomens bleibt unklar. Schätzungen im öffentlichen Diskurs gehen von etwa 60.000 Wahlvorständen in Spanien aus, was bei neun Berufungen pro Vorstand (inklusive Stellvertreter) rund 540.000 Menschen ergibt, die für die Urnen zuständig wären. Auf dieser Basis stellt sich die Frage, welcher Anteil tatsächlich abgesagt hat. Denn eine spektakuläre Zahl ohne Nenner ist nur ein Schreckgespenst.

Hier klaffen offizielle Darstellung und öffentliche Wahrnehmung auseinander. In Vigo behauptet man, das Volumen der Entschuldigungen sei „ähnlich wie bei anderen Wahlen“, räumt aber mehr Fälle ein, in denen niemand anzutreffen war, um die Benachrichtigung entgegenzunehmen. „Es gibt noch viel zu tun“, heißt es. Der Unterschied ist wichtig: Eine Sache ist, dass sich Schlupflöcher vermehren, eine andere, dass das gesamte System zusammenbricht.

Das Kernproblem: Wer zahlt die Stunden und wer stellt sie bereit?

Unter der Anekdote liegt das Geld. Unter den Beschwerden findet sich die eines Selbstständigen in der Hochsaison, der zum Vorsitzenden bestimmt wurde: elf Stunden Abwesenheit vom Geschäft, unerledigte Tagesaufträge und eine abgelehnte Befreiung, da Arbeit laut Behörden kein Entschuldigungsgrund sei. Zur Vergütung werden im Gespräch Beträge von 50 bis 70 Euro für den Tag genannt, während einige Teilnehmer 300 oder 500 Euro für angemessen halten.

Daraus ergeben sich die zwei meistdiskutierten Vorschläge. Erstens: Die Vorstände sollten von Beamten und Verwaltungsangestellten besetzt werden, die selbst ein Interesse am reibungslosen Ablauf haben. Zweitens: Die Vergütung sollte erhöht werden, bis die Teilnahme rational erscheint. Manche argumentieren, bei guter Bezahlung würden sich die Schlupflöcher von selbst auflösen. Dagegen spricht, dass das Problem weniger im Anreiz als im Mangel an Ersatz liegt, wenn die Auslosung ins Stocken gerät. Erschwerend kommt hinzu, dass der Termin in Galizien mit dem Feiertagswochenende um den 25. Juli zusammenfällt.

Die kursierende Anweisung: Öffne nicht die Tür

Parallel zum Verwaltungsstau entstand ein Handbuch des Widerstands. Nicht unterschreiben. Keine unbekannten Nummern annehmen. Nicht zum Klingelbrett hinuntergehen. Fremde Anrufe blockieren. Keine Pakete nach Hause liefern lassen. Die Prämisse ist immer dieselbe: Ohne Benachrichtigung keine Ernennung. Und über diese Prämisse herrscht Uneinigkeit, denn manche behaupten, die Verweigerung der Annahme befreie nicht, andere sehen es anders.

Genau hier stockt die Analyse: Niemand bestreitet, dass sich die Entschuldigungen häufen und die Benachrichtigungen scheitern. Unbeantwortet bleibt jedoch, ob wir einen realen Systemzusammenbruch erleben oder die Feststellung, dass Menschen Wege finden, sich zu drücken, wenn etwas schlecht bezahlt wird und nicht mehr als Pflicht wahrgenommen wird. Demokratie ruht in der Praxis auf Freiwilligen, die es oft gar nicht sind.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (310 Antworten).

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