Vox bringt die Regularisierung von 800.000 Migranten vor den Obersten Gerichtshof
Der Ministerrat verabschiedet am Dienstag ein Königliches Dekret zur außerordentlichen Regularisierung von Migranten. Vox kündigte an, es beim Tribunal Supremo anzufechten und dessen sofortige Aussetzung zu beantragen. Während die PP schweigt und die Kirche die Maßnahme begrüßt, entbrennt in politischen und gesellschaftlichen Kreisen eine Debatte über die tatsächliche Tragweite des Vorhabens, das nach Schätzungen durch Familienzusammenführungen mehr als drei Millionen Menschen betreffen könnte.
Vox' Strategie: Wahlkampf oder echte Barriere?
Vox positioniert sich als einzige Partei, die Widerstand leistet. Der juristische Sprecher bestätigte, dass man Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof einreichen werde. Doch im konservativen Lager gibt es Zweifel: Mehrere Analysten bezeichnen das Vorgehen als "kontrollierte Dissidenz" und weisen darauf hin, dass Vox in der Vergangenheit ähnliche Maßnahmen unterstützt oder weggesehen hat, während die Zahlen der legalen Zuwanderung stiegen. Das Banner der Partei bei Veranstaltungen – "Nein zur Massenregularisierung. Stoppt die Invasion" – wird von Kritikern als Propaganda abgetan, da die Formation nicht erklärt habe, wie sie den Luftzugang oder die Familienzusammenführung stoppen wolle, nachdem die ersten 800.000 Personen regularisiert sind.
Das demografische Loch: Von 800.000 auf 3 Millionen
Das Dekret begünstigt alle, die sich vor Juni 2026 in Spanien aufhalten. Berechnungen zufolge wird jedoch jeder Regularisierte im Durchschnitt vier Familienangehörige nachziehen. Dies vervielfacht die ursprüngliche Zahl. Ein Teilnehmer der Debatte spricht von "700.000 weiteren Personen", was den Einfluss auf "3 Millionen" erhöht, wenn man den Kettenreaktionseffekt berücksichtigt. Es handelt sich um die siebte Massenregularisierung seit Beginn der Demokratie, was die Frage aufwirft, ob dies nicht eine faktische, wenn auch nicht rechtlich verankerte Politik ist. Marokkanische Medien verbreiten bereits Bilder von spanischen Personalausweisen und Reisepässen und schüren so den Anziehungseffekt.
Wählerklientelismus und stillschweigende Komplizenschaft
Ein weiterer Analysestrang argumentiert, dass die Regularisierung keine Migrationspolitik sei, sondern ein demografisches Ingenieurwesen, um eine neue Basis gefügiger Wähler zu schaffen, die für ihren Rechtsstatus vom Staat abhängig sind. "Die NIE (Ausländerausweis) ist das neue Gut", fasst eine Analyse zusammen. Die Kirche, die stets die Aufnahme befürwortet hat, applaudiert der Maßnahme. Die PP, die vor den Wahlen mit Unterstützung kokettierte, schweigt nun. Die Kritik richtet sich auch auf die Kompetenzverschiebung: Während Katalonien die Befugnis zur Abschiebung erhält, tragen die übrigen Regionen die Hauptlast der Regularisierung.
Die offene Frage bleibt: Wird die Klage von Vox etwas bewirken? Der Oberste Gerichtshof kann Monate brauchen, und in der Zwischenzeit wird das Dekret angewandt. Die Debatte offenbart ein tiefes Unbehagen gegenüber einer Politik, die für viele eine irreversible Veränderung der sozialen und wirtschaftlichen Zusammensetzung des Landes bedeutet. Sie zeigt aber auch, dass Proteste und Rechtsmittel die Maschinerie bisher nicht bremsen konnten.
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