128.000 Pesetas 1988: Reichtum für die Familie, heute kaum genug für einen
Ein TikTok-Video mit einer Lohnabrechnung von 128.000 Pesetas aus dem Jahr 1988 hat die Debatte über den Kaufkraftverlust in Spanien neu entfacht. Laut Inflationsrechner entspricht dieser Betrag heute etwa 2.368 Euro pro Monat. Das Erstaunliche: Mit diesem Einkommen konnte der Großvater des Autors vier Familienmitglieder versorgen. Die Frage im Raum steht, ob dieses Gehalt heute noch etwas Ähnliches ermöglichen würde. Die Antwort ist bei genauer Betrachtung ein klares Nein.
Das Gehalt von 1988 im Vergleich zu heutigen Einnahmen
Im Jahr 1988 lag der gesetzliche Mindestlohn (Salario Mínimo Interprofesional) bei rund 46.680 Pesetas monatlich (ca. 280 Euro). Die 128.000 Pesetas jener Abrechnung waren fast das Dreifache des Mindestlohns. Heute liegen 2.368 Euro brutto pro Monat zwar über dem spanischen Durchschnittsgehalt, sind aber kein Spitzenverdienst. Das Problem ist nicht nur die allgemeine Inflation, sondern vor allem die Diskrepanz bei Schlüsselkosten wie Wohnraum. Zeitzeugen berichten, dass eine Miete in einem Dorf nahe Madrid etwa 15.000 Pesetas kostete – also rund 12 % des Gehalts von 128.000 Pesetas. Eine vergleichbare Miete würde heute 40–50 % eines Gehalts von 2.368 Euro beanspruchen.
Wohnraum: Der schwarze Loch im Familienbudget
Eine besonders aufschlussreiche Zahl betrifft einen Lehrer, der 1988 15.000 Pesetas Miete zahlte (11,7 % seines Gehalts). Auf heute hochgerechnet entspräche dies einer Miete von ca. 280 Euro. In Madrid oder Barcelona kostet eine anständige Wohnung für eine vierköpfige Familie jedoch mindestens 1.000 Euro. Der Unterschied ist enorm. Zudem erforderte der Kauf einer Immobilie damals zwei bis drei Jahresgehälter; heute braucht man bei aktuellen Preisen mehr als acht Jahre des Durchschnittsgehalts.
Es gibt auch Stimmen, die relativieren: In den 80ern lebte man nicht luxuriös, unerwartete Ausgaben waren ein Drama und viele Familien benötigten zwei Einkommen, um über die Runden zu kommen. Doch selbst damals war es realistisch, dass ein einziges Gehalt vier Personen trug. Heute ist diese Option für die meisten Arbeitnehmer verschwunden, es sei denn, sie sind hochrangige Beamte oder sehr qualifizierte Fachkräfte. Und selbst dann bleibt bei Alleinstehenden mit Hypothek kaum Spielraum.
Der Euro als Vorwand für den Kaufkraftverlust
Ein Teil der Analyse macht den Euro verantwortlich. Es wird argumentiert, dass die Umstellung von Peseta auf Euro durch Aufrundungen erfolgte, was die Preise verteuerte, ohne die Löhne gleichermaßen anzupassen. Offizielle Statistiken zeigen eine kumulierte Inflation (IPC) von 200–300 % seit 1988, doch Lebensmittelpreise und Wohnkosten stiegen weit darüber hinaus. Das Gefühl des Betrugs ist verbreitet. Jüngere Generationen haben bereits verinnerlicht, dass ein einzelnes Einkommen nicht ausreicht und dass der soziale Aufstieg ihrer Eltern und Großeltern ein Luxus der Vergangenheit ist.
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