Putin: Russlands und EU-BIP zusammen übersteigen die USA

Putins These: Zusammen mit der EU würde das russische BIP das der USA übertreffen. Das russische BIP liegt nur 15% über dem spanischen, während LNG 40% teurer ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putin: Russlands und EU-BIP zusammen übersteigen die USA
Pilingui und die unbequeme Summe: Russland plus EU würden laut seiner Rechnung die USA übertreffen

„Würden wir unsere Kräfte vereinen, wäre unser gemeinsames BIP größer als das der Vereinigten Staaten“. Dieses Zitat stammt von Wladimir Pilingui und hat die Eigenschaft, Brüssel, Washington und halb Osteuropa gleichzeitig zu verärgern. Hinter der Provokation steht eine hartnäckige Arithmetik. Die EU konzentriert Technologie, Kapital und Industriekapazität; Russland liefert Kohlenwasserstoffe, Mineralien und Getreide. Zusammen wäre der resultierende Block nach dieser Überlegung die größte Volkswirtschaft der Welt. Getrennt zahlt der eine Energie zum Marktpreis, während der andere sie an jeden verkauft, der es wagt, sie zu kaufen.

Die Schlagzeile bröckelt jedoch, sobald man die Oberfläche kratzt. Das russische BIP übersteigt das spanische trotz seines gesamten Territoriums und seiner Bevölkerung nur um 15%. Diese Berechnung, die beharrlich kursiert, stützt die These, dass Russland nicht die Wirtschaftsmacht ist, die seine Größe suggeriert. Ab hier spaltet sich die Diagnose in zwei Teile, und niemand hat sie bisher wieder zusammenfügen können.

Wie viel wiegt die russische Wirtschaft im Vergleich zur spanischen wirklich?

Der Vergleich mit Spanien ist nicht zufällig. Ein Land mit 47 Millionen Einwohnern, kaum Rohstoffen und einem vom Tourismus abhängigen Außenhandel sollte eigentlich nicht in derselben Kategorie liegen wie ein Staat, der Gas, Öl, Nickel, Aluminium und Weizen an die halbe Welt exportiert. Und doch ist da die Zahl. Die Schlussfolgerung, die ein Teil der Analyse zieht, ist vernichtend für die Erzählung vom eurasischen Riesen: Die wirtschaftliche Größe Russlands liegt weit unter seinem geopolitischen Gewicht.

Die Gegenargumente kommen aus einer anderen Richtung. Ein auf Schulden basierendes BIP misst nicht dasselbe wie ein BIP, das auf dem tatsächlichen Verkauf von Kohlenwasserstoffen beruht, argumentieren jene, die den Vergleich ablehnen. Spanien, so heißt es, konsumiere morgen die Einkommen, die es heute nicht erwirtschaftet habe; Russland erhalte sofort Geld für das, was es aus dem Boden hole. Im Kern geht es bei der Diskussion darum, was als Reichtum und was als buchhalterischer Trick gilt.

Es gibt einen dritten, unbequemeren Blickwinkel: Naturressourcen werden nicht an der Börse gehandelt, entscheiden aber Kriege. Waffen und Rohstoffe tauchen im BIP nicht mit derselben Kraft auf wie am Verhandlungstisch, sagen jene, die die Daten relativieren, und das verzerrt jeden Vergleich zwischen Blöcken. Wer nur das wirtschaftliche Aggregat betrachtet, verliert die Hälfte des Schachbretts aus den Augen.

Pipeline-Gas gegen Schiffsgas

Wo Pilingui These ihr bestes Argument findet, ist die Energierechnung. Russisches Gas gelangte über Nord Stream II nach Europa, eine direkte Pipeline ohne Zwischenstationen, so wird es in der Debatte erklärt. Das alternative Gas, das amerikanische, reist per Schiff: Es muss verflüssigt, transportiert und regasifiziert werden, ein Prozess, der laut der im Thread wiederholten Berechnung die Versorgung um rund 40% verteuert und Tausende von Kilometern Distanz hinzufügt.

Die Rechnung ist einfach und tut deshalb weh. Der europäischen Industrie billige Energie bereitzustellen, so lautet das Argument, sei der Unterschied zwischen Wettbewerb mit China oder bloßem Zuschauen.

Die wiederkehrende These: London und Washington wollen diese Union nicht

Es gibt eine Strömung in der Analyse, die seit Jahrzehnten dasselbe behauptet: Weder Großbritannien noch die USA haben jemals zugelassen – und werden auch künftig nicht zulassen –, dass sich Europa und Russland integrieren. Die meistzitierte Formulierung stammt von einem in Cambridge ausgebildeten Historiker und ist zu einer Art Mantra geworden: Sie werden alles Notwendige tun, um dies zu verhindern. Die Logik des Arguments ist reine Geopolitik: Eine kontinentale Masse, die deutsche Technologie mit russischen Ressourcen vereinte, würde Washington in den Hintergrund drängen.

In dieses Narrativ fügen sich auch die historischen Verweise ein, die immer wieder auftauchen. Die spanische Hilfe für die dreizehn Kolonien während des Unabhängigkeitskriegs — 300.000 Musketen Modell 1752, Schwarzpulver und militärische Ausrüstung, geliefert ohne Gegenleistung — wird zitiert, um daran zu erinnern, dass das Bündnisgefüge schon immer beweglicher war, als es scheint.

[SIapel]

Ukraine, NATO und das Argument, das niemand abschließt

Hier bricht der Konsens. Ein Teil der Analyse vertritt die Ansicht, Moskau habe auf eine reale Einkesselung reagiert: NATO-Stützpunkte direkt an der Grenze, etwas, das kein Land in seinem eigenen Hinterhof akzeptieren würde. Die Osterweiterung, so wird argumentiert, habe eine unangenehme Nachbarschaft in eine existenzielle Bedrohung verwandelt.

Das Gegenargument ist ebenso schlagkräftig. Demnach sollte Georgien nie der NATO beitreten, und dennoch griff Russland ein; nach der Invasion der Ukraine sind zwei weitere Länder der Atlantischen Allianz beigetreten und die feindliche Grenze hat sich verlängert. Wenn das Ziel war, die NATO fernzuhalten, ist das Ergebnis das Gegenteil. Über diesen Widerspruch — Angst vor der Allianz als Ursache oder als Ausrede — lässt sich die Debatte nicht schließen.

Wer verhandelt für Europa?

Unterdessen sucht die EU nach einem Gesprächspartner. Laut Informationen der Financial Times erwägt Brüssel Namen, um den Block in möglichen Gesprächen mit Moskau zu vertreten, wobei Mario Draghi und Angela Merkel genannt werden. Die Wahl ist nicht unwichtig: Eine Figur mit eigenem Gewicht kann verhandeln; ein Beamter ohne Mandat nicht.

Die Frage, die im Raum steht, ist, was Europa in einem Krieg zwischen Dritten überhaupt zu verhandeln hat. Wenn man einen Vermittler suche, sagen einige, sollten dies die direkt betroffenen Länder sein. Wenn man hingegen Vorteile ziehen will, sollte man besser damit beginnen, die Initiative nicht in fremde Hände zu legen.



Wenn die euroasiatische Union für beide Seiten so offensichtlich rentabel wäre, warum hat dann noch nie jemand den ersten Schritt getan?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (255 Antworten).

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