Spaniens Jugend: Warum urbane Subkulturen verschwanden

Einheitliche Jugendsprache und Looks verdrängen die urbanen Stämme der 90er in Spanien. Soziale Medien, Reggaetón und die Pandemie prägten diese Generation.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Jugend: Warum urbane Subkulturen verschwanden
Die Generation des Einheitslooks: Abschied von den urbanen Stämmen der 90er

In Online-Diskussionen wiederholt sich eine Klage: Eine ganze Generation trägt denselben Haarschnitt. Es ist nicht nur Nostalgie; dieser Vorwurf taucht auf, sobald Fotos von Jugendlichen auf Treppenstufen kommentiert werden. Wo früher Metalheads, Bakala-Jugendliche, Goths, Hippies, Snobs, Mods und Rapper koexistierten, herrscht heute ein einheitliches Muster: Fade an den Seiten, Volumen oben, Jogginghose oder Jeans und eine Begrüßung, die mit „Bro“ beginnt. Die interessante Frage ist nicht, ob sich die Jugendaesthetik geändert hat – das tut sie immer –, sondern warum es keine verschiedenen Gruppen mehr gibt.

Die Stil-Landkarte, die in den 80ern und 90ern stehen blieb

In den Achtzigern und Neunzigern war der Gang auf die Straße eine klare Positionierung. Musik bestimmte Frisuren, Kleidung und sogar die Wahl der Bars. In diesen Gesprächen werden Metalheads, Punks, Skinheads, Rockabillys, Mods, Goths, Hippies, Snobs, Makineros, Bakala-Fans und Rapper genannt: ein Ökosystem, in dem jeder urbane Stamm sein eigenes Territorium und seinen eigenen Code hatte. Wie ein Teilnehmer erinnert, mischten sich in den Clubs Ende der 90er und Anfang der 2000er – La Cubierta, Plastic, Arena, Sonique, Bachatta – Bakala-Anhänger, Snobs und normale Leute auf derselben Tanzfläche, mit Nachmittagspartys, die um 17:00 Uhr begannen und bis in die frühen Morgenstunden dauerten.

Auch die Sprache trennte. „Qué pasa tío“, „qué pasa tronco“, „qué pasa meu“ in Galizien. Heute hat sich die im Thread gesammelte Begrüßung zu einem einheitlichen „Was geht, Bro“ vereinheitlicht. Übrigens war La Cubierta in Leganés laut einem anderen Teilnehmer bereits vor drei Jahrzehnten ein Ausgehviertel.

Warum tragen alle jungen Leute denselben Haarschnitt?

Die häufigste Erklärung im Thread verweist auf soziale Medien. Junge Menschen kopieren, was sie ständig auf Instagram, YouTube und anderen Plattformen sehen; der aktuelle Influencer trägt den Look, und der Jugendliche imitiert ihn, um nicht ausgeschlossen zu werden. Reggaetón dient als Soundtrack, die Kleidung folgt. Das Ergebnis, das diese Nachrichten beschreiben, ist eine Uniform, die sich gleich schnell in völlig unterschiedlichen Umgebungen verbreitet.

Eine andere Strömung, vertreten durch einen Teilnehmer, weist auf einen importierten Ursprung hin: Die Ästhetik sei mehr als ein Jahrzehnt in lateinamerikanischen Arbeitervierteln etabliert gewesen, bevor sie hier ankam. Dies ist eine Hypothese ohne Datenuntermauerung. Im selben Kontext erscheinen Kommentare, die das Aussehen junger Leute ihrer Herkunft zuschreiben – Verallgemeinerungen, die keinen Trend erklären, der von Jugendlichen ohne Bezug zu dieser Realität nachgeahmt wird. Einige Beiträge leiten zudem in eine feindselige und verächtliche Sprache gegenüber diesen Jugendlichen ab. Nichts davon beschreibt das Phänomen; es trübt es nur.

Die Generation, die mitten in der Pandemie volljährig wurde

Das stärkste Argument ist generationsspezifisch und datierbar. Laut einem Teilnehmer erlebten die heutigen Zwanzigjährigen den Übergang von der Adoleszenz zum Erwachsenenalter unter sozialen Beschränkungen, häuslicher Isolation und dem Verlust von Angehörigen, von denen man sich nicht verabschieden konnte. Die traditionellen Rite de Passage – der erste alleinige Ausgang, die erste selbst gebildete Gruppe, die erste Nacht außer Haus – fanden nur teilweise oder gar nicht statt. Als sie endlich auf die Straße gingen, wussten viele laut diesem Bericht nicht, wie sie sich orientieren sollten.

Der harte Poseur, der sein Ziel verfehlt

Im Zentrum der Debatte steht eine Paradoxie. Die gewählte Ästhetik imitiert den harten Typen, den Selbstbewussten, den Unabhängigen. Doch das Ergebnis, das einige Kommentare beschreiben, ist das Gegenteil: wenig beeindrucken. Der wiederkehrende Vergleich ist das dörfliche Ritual: Sie sind die neuen Stiere. Wenn das Kostüm Anziehungskraft erzeugen soll, behaupten mehrere Stimmen, dass es nicht funktioniert.

Geht etwas verloren, wenn alle gleich aussehen?

Hier spaltet sich die Analyse in zwei Lager. Eine Gruppe verteidigt, dass die Vielfalt der urbanen Stämme an sich ein Reichtum war. Die andere hält fest, dass jede Generation ein Kind ihrer Zeit ist und dass Ästhetik ein charakteristisches Merkmal ist, weder besser noch schlechter, nur anders. Beide haben teilweise recht, aber keiner schließt die Diskussion ab.

Was die Uniformität jedoch hinterlässt, ist ein Verlust in einem konkreten Bereich: dem des Experimentierens. Wenn alle Referenzen identisch sind, schrumpft der Spielraum für Versuche, Fehler und Korrekturen. Die Szene auf der Treppe – dieselben Frisuren, dieselbe Begrüßung, dieselbe Pose – ist nur die Spitze des Eisbergs.

In zehn Jahren werden diese Jugendlichen ihre Fotos wahrscheinlich mit fremder Scham betrachten, so wie wir heute Bilder aus den späten 90ern ansehen. Vielleicht wird die Mode dann ebenso uniform sein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (157 Antworten).

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