Video-Trading-Tagebuch: +6,76% im März, -9,89% im Juli

Ein Forex-Händler veröffentlicht jede Intraday-Session als Video: +6,76% im März, -9,89% im Juli und Systemwechsel nach Drawdown.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Video-Trading-Tagebuch: +6,76% im März, -9,89% im Juli
Ein Video-Intraday-Trading-Tagebuch, das Verluste nicht versteckt

Jede Trading-Sitzung zu veröffentlichen, einschließlich derer, die mit einem Minus enden, ist eine ungewöhnliche Übung. Dies mit dem vollständigen Video, sichtbarem Order-Slippage und den guten sowie schlechten Monaten online zu teilen, grenzt fast an Seltsamkeit. Genau das plant ein Devisenhändler, der seine Intraday-Morgende aufzeichnet und das Tagesergebnis mit dem exakten Gewinn- oder Verlustprozentsatz postet. Keine versteckte Transaktion, so verspricht er.

Der gewählte Broker ist CMC Markets, aufgrund seiner Preise und weil es erlaubt, Orders sehr nah am aktuellen Preis zu platzieren. Die Dynamik, Sitzung für Sitzung, ist nahezu Uhrwerk-mäßig: Screenshot, Link zum Video und eine Zeile mit dem Ergebnis. Manchmal schlägt das Aufnahmeprogramm fehl, der Ton passt nicht oder die Sitzung wird schwarz aufgezeichnet. Dann bleibt nur der Screenshot und die Entschuldigung.

Ohne Indikatoren und mit dynamischen Lots: So geht er täglich rein und raus

Das System stützt sich auf Heiken Ashi-Kerzen und die Preislesung, ohne klassische Indikatoren. Wenn man ihn nach den gewonnenen oder verlorenen Pips fragt, antwortet er mit einer Nuance, die nur wenige Amateure beherrschen: Er arbeitet mit dynamischen Lots, berechnet basierend auf der Distanz zwischen Einstieg und initialem Stop-Loss, sodass Pips ihm nicht zur Messung der Ergebnisse dienen.

Die vollständige Erklärung der Methode, mit Bildern der Ein- und Ausstiegsmomente, lebt in einem Blog, der in der Beschreibung jedes Videos verlinkt ist. Dieser wiederholte und etwas schwer fassbare Link ist die Hauptquelle der Reibung mit denen, die die Strategie verstehen wollen und nicht nur das Scoreboard sehen möchten.

Die Positionsgröße an das reale Risiko anzupassen, ist das, was ein lebendiges Konto von einem verbrannten Konto unterscheidet. Was nicht ganz klar ist, ist wie viel Kapital hinter jedem Prozentsatz steht: 1% auf 100 Euro wiegen nicht dasselbe wie auf 100.000.

Der Monat, der alles änderte: von +6,76% auf -9,89%

Die Zahlen fallen sitzungweise. Februar beginnt mit +0,49% und +1,11%. März schließt mit einem monatlichen +6,76%. Eine Woche im Mai lässt +2,68%. Und dann zeigt Juli Zähne: Die Woche, die am 21. endet, liegt bei -2,19%, die vom 28. sinkt bis auf ein -6,82% und der Monat endet mit einem -9,89%, laut Autor selbst der schlechteste des Jahres.

Dort kommt die ehrlichste Beichte des Tagebuchs. Nach Erreichen des maximalen Drawdowns kündigt er Änderungen am System an und gibt zu, dass er ein etwas anderes Muster als zuvor suchen wird. Zuvor war die Erzählung einer Sitzung mit vier Transaktionen, zwei davon mit Slippage, und eine Reflexion, die wie ein Handbuch klingt: Psychotraining durch Festigkeit und Loyalität zum System, egal ob man gewinnt oder verliert.

Forex als Casino: Der Verdacht, der nie verschwindet

Der Vergleich mit Glücksspiel taucht am ersten Tag auf. Ein Veteran sagt, er gehe lieber ins Casino in der Hoffnung, mit Sabina ein Glas zu trinken, und man antwortet ihm, wenn er urteilen wolle, solle er dies fundiert tun. Er besteht darauf: Er habe jahrelang gehandelt, hielt sich für einen starken Spieler und entdeckte schließlich, dass er Teil der 99% ist, die glauben, vom zweimaligen Klick im richtigen Moment leben zu können. Bis sie dich zerstören, wann sie wollen, fügt er hinzu.

Manche gehen weiter und behaupten, das Problem sei nicht nur die Strategie, sondern der gewählte Markt. Sie argumentieren, dass Forex extrem manipuliert sei, dass man bereits weiß, wo Orders landen, und dass mehrere Länder den Retail-Betrieb verbieten. Demgegenüber, so betonen sie, handeln sie US-Aktien, da sie diese für transparenter halten. Es ist eine Meinung ohne weiteren Beweis als die eigene Erfahrung.

Die Diskussion füllt sich mit fremden Analysen: Gold, DAX und Euro

Mit der Zeit wird der Raum neben dem Tagebuch auch zu einer gemeinsamen Tafel. Ein zweiter Händler hinterlässt technische Empfehlungen: Einstiege in Gold zwischen 1.265 und 1.241 Dollar, Longs im NZD/JPY-Kreuz über 77,92 mit Stop bei 77,37 und Ziel bei 79,62, sowie Warnungen über den DAX auf dem Weg zu seinen historischen Höchstständen, während RSI und MACD Divergenz zeigten.

Auch der Makro-Kontext drängt sich auf. Man erinnert daran, dass der Euro gestärkt wurde, nachdem Wilders in den Niederlanden die Wahl verlor, und weist darauf hin, dass, wenn Le Pen ebenfalls scheitert, es Zeit sei, aus dem Dollar auszusteigen. Das Thema Kryptowährungen hingegen bleibt eine Anekdote: Der Tagebuchautor erkennt an, dass er wenig weiß und sich noch nicht dafür interessiert hat.

Wie viel Rendite bringt das System und mit wie vielen Trades?

Die wiederkehrende Frage ist die unangenehmste: Es fehlt eine Tabelle mit dem Kumulierten. Mehrere bitten um die Rendite bis heute, die Gesamtzahl der Transaktionen und ob es vorheriges Backtesting gab. Der Händler bestätigt, dass er mit einem Realgeld-Konto arbeitet, nicht Demo, bietet aber keine konsolidierte Berechnung an, die alle veröffentlichten Sitzungen zusammenfasst.

Und dort klafft die Lücke. Es gibt Tage ohne Trade, Tage ohne Aufnahme wegen technischer Fehler, Sitzungen mit asynchronem Audio und einen Systemwechsel mitten im Prozess. Jeden Morgen zu veröffentlichen entspricht nicht der Veröffentlichung der Gesamtbilanz, und der Unterschied zwischen beidem ist genau das, was gute Absicht von einem Beweis trennt.

Die Befürworter des Experiments haben ein einfaches Argument: Da ist jemand, der die Trades ohne Verschönerung zeigt, etwas, das fast niemand tut. Die Skeptiker haben ein ebenso einfaches Argument: Trades zu zeigen bedeutet nicht, Profitabilität zu beweisen. Beide schauen auf denselben Bildschirm und sehen unterschiedliche Dinge.

Mit verstreuten Zahlen und keiner Bilanz auf dem Tisch schwebt die alte Zweifelfrage: Ist es eine Methode, die die Zeit übersteht, oder eine gut gefilmte Glückssträhne?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (254 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver