Amsterdam & Partners kritisiert Millionen-Boni der spanischen Steuerbehörde

Die AEAT zahlte 2024 280 Mio. € an Prämien und vereinbarte 125 Mio. € für 2025 zur Umsatzsteigerung. Eine internationale Kanzlei führt eine rechtliche Offensive durch.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Brief, der die Steuerbehörde beschuldigt, Boni für höhere Einnahmen zu zahlen

Was kostet es, einen Bescheid der Agencia Tributaria (AEAT) anzufechten? Mehr als Geld: Zeit, Gesundheit und in vielen Fällen das Geschäft selbst. Die juristische Offensive der Kanzlei Amsterdam & Partners gegen die AEAT hat eine wenig bekannte Zahl ans Licht gebracht: Im Jahr 2024 zahlte die Behörde über 280 Millionen Euro an Prämien und Zulagen an ihr Personal. Für 2025 einigten sich die Direktion und die Gewerkschaften auf einen außergewöhnlichen Bonus von 125 Millionen Euro, um Anreize zu schaffen, dass die Einnahmen aus Einkommensteuer (IRPF) und Mehrwertsteuer (IVA) das Wirtschaftswachstum übertreffen. Bezahlen für mehr Einnahmen – so einfach ist es.

Diese Zahl steht im Brief des Anwalts Robert Amsterdam, gerichtet an die Generaldirektorin der AEAT, Soledad Fernández Doctor, im Rahmen eines großen Verfahrens, das Zeugenaussagen ausländischer und nationaler Steuerzahler sammelt. Das Schreiben behauptet, diese Anreize verwandelten die Prüftätigkeit in einen Wettlauf nach Zielen, wobei der Steuerzahler als Gegner betrachtet wird. Dies ist die zentrale Anschuldigung in dieser Angelegenheit. Und vorerst nur eine Anschuldigung.

Anreize, die Prüfer zu Einnehmern machen

Die Kritik richtet sich nicht gegen die Existenz von Boni, sondern gegen ihre Verknüpfung. Das am häufigsten wiederholte Argument: Wenn die Prämie von den eingenommenen Beträgen abhängt, hört der Anreiz auf, Betrug zu bekämpfen, und wird zum Ziel, steuerpflichtige Sachverhalte überall zu finden, unabhängig davon, ob ein Gericht später dem Bürger recht gibt. Manche sehen darin das zweite Problem: Wenn der Steuerzahler den Prozess gewinnt, zahlt die Entschädigung die Behörde selbst – also alle Steuerzahler – und nicht der Beamte, der das Verfahren führte. Diese Asymmetrie sei der Motor des Systems.

Hier liegt der Kern der Sache: Es geht nicht um die Steuer selbst, sondern um das Verfahren. Deshalb ist das Thema vom steuerlichen Bereich in die Debatte über Rechtsunsicherheit gewechselt.

Beckham-Gesetz: Wer zum Arbeiten kam, landete vor Gericht

Das Sonderregime für entsandte Arbeitnehmer, bekannt als Beckham-Gesetz, hat eine Reihe von Verfahren erzeugt, die nun öffentlich als Zeugenaussagen dienen. Unter Pseudonymen wurden Berichte wie der von „Anna“, die schwieg brach, oder von „Michael“ und „Lars“ veröffentlicht. Lars, ein schwedischer Fachmann, fasst seine Erfahrung mit einem vielzitierten Satz zusammen: „Wir wollten arbeiten und beitragen, aber wir wurden mit Drohungen und Demütigungen belohnt.“ Es sind parteiische Versionen, gesammelt von der Wirtschaftspresse und noch nicht rechtskräftig entschieden.

Das beschriebene Muster ist einheitlich: wiederholte Anforderungen für Dokumente, die bereits beim ersten Schritt eingereicht wurden, wechselnde Kriterien bei der steuerlichen Ansässigkeit und Verteidigungskosten, die das Recht praktisch zu einem Luxusgut machen, das sich nur wenige leisten können.

Wechselnde Kriterien und der Oberste Gerichtshof

Der meistzitierte Fall ist der von Xabi Alonso, der vom Tribunal Supremo (Oberster Gerichtshof Spaniens) nach jahrelangem Streit wegen der Übertragung seiner Bildrechte an eine Gesellschaft in Madeira freigesprochen wurde. Das hohe Gericht kam laut Berichten zu dem Schluss, dass ohne Nachweis von Vorsatz oder Scheingeschäften keine Verletzung vorlag. Die unbequeme Frage lautet: Wenn etwas gestern legal war und heute durch eine Änderung der Verwaltungspraxis illegal wird, was meinen wir dann genau mit Rechtsicherheit?

Ein weiterer oft genannter Kontrast: Inspektionen, die im Fall eines ehemaligen Regierungschefs sofort eröffnet und ausgesetzt wurden, wie La Razón unter Berufung auf Daten der Gewerkschaft GESTHA berichtete. Der Vergleich beweist allein nichts, nährt aber die Wahrnehmung zweier Maßstäbe.

Zahlen statt zurückfordern: Rat aus Angst

Unter den kleinen Geschichten gibt es eine, die das beschriebene Klima besser zeigt als jede Statistik. Der Rat eines Steuerberaters an einen Selbständigen, seit 25 Jahren wiederholt: Reiche niemals eine Erklärung ein, die eine Rückzahlung ergibt. Lieber etwas zahlen, auch wenn es wenig ist, als ins Visier zu geraten. Ein anderer Fall: Ein Bankkonto mit etwa 500 Euro in Spanien wurde gesperrt, nachdem keine Angaben zum Auslandswohnsitz und -einkommen gemacht wurden. Ohne Telefonanruf, ohne formelle Mahnung, die man sich erinnert.

Im Hintergrund steht ein administratives Detail, das zum running Gag geworden ist. Das „wunderbare Werkzeug“, das die Behörde den Steuerzahlern bietet, ist eine Suchmaschine, die keine Frage versteht, die nicht vordefiniert ist. Das System zur Datengleichstellung hingegen ist erstklassig. Eine merkwürdige Ressourcenverteilung.

Dänemark ist nicht das Paradies, das versprochen wird

Auch der internationale Gegenpunkt ist Thema. Befürworter des nordischen Modells erinnern daran, dass man dort mehr zahlt, aber eine berechenbare Verwaltung und funktionierende Dienstleistungen erhält. Kritiker kontern mit Zahlen: 25 % MwSt., 180 % Kfz-Steuer und Familien-Holdingstrukturen, in denen keine Steuern anfallen, solange das Geld nicht abfließ. Das Ergebnis, argumentieren sie, ist immer gleich: Die Rechnung zahlt letztlich der Durchschnittslohnempfänger, nicht das gut strukturierte Vermögen.

Und Spanien? Mit diesen Voraussetzungen reagiert der normale Steuerzahler nicht mit Protest, sondern schaut Richtung Tür. Oder er zahlt und schweigt, auch wenn er im Recht ist. Letzteres ist billiger.



So leben wir seit Jahren: Wir belohnen den, der am meisten einzieht, und nennen den, der keine Fragen stellt, einen vorbildlichen Bürger.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (252 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver