Verdacht auf geplante Übergabe von Ceuta und Melilla

Deklassifizierte CNI-Dokumente zeigen, dass der spanische Geheimdienst vor der Grenzkrise in Ceuta gewarnt hatte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ceuta und Melilla: Verdacht auf eine geplante Übergabe

Die Grenzkrise in Ceuta im Mai 2021 hat eine Reihe unbeantworteter Fragen hinterlassen. Laut deklassifizierten Dokumenten des CNI (Nationaler Geheimdienst), die in der Debatte zitiert wurden, warnte der Geheimdienst die marokkanischen Dienste und die spanische Regierung bereits am 29. Juli davor, dass in sozialen Netzwerken Aufrufe organisiert wurden, um am darauffolgenden Tag, während des Throntages, die Grenze zu überqueren. WhatsApp-Gruppen wie «Asalto a la valla de Ceuta» und Facebook-Seiten wurden im Bericht erwähnt. Die entscheidende Frage ist nicht, was geschah, sondern warum die Regierung keine bekannten Warnmaßnahmen aktiviert hat.

Der offizielle Bericht behauptet, es handelte sich um eine spontane Migrationskrise. Die Daten deuten jedoch auf etwas anderes hin. Die zeitliche Übereinstimmung mit dem Thronfest, die Existenz organisierter Aufrufe in sozialen Netzwerken und das Ausbleiben einer institutionellen Reaktion über Stunden hinweg zeichnen ein Muster, das Teile der Analyse direkt als geplante Übergabe bezeichnen. Die Gesundheitsministerin, Mónica García, erklärte, dass «die Bewohner von Ceuta mit dem Management zufrieden sein können» – ein Satz, der im Kontext der Ereignisse zumindest herausfordernd klingt.

Was die CNI-Dokumente über den Sturm auf Ceuta sagen

Der CNI-Bericht, der nach Beschluss des Ministerrats deklassifiziert wurde, hält fest, dass die Warnung am 29. Juli eintraf. Am nächsten Tag überquerten Tausende Menschen die Grenze. Das Dokument erwähnt organisierte Gruppen auf WhatsApp und Facebook mit expliziten Namen. Es handelt sich nicht um ein spontanes Phänomen: Es gab Aufrufe, ein festes Datum und Koordinationskanäle.

Bemerkenswert ist nicht nur die Existenz des Berichts, sondern sein Datum. Der CNI warnte einen Tag zuvor. Das bedeutet, dass die Regierung über Echtzeitinformationen verfügte. Warum wurde die Grenze nicht geschlossen? Warum wurde kein abschreckendes Vorkehrung getroffen? Offizielle Antworten blieben aus. Ein Teil der Analyse vertritt die Ansicht, dass Marokko den Migrationsdruck als diplomatisches Verhandlungsinstrument genutzt hat. Andere gehen weiter und sprechen von aktiver Mittäterschaft.

Der ehemalige Ministerpräsident José María Aznar warnte bereits damals vor den Risiken der Außenpolitik der aktuellen Regierung. Die Übergabe der Westsahara im Jahr 1975 während des Grünen Marsches wird als Präzedenzfall angeführt. Der Vergleich ist nicht unbegründet: Damals wurde Territorium ohne militarischen Widerstand aufgegeben; heute wird spekuliert, dass Ceuta und Melilla denselben Weg einschlagen könnten.

Die nicht eingereichte Misstrauensmotion und die parlamentarische Passivität

Die Frage, die sich viele stellen, ist, warum die Partido Popular (Volkspartei) und Vox keine Misstrauensmotion eingereicht haben. Die Zahlen reichen dafür nicht aus. Doch das Fehlen einer entschlossenen institutionellen Antwort nährt das Gefühl, dass die politische Klasse den Status quo akzeptiert hat. Die PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) in Albacete stimmte gegen eine Motion, die forderte, Ceuta als «unzertrennlichen Teil» Spaniens anzuerkennen. Diese Tatsache ist aufschlussreich.

Währenddessen bereitet sich Spanien darauf vor, das einzige EU-Land zu sein, das gegen die Verordnung zur Beschleunigung von Migrantenabschiebungen stimmt. Das Paradoxon ist offensichtlich: Europäische Instrumente zum Grenzmanagement werden abgelehnt, während gleichzeitig zugelassen wird, dass die Grenzen überlaufen. Die einen interpretieren dies als ideologische Entscheidung, die anderen als kalkulierten Verrat.

Der Präzedenzfall Sahara und der diplomatische Doppelmoral

Der Vergleich mit der Westsahara ist wiederkehrend. 1975 übergab Spanien das Territorium mit kaum Widerstand an Marokko und Mauretanien. Der Grüne Marsch war das Instrument. Heute wird der Migrationsdruck auf Ceuta und Melilla als ein ähnliches Werkzeug wahrgenommen. Der Unterschied besteht darin, dass damals ein Diktator an der Macht war und heute eine «demokratische» Regierung regiert. Das Ergebnis ist laut dieser Lesart dasselbe: Souveränitätsverlust.

Die Existenz von Verbindungen zu Personen, die mit ausländischen Regierungen im Zusammenhang mit der Invasion von Ceuta stehen – wie von Kommissar Tardón enthüllt –, fügt eine weitere Ebene des Verdachts hinzu. Es ist nicht nur ein Migrationsphänomen; es stehen staatliche Akteure dahinter. Die Frage ist, was im Gegenzug ausgehandelt wurde. Einige Stimmen deuten auf Handelsabkommen hin, andere auf Energieverpflichtungen. Bisher sind keine Beweise ans Licht gekommen.

Die wirtschaftlichen Kosten der Grenzunsicherheit

Ceuta und Melilla sind nicht nur eine Frage der Souveränität. Es sind fragile Volkswirtschaften, die vom grenzüberschreitenden Handel und dem Tourismus abhängen. Unsicherheit vertreibt Investitionen. Die Außenhandelsdaten der Autonomen Städte zeigen wiederkehrende Rückgänge in Zeiten von Spannungen. Der Hafen von Ceuta, der für die Versorgung entscheidend ist, verzeichnete einen Rückgang der Aktivitäten.

Die Regierung hielt eine zweite maritime Invasion am 7. September unter Verschluss, so die veröffentlichten Informationen. Sollte sich dies bestätigen, stünden wir vor einem dauerhaften Muster. Es ist kein isolierter Vorfall, sondern eine Strategie. Und Strategien werden nicht improvisiert.

Was nun mit Ceuta und Melilla geschehen könnte

Angesichts dieser Umstände ist das wahrscheinlichste Szenario, dass der Druck anhält. Marokko hat gezeigt, dass es die Grenze nach Belieben destabilisieren kann. Die EU schaut weg, weil sie Marokko zur Kontrolle der Migration im Mittelmeer benötigt. Spanien bleibt in der Mitte gefangen, ohne Handlungsspielraum und mit einer Regierung, die nach Ansicht ihrer Kritiker auf die Verteidigung der Souveränität verzichtet hat.

Die Prognose ist – mit allen Vorbehalten – dass es keine formelle Übergabe geben wird. Das ist nicht nötig. Es reicht aus, wenn die Grenze durchlässig bleibt, der Migrationsdruck konstant ist und die Bevölkerung von Ceuta und Melilla das Gefühl verliert, zu Spanien zu gehören. Eine Übergabe erfordert keinen Vertrag: sie erfordert Nachlässigkeit. Und davon gibt es derzeit reichlich.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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