Das Ende des Landhauses: Grundstücke, die niemand erben will
Ein verblasstes „Zu verkaufen“-Schild und ein Telefon, das niemand mehr abnimmt. Drumherum ein halb umgestürzter Zaun, ein vertrockneter Garten und ein 10 x 6 Meter großes Becken, das einst mit Brunnenwasser gefüllt wurde. Das ist das Bild, das der Sommer im spanischen Hinterland von Almería und Valencia hinterlässt, und es wirft eine unangenehme Frage auf: Wer will heute noch ein Landhaus, das die Eltern von Hand gebaut haben? Die Antwort derer, die dieses Phänomen hautnah miterleben, ist eindeutig: immer weniger Menschen, und fast niemand aus der Generation, die es erben sollte.
Die Diagnose ist nicht sentimental, sondern wirtschaftlich. Ein Zweitwohnsitz mitten im Nirgendwo kostet Geld, Zeit und Anfahrt, und für einen jungen Menschen, der in der Stadt arbeitet, geht die Rechnung nicht auf. Die Landflucht hält nun schon ein halbes Jahrhundert an und die emotionale Bindung zu diesen Mauern ist zerbrochen. Was für die einen Freiheit bedeutete, ist für die anderen eine Last.
Was es kostet, ein verlassenes Landhaus zu unterhalten
Der erste Schlag erfolgt durch die Instandhaltung. Ein Landhaus hat mehr Elemente, die beschädigt werden können, als eine Wohnung: Undichtigkeiten, Risse, Farbe, Zäune, Hecken, die geschnitten werden müssen. Hinzu kommt die Sicherheit. Eine isolierte Villa ist ein leichtes Ziel, und es gibt Berichte über Einbrüche, aufgebrochene Fenster und durchgeschnittene Drähte. Die Liste der Aufgaben endet nie.
Das Schwimmbecken verdient ein eigenes Kapitel. Ein Becken von 10 x 6 x 1,5 Metern entspricht 95.000 Litern Wasser, wie eine gängige Kalkulation zeigt. Im Winter wird es zu einem nutzlosen Loch, das man leeren, abdecken oder mit Kies auffüllen muss. Wer sich entschieden hat, schlägt vor, es zu entfernen und stattdessen einen Außenlagerraum zu gewinnen.
Und dann sind da die Energiekosten. Ein schlecht isoliertes Haus zu heizen und zu kühlen, kostet angesichts der aktuellen Preise für Strom, Gas und Diesel ein Vermögen. Die aufkommende Alternative: nur die Bereiche zu isolieren, die tatsächlich genutzt werden, anstatt die gesamten 250 Quadratmeter als eine unteilbare Einheit zu klimatisieren.
Warum junge Leute das Haus im Dorf nicht erben wollen
Das Generationenargument wird am häufigsten genannt. Manche behaupten, die neue Generation wüsste nicht, wie man Mörtel ansetzt, habe noch nie eine Hacke in der Hand gehalten und würde sich mit einer Rolle Draht die Augen ausstechen. Der Satz, der den Konflikt zusammenfasst: Früher bedeutete Männlichkeit, zwölf Stunden zu arbeiten, eine Familie zu gründen und eine Hypothek von 14 % zu bezahlen; heute geht es ins Fitnessstudio. Der Sarkasmus ist dick, aber er deutet auf etwas Reales hin: die Weitergabe von Handwerk und Fähigkeiten ist unterbrochen.
Andere relativieren das. Es ist nicht so, dass die Jugend unfähig sei, sondern dass sich die Lebensplanung geändert hat. Wenn sie ein Landhaus wollen, mieten sie eines für ein Wochenende und genießen Pool, Grill und Wald, ohne die Last des Eigentums zu tragen. Das geerbte Haus bedeutet Arbeit und Kosten; das gemietete Haus bedeutet nur Vergnügen.
Auch der Mangel an Infrastruktur wiegt schwer. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser und ohne Arbeitsplätze in der Region halten diese Hütten nur mit Benzinaggregaten und Brunnen von zweifelhafter Legalität stand. Aus dieser Sicht ist es nicht seltsam, dass sie verkauft werden, sondern dass überhaupt jemand sie behält.
Der wahre Preis eines rustikalen Grundstücks: zwischen Geschenk und Palast
Hier bricht der Konsens auf. Die einen behaupten, diese Grundstücke würden für einen Spottpreis verkauft, die anderen warnen, dass der Besitzer es überhaupt nicht eilig hat. Ein konkreter Fall illustriert dies: Ein Landhaus steht seit sechs Jahren leer, aber es gibt keine Absicht, es zu verkaufen oder zu verschenken. Die jährliche Steuer ist lächerlich, zehn Euro oder weniger, sodass der Unterhalt nicht schmerzt.
Das eigentliche Problem ist administrativer Natur. Viele dieser Häuser wurden auf *suelo rústico* (landwirtschaftlichem Boden) errichtet, und Banken gewähren dafür keine Hypotheken. Ohne Finanzierung reduziert sich der potenzielle Käufer auf jemanden, der alles bar bezahlen kann. Hinzu kommt das Labyrinth der Erbschaft: Wenn der Besitzer stirbt und sich die Kinder nicht einig werden, bleibt das Haus jahrelang im Niemandsland.
Die aktuelle Gesetzgebung hilft ebenfalls nicht. In den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren konnte man ein Haus ohne großen bürokratischen Aufwand bauen. Heute muss man das Land kaufen, Steuern zahlen, geologische Studien durchführen, Projekte erstellen, Bauleiter engagieren, Anschlüsse für Versorgung sichern, bauen und weitere 4 % Steuern zahlen. Das Ergebnis: heute ist es unerschwinglich, das zu bauen, was früher von Hand gemacht wurde.
Die große Verschwörung: vom Land in die Stadt und zurück
Es gibt eine bitterere Sichtweise. Jahrzehntelang wurde Millionen von Menschen eingeredet, sie sollten das Land verlassen, wo selbst der Ungeschickteste drei kostenlose Mahlzeiten hatte – vier Hühner, vier Tomaten, vier Paprika – und in die Städte ziehen, wo das Modell darin besteht, für alles zu bezahlen: Nutzung, Abonnements, Gebühren und Rechnungen. Am Ende steht man mit nichts da.
Dem gegenüber steht eine Strömung, die das Gegenteil verteidigt: Seit der Pandemie haben viele wiederentdeckt, dass ein Haus auf dem Land ein Wert an sich ist. Man arbeitet zwar härter als in einem städtischen Loch, aber die Freiheit und Zufriedenheit entschädigen dafür. Sie sprechen von Villen in ordentlichen Siedlungen mit Strom, Wasser und Telefon, nicht von verlassenen Hütten.
Den Mittelweg finden diejenigen, die vor der Pandemie gekauft haben: eine 30- oder 40-jährige Hypothek für 70 Quadratmeter in der Stadt, oder Barzahlung und Freiheit auf dem Land. Hundert Quadratmeter Haus, fünfzig als Werkstatt, zweitausend Quadratmeter Land und Nachbarn in ein bis zwei Kilometern Entfernung, die Pferde züchten und einen in Ruhe lassen. Für sie war es die beste Entscheidung ihres Lebens.
Die Zukunft: weder totaler Ruin noch ländliches Paradies
Das wahrscheinlichste Szenario ist weder die massive Aufgabe noch eine idyllische Wiedergeburt. Villen mitten im Nirgendwo werden verfallen, während diejenigen, die an Ortschaften mit Infrastruktur und guter Anbindung liegen, bestehen und sogar im Preis steigen werden. Der Schlüssel ist die Lage, wie immer.
Es gibt einen Fakt, der verwirrt. In der Stadt hängt niemand ein „Zu verkaufen“-Schild auf, weil dann die Hausbesetzer kommen, sobald sie wissen, dass es leer steht. Diese Landhäuser mit ihren verblassten Schildern hingegen werden seit Jahren angeboten, ohne dass jemand sie anrührt. Selbst die Hausbesetzer wollen sie nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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