US-Biolabore in der Ukraine und die False-Flag-These

Russland fordert seit 2014 Erklärungen zu fast 70 US-Biologielaboren in der Ukraine; die UN lehnte seine dringliche Sicherheitsratssitzung zur Vorlage von Beweisen ab.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Biologische Kriegsführung: Wer kontrolliert die Labore in der Ukraine?

Der Ukraine-Krieg hat ein Thema ins Rampenlicht gerückt, das seit zwei Jahrzehnten am Rand der öffentlichen Debatte kursierte: das Netz biologischer Labore, das die USA auf ukrainischem Gebiet finanziert und das im Zentrum dessen steht, was manche als verdeckten biologischen Krieg beschreiben. Die These, die zunehmend an Boden gewinnt, besagt, dass das Pentagon dort Anlagen mit gefährlichen Pathogenen unter dem Etikett medizinischer oder Umweltforschung unterhält, getarnt in Stiftungen und als internationale wissenschaftliche Kooperation präsentiert. Einen öffentlichen Beweis dafür gibt es nicht. Und doch gab die Bestätigung einer hochrangigen US-Beamtin, dass es diese Zentren gibt, der Erzählung einen Halt, den sie zuvor nicht hatte. Worum es danach geht, vermischt Geopolitik, Biosicherheit und eine elementare Frage: Wer kontrolliert, was in diesen Gefrierschränken gezüchtet wird?

Welche Labore gibt es in der Ukraine und wer bezahlt sie?

Seit 2014 fordert Russland Erklärungen zu den Hochsicherheitseinrichtungen, die die USA in der Ukraine unterhalten; die Anfragen wurden bei der UN und anderen Gremien wiederholt. Die Zahlen, mit denen denenjenigen rechnen, die der Spur folgen, sprechen von rund 70 Hochsicherheitslaboren. Bei einem öffentlichen Auftritt bestätigte die Nummer zwei der US-Diplomatie die Existenz von Einrichtungen zur „biologischen Forschung“ im Land. Moskau beantragte eine dringliche Sitzung des Sicherheitsrats, um Beweise vorzulegen; dieser Antrag wurde abgelehnt, so die russische Darstellung, ohne dass die Unterlagen je geprüft wurden. Was genau in diesen Zentren erforscht wurde, bleibt der blinde Fleck.

Ein Teil der Analyse reduziert die Zahl auf etwa dreißig Labore, die Hälfte wissenschaftlich ausgerichtet, die andere Hälfte biologische Medizin, mehrere davon bereits stillgelegt. Es fehlen Beweise, um über die Behauptung hinauszugehen. Die Diskussion ist jedenfalls nicht mehr nur eine russische: Das Thema ist in den Bereich des geteilten Verdachts zwischen Blöcken geraten, die sich bis vor Kurzem als unversöhnliche Rivalen präsentierten.

Warum biologische Kriegsführung billiger ist als nukleare

Das Argument, das die These stützt, ist ökonomischer statt militärischer Natur. Das nukleare Rennen verlangt große, spezifische und extrem teure Anlagen, dazu spaltbare Materialien wie Uran und Plutonium. Das mikrobiologische stützt sich auf die angewandte Medizin: kleine Labore, in einem bestimmten Lebensraum heimische Mikroorganismen und Personal, das unter dem Deckmantel der Forschung arbeitet. Um einen Keim in einem Krankenlabor oder einem umgebauten Gebäude zu isolieren, braucht es keine Anreicherungsanlage. Der Aufwand ist ein Bruchteil dessen, was ein Atomprogramm erfordert.

Die Verträge, die Biowaffen als Kriegsverbrechen verurteilen, wären in dieser Lesart wertloses Papier, solange die Stiftungen und Scheinfirmen des Geldgeberlandes die Fiktion aufrechterhalten. Die Linie, die die Umweltforschung von der Entwicklung eines tödlichen Pathogens trennt, ist auf dem Papier hauchdünn. Und niemand unterschreibt, was er züchtet.

Warum über die Sterblichkeit von 30-50% diskutiert wird

Das Szenario schreibt dem angeblichen Pathogen eine Letalität von 30 bis 50% beim Menschen zu. Diese Zahl ist durch keinerlei Belege gestützt und wird sogar von denen bezweifelt, die den Rest der Erzählung übernehmen. Den direktesten Kontrast bietet die erlebte Episode: SARS-CoV-2 ist ein Bicho, das vor allem alte Menschen tötet und im schlimmsten Szenario keine 16% Sterblichkeit in der Altersgruppe von 60 bis 100 Jahren erreicht, ohne dass die Gesamtletalität explodiert. Von dort auf eine allgemeine Sterblichkeit von 30-50% zu kommen, würde einen Sprung verlangen, den die Erzählung selbst nicht belegt.

Die Zahl kursiert eher als Laborhypothese denn als überprüfte Angabe, und bei einem solchen Thema ist der Unterschied zwischen beidem alles. Wer die allgemeine These vertritt, räumt allerdings ein, dass der Prozentsatz aufgebläht ist.

Was bedeuten die drei Enten von The Economist?

Zu den angeführten Indizien gehört ein Cover. The Economist veröffentlichte 2020 eine Illustration mit drei Enten neben einer Box mit Grippeviren und Bakterien. Für die in diesen Analysen vertretene These sind diese drei Enten der Vektor eines Labor-Bicho —eines pro an seiner Entstehung beteiligtem Land—, während die übrigen Katastrophen des Bildes, von einem Sonnenausbruch bis zu einem Meteorit, als Ablenkung dienen sollen. Das zitierte Akronym lautet LPAIV, Bicho der gering pathogenen aviären Influenza.

Auf dieser Grundlage stand ein angeblicher Ausbruch im Februar 2023 im Asowschen Meer, den die russische Offensive auf Mariupol vereitelt haben soll, bevor er begann. Die Übereinstimmung von Daten und Symbolen ist für ihre Verfechter ein unumstößlicher Beweis; für ihre Kritiker eine erzwungene Lesart einer Grafik. China wiederum besitzt seit 2013 ein sehr ähnliches Bicho, das in diesen Analysen als eine Art mikrobiologische Bombe im Arsenal beschrieben wird.

Shiro Ishii, die Einheit 731 und die Flohwaffe

Die Genealogie der modernen Biowaffe hat einen Eigennamen. Shiro Ishii, an der Spitze der Einheit 731 der japanischen Armee, experimentierte mit Gefangenen —die er „Holz“ nannte— und entwarf die sogenannte „Flobombe“, ein Gerät, das ganze Bevölkerungen auslöschen sollte. Ishii wurde in Nürnberg nicht verurteilt: Man stellte ihn frei, im Gegenzug dafür, dass er den USA das gesamte gesammelte Wissen über mikrobiologische Waffen überließ.

Dass eine solche Figur als Berater endete, ist eine dieser unangenehmen Kuriositäten der jüngeren Geschichte. Und für manche der Beweis, dass das Geschäft mit den Pathogenen seit einem Jahrhundert mit dem Segen der Großmächte läuft.

Der Punkt, an dem die Analyse stockt

Die These des biologischen False-Flag-Anschlags —ein Pathogen in der Ukraine freizusetzen und Moskau die Schuld zuzuweisen, wie es zu Beginn der Pandemie mit Peking geschah— ist nicht über das Stadium einer These hinausgekommen. Es gibt Labore, es gibt ein Wettrüsten, das niemand unterschreibt, und es gibt ein Cover mit drei Enten. Es fehlt das Einzige, was sich nicht nachträglich herstellen lässt: der Beweis. Und an genau diesem Punkt, mit unverifizierten Unterlagen und abgelehnten Sitzungen, stockt die Analyse.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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