Ukraine lehnt russischen 48-Stunden-Waffenstillstand ab

Kiew weist Russlands 48-Stunden-Waffenstillstand für das orthodoxe Weihnachtsfest zurück, da die ukrainische Kirche das Fest bereits am 25. Dezember feierte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine lehnt russischen 48-Stunden-Waffenstillstand ab
Ukraine lehnt russische 48-Stunden-Waffenstillstand zu orthodoxem Weihnachtsfest ab

Warum lehnt Kiew einen 48-stündigen Waffenstillstand ab? Weil die Waffenruhe laut den Argumenten hinter der Entscheidung zu spät kommt und schlecht timing hat. Russland kündigte eine zweitägige Einstellung der Feindseligkeiten im Zusammenhang mit dem orthodoxen Weihnachtsfest an, und die ukrainische Antwort war ein Nein. Der am häufigsten genannte Grund ist konkret: Die ukrainische orthodoxe Kirche feierte ihr Weihnachtsfest am 25. Dezember nach dem reformierten Kalender, und an diesem Tag stoppte Russland die Angriffe nicht. Einen Waffenstillstand an einem Datum anzubieten, das die Gegenseite nicht mehr nutzt, ist zumindest eine fragwürdige Entscheidung.

Warum hat die Ukraine den 48-stündigen Waffenstillstand abgelehnt?

Der Waffenstillstand sollte achtundvierzig Stunden dauern und mit dem julianischen Weihnachtsfest zusammenfallen, das um den 6. und 7. Januar liegt, einschließlich Epiphanie. Er wurde als einseitige humanitäre Geste präsentiert. Kiew lehnte ihn schlichtweg ab. Die Ablehnung hat zwei Ebenen, die man unterscheiden muss, da die militärische und die symbolische nicht das gleiche Gewicht haben.

Die erste lässt sich kurz zusammenfassen: Wer einen Waffenstillstand fordert, ist meist derjenige, der ihn am nötigsten hat, weshalb ein Teil der Analyse dies als Zeichen wertete, dass die Erschöpfung an den Kräften zehrt. Die zweite ist unangenehmer. Die wiederkehrende Idee ist unmissverständlich: Es gibt keinen Waffenstillstand mit einem Invasor, und der für die Ankündigung gewählte Kalender hilft dabei nicht gerade. Hinzu kommt die propagandistische Lesart: Eine unbestätigte Ankündigung vor Ort, während die Artillerie in Position bleibt, dient vor allem der Außenwirkung. Wenn diese drei Lesarten zusammenfallen, ist das Nein nicht mehr nur eine Antwort, sondern eine klare Position.

Zwei Kalender und zwei Weihnachtsfeste im selben Land

Die Ukraine feiert nicht nur ein Weihnachtsfest. Ein Teil des Landes, der der orthodoxen Tradition nach dem julianischen Kalender folgt, behält die Termine im Januar bei. Ein anderer, die westlichen Regionen mit katholischer Tradition – das ehemalige Königreich Ruthenien, nahe der polnischen Grenze –, feiert am 25. Dezember, wie in Spanien. Dazwischen hat die ukrainische orthodoxe Kirche den reformierten Kalender übernommen, wodurch sich ihr Weihnachtsfest in den Dezember verschoben hat. Diese Verschiebung ist relativ neu und noch nicht vollständig abgeschlossen.

Dieser Wandel ist mit eigenen Kontroversen verbunden. Einige behaupten, die Abschaffung des julianischen Weihnachtsfests bedeute nicht die Abkehr von Moskau, sondern einen Eingriff in eine Tradition aus nicht-religiösen Motiven. Die Gegenseite entgegnet, dass der Kalenderwechsel eine kirchliche Entscheidung sei und keine Kapitulation vor irgendjemandem. Darunter schwingt die grundlegende Frage mit: Wer führt das Sagen in der ukrainischen orthodoxen Kirche und seit wann?

Ist die ukrainische orthodoxe Kirche autonom gegenüber Moskau?

Sie ist eine der autokephalen (selbstverwalteten) orthodoxen Kirchen, auf der gleichen formalen Ebene wie die russische, die bulgarische oder die serbische, und ihr oberster Bezugspunkt ist der Patriarch von Konstantinopel seit dem Schisma von 1054, das die Orthodoxie von Rom trennte. In diesem Rahmen zu sagen, sie hänge von Moskau ab, wäre so, als würde man sagen, die portugiesische katholische Kirche hänge von der französischen ab: gar nichts. Die Diskussion konzentriert sich hingegen auf etwas anderes: Wann wurde diese Autonomie anerkannt und welche Autorität hat dies getan.

Für einen Teil der Analysten ist die Autonomie neu und hat ihren Ursprung in einer politischen Entscheidung, nicht in einem langen kanonischen Prozess. Für den anderen Teil stützt sich die Anerkennung auf die Tradition und die Tatsache, dass Konstantinopel und nicht Moskau der historische Bezugspunkt dieser Kirche ist. Zwei gegensätzliche Versionen und derselbe umstrittene Kalender.

Vom Kalender zur Front: Soledar, Bachmut und der Waffenstillstand, der nichts stoppte

Während die Geste diskutiert wurde, bewegte sich die Front weiter. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf Soledar und Bachmut, mit Vorstößen, die laut dieser Version der Ereignisse die ukrainische Verteidigung in eine schwächere Position bringen und einen Rückzug in Richtung Kramatorsk erzwingen würden. Dies ist genau das Szenario, das erklärt, warum ein kurzer Waffenstillstand als eine Pause interpretiert wird, die demjenigen zugutekommt, der die Initiative hat.

Man sollte es nicht übertreiben: Die territorialen Bilanzzahlen eines laufenden Krieges ändern sich täglich, und die kursierenden Zahlen sind nicht immer haltbar. Aber die Logik ist schwer zu bestreiten. Die Front für achtundvierzig Stunden einzufrieren, verteilt die Vorteile nicht gleichmäßig, und wer glaubt, zu gewinnen, unterzeichnet selten eine Pause. Hier treffen das militärische und das symbolische Argument aufeinander, die bisher getrennt voneinander verliefen.

Was von der Waffenruhe bleibt

Sie dauerte nur so lange, wie man braucht, um eine Pressemitteilung zu lesen. Der 48-Stunden-Waffenstillstand blieb lediglich im Kalender dessen, der ihn vorschlug, und die Weihnachtstage sind, wie fast alles in diesem Krieg, zu einer weiteren Front geworden.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

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