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Ukraine-Krieg: Vier Szenarien nach Russlands Vorstoß im Donbas
Mit dem Fall des Donbas zeichnen sich vier Szenarien ab: Vormarsch zum Dnepr, erzwungene Kapitulation, neue Fronten oder eine ukrainische Gegenoffensive.
Der Donbas fällt, und nun? Diese Frage stellte sich, als der russische Vormarsch unaufhaltsam schien und Kalender den Spätsommer für die Schließung des östlichen Kessels anpeilten. Niemand hat die Antwort, aber es liegen vier sich gegenseitig ausschließende Wetten auf dem Tisch: Weitermarsch zum Dnepr mit Kiew im Visier, Verhandlungen mit territorialer Kapitulation als Preis, Konsolidierung der Eroberungen und Eröffnung neuer Fronten in Charkiw, Saporischschja oder Odessa, oder das Warten auf westliche Aufrüstung und eine Gegenoffensive zur Rückgewinnung von Boden. Der am häufigsten wiederholte Konsens ist nicht optimistisch: Der Krieg endet nicht im Donbas; er verlagert sich auf ein anderes Schlachtfeld.
Die vier diskutierten Hypothesen
Die erste Wette ist maximalistisch: **Russland hält nicht an der Verwaltungsgrenze des Donbas inne und marschiert zum Fluss Dnepr**, mit Blick auf einen zweiten Versuch gegen Kiew. Die zweite ist die erzwungene Verhandlung: **Selenskyj akzeptiert die Anerkennung des gesamten besetzten Gebiets, oder die Ukraine zerfällt als Staat**. Die dritte, anfangs am häufigsten genannte, ist die Konsolidierung des Eroberten und der Sprung zu anderen mehrheitlich russischsprachigen Städten: **Charkiw, Saporischschja, Odessa**. Die vierte, oft ironisch abgetan, ist die massive Ankunft westlicher Waffen und eine Gegenoffensive, die beginnt, Terrain zurückzuerobern.
Manche erweitern die Karte ohne Hemmungen: **Charkiw, Mykolajiw und Odessa kehren zur Föderation zurück**, zusammen mit der Krim, Cherson, Saporischschja und dem Donbas, als Mindestboden. Andere zeichnen einen chirurgischeren Abschluss: alles östlich des Dneprs und der Süden einschließlich Odessa, dann Verhandlungen über Selenskyjs Abgang und eine genehme Regierung. Die Spanne zwischen Minimum und Maximum ist buchstäblich das halbe Land.
Der widerlegte Zeitplan
Die ursprüngliche Prognose sah die vollständige Befreiung des Donbas **bis Ende des Sommers** vor. Mit den Monaten zog sich dieses Datum hin. Eine im Thread kursierende Berechnung fasst es augenzwinkernd zusammen: Wenn man **95 Tage braucht, um 10 Kilometer vorzurücken**, erfordert der Weg von Luhansk nach Brest eine Gleichung, die nicht aufgeht. Die implizite Schlussfolgerung lautet, dass das Tempo der ersten Phase nicht das Tempo des Krieges war.
Die Gegenoffensive bei Charkiw zwischen September und Oktober ordnete alle Wetten neu. Von da an war die Frage nicht mehr, wie lange Russland brauchen würde, um den Donbas einzunehmen, sondern **ob es in der Lage wäre, die gesamte Oblast Luhansk zu halten**, das einzige Gebiet, das nach einem Jahr Feldzug vollständig kontrolliert wurde. Der Chef der russischen Söldner räumte selbst ein, dass die Eroberung der Ostukraine **weitere zwei Jahre** dauern könnte, ein Zeitrahmen, der jeden triumphalen Kalender entkräftet.
Die NATO als unkontrollierbare Variable
Jeder relevante russische Fortschritt ging mit einer westlichen Vergeltung einher, die niemand im Drehbuch hatte. Die Befreiung von Mariupol fiel mit dem Untergang des russischen Flaggschiffs zusammen; der Fall von Sievierodonetsk mit der Blockade von Kaliningrad. Die schwebende Frage ist, was die NATO erfinden wird, wenn die nächste wichtige Stadt fällt. **Die Eskalation wird nicht allein von Moskau entschieden**.
Am anderen Ende ist die unter Skeptikern am häufigsten wiederholte These, dass die Ukraine unter keinen Umständen kapitulieren werde und dass Russland keine Absicht habe, das ganze Land zu liquidieren, trotz des Scheiterns der anfänglichen Offensive gegen Kiew. Das zunehmend wahrscheinlichere Szenario ist ein Krieg, der sich **mindestens bis Januar** hinzieht, mit einem ins Exil getriebenen oder ausgeschalteten Selenskyj und einer abgenutzten ukrainischen Armee. Niemand schließt aus, dass das Endziel der Dnepr ist, aber niemand unterschreibt, dass er erreichbar ist.
Was von der Ukraine übrig bleibt
Die wirtschaftliche Debatte tritt in den Hintergrund, hat aber die weitreichendsten langfristigen Folgen. Die wiederholte These lautet, dass **das, was von der Ukraine übrig bleibt, schlimmer sein wird als das Spanien der 1940er-Jahre**: ohne zukunftsorientierte Technokraten, ohne die billige Energie der fünfziger Jahre und mit einer Kriegsschuld, die Spanien nicht hatte. Der Vergleich ist brutal und wahrscheinlich ungerecht, beschreibt aber gut den Ausgangspunkt des Wiederaufbaus.
Das Ergebnis bleibt offen. Die einzige Gewissheit ist, dass der Donbas nicht das Ziel war, sondern das Startfeld.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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