Ukraine-Krieg treibt Preise und verdreifacht Spaniens Handelsdefizit

Öl bei 102 Dollar, Sonnenblumenöl bei 1,45 Euro: Der Ukraine-Krieg belastet die spanische Wirtschaft stark.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine-Krieg treibt Preise und verdreifacht Spaniens Handelsdefizit
Ukraine-Krieg trifft den Warenkorb: Öl, Strom und Rekord-Handelsdefizit

Was kostet der Ukraine-Krieg einen durchschnittlichen Spanier? Die Antwort findet sich nicht in Brüsseler Büros, sondern auf dem Einkaufszettel. Mit Beginn des Konflikts stieg der Ölpreis auf 102 Dollar, der IBEX verlor an einem Tag 3% und fiel unter 8.070 Punkte, während der Preis für Sonnenblumenöl leise auf 1,45 Euro kletterte. Die Rechnung verteilt sich weiterhin auf Energie, Lebensmittel und öffentliche Finanzen.

Öl bei 102 Dollar und ein stärkerer Einbruch als in Europa

Der erste Schlag war finanziell. Die spanische Börse fiel um 3% unter die Marke von 8.070 Punkten, ein deutlicherer Rückgang als an anderen europäischen Börsenplätzen. Die vorherrschende Lesart war, dass der Konflikt nur als Vorwand für bereits absehbare Probleme diente: Inflation, steigende Zinsen, Risikoprämien und ein Euribor, der aus seiner Lethargie erwachte.

In dieser Phase standen sich zwei Thesen gegenüber. Eine besagte, es gäbe keine echten Engpässe, nur unerschwingliche Preise: volle Regale, leere Geldbörsen. Die andere warnte vor Produktknappheit und Hamsterkäufen und riet dazu, Vorräte anzulegen. Ein Dritter fasste zusammen: Produkte würden nicht fehlen, aber zu diesen Preisen fühle es sich wie eine Versorgungskrise an.

Sonnenblumenöl als Barometer des Krieges

Kein Produkt steht so sehr für den Konflikt wie Öl. Die Ukraine ist einer der weltweit größten Exporteure von Getreide und Ölen, und viele verarbeitete Lebensmittel hängen von diesem Rohstoff ab. Ohne kurzfristige Alternativen stieg der Preis monatlich: erst auf 1,40 Euro, dann auf 1,45 Euro. Gleichzeitig verschwanden bestimmte Artikel, etwa Kekse für 95 Cent, aus den Verkaufsregalen.

Die Effekte ziehen sich durch die gesamte Kette. Ukrainisches Futtermittel verteuert die Schweinezucht; russischer Dünger beeinträchtigt die spanische Landwirtschaft. Im Einzelhandel führen Formatänderungen zur versteckten Teuerung: Turrón (spanisches Mandelgebäck) schrumpft von 300 auf 250 Gramm.

Handelsdefizit verdreifacht sich unbeachtet

Das Außenhandelsloch ist die unsichtbarste Seite des Konflikts. Das spanische Handelsdefizit erreichte bis November 63.602,9 Millionen Euro, fast das Dreifache der 20.836 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Deckungsquote – Exporte im Verhältnis zu Importen – sank auf 84,9%, ein Minus von 8,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Auf gut Deutsch: Spanien kauft Energie immer teurer ein, exportiert aber kaum mehr.

Warum wurde Olivenöl so teuer?

Der Preisschock war nicht nur geopolitisch. Olivenöl, ein Symbol des spanischen Warenkorbs, verteuerte sich durch Frost und Dürre. Ein Jahr blühten die Olivenbäume nicht richtig, im nächsten reduzierte Wassermangel die Ernte weiter. Bei steigenden Preisen wurden Berichte über den Diebstahl von 5.000 Litern Olivenöl in einer Kooperative in Málaga bekannt. Manche fragten sich, warum dasselbe Öl in Frankreich günstiger war als in Spanien.

Renten steigen, Löhne stagnieren

Während der Warenkorb schrumpfte, stiegen die öffentlichen Rentenausgaben. Mit 10.069.148 registrierten Rentenleistungen] stieg die Durchschnittsrente um 9,5% im Jahresvergleich und die monatlichen Ausgaben um 10,9% im August. Für Beamte lag der Anstieg bei 11,5%. Kritiker argumentierten, dass heutige Beitragszahler künftig gekürzte Renten erhalten, während sie die aktuellen finanzieren.

Gazprom-Gewinn bricht um 93% ein: Die Sanktionsfolgen

Auch die Gegenseite spürt Druck. Gazprom meldete für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch auf 296.241 Millionen Rubel (ca. 3 Milliarden Dollar), ein Minus von 93% gegenüber den 2,51 Billionen Rubel im Vorjahr. Das Unternehmen machte die Rubel-Abwertung verantwortlich. Parallel stiegen Russlands Einnahmen aus Nicht-Energiesektoren um 24,2%, was laut Beobachtern schwer mit einer Rezession vereinbar ist – entweder werden Steuern erhöht oder die Daten sind geschönt.

Der Gaza-Krieg hat die Schlagzeilen dominiert, doch die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Konflikts bleiben. Öl ist teuer, das Defizit wächst, und die vollen Regale kosten deutlich mehr als früher.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1541 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver