Ibex 35: Der August 2010 entschied sich zwischen 9.760 und 10.900 Punkten
Der Ibex 35 begann den August 2010 mit Futures bei 10.523 Punkten, dem Euro/Dollar-Kurs von 1,3055 und einem vorab notierten S&P-Stand von 1.109. Auf dieser Momentaufnahme basierte die langwierigste Wette des Sommers. Würde der Index auf 11.200 steigen oder wie Blei zu den von Pessimisten prophezeiten 4.000 abstürzen? Niemand hatte die Antwort. Und da niemand sie hatte, verbrachte man Wochen damit, Linien zu zeichnen, das Volumen zu überwachen und zu hoffen, dass eine externe Bewegung die Position nicht vorzeitig sprengte.
Warum waren die 10.080 Punkte des Ibex die rote Linie des Sommers?
Weil dort entschieden wurde, ob die Erholung noch Luft nach oben hatte oder ob es sich um ein klassisches Doppeltop handelte. Die damals genutzte Landkarte zeigte mehrere klar definierte Stufen: ein erstes loses Niveau bei 10.820, ein Doppeltop im Bereich 10.700/800 und darüber das große Tor. Wenn der Index kraftvoll über 10.925 ausbrach, wechselte das Szenario direkt auf 11.075-11.200. Nach unten war der Bereich 10.200/300 die Referenz, den mehrere Stimmen als zwingendes Ziel vor dem 11. August sahen.
Im S&P wiederholte sich das gleiche Spiel mit anderen Zahlen. Der Schlüssel-Support lag bei 1.040: Ein Bruch öffnete die Tür zu 1.010. Das Überschreiten der Bandbreite 1.060-1.070 brachte den Markt zurück in die Zone 1.100-1.120. Alle waren sich beim Chartbild einig; fast niemand war sich bei der Reihenfolge der Ereignisse einig.
Die Sitzung, die den Ablauf brach, war die Fibonacci-Rücknahme. Der Ibex verlor den Fibonacci 38,2% bei 10.040 und suchte Halt auf der nächsten Stufe, dem Fibonacci 50% bei 9.760. Es fehlten dreizehn Punkte. Dreizehn. Dieses Detail, das für Laien wie eine Anekdote klang, war tagelang das Hauptargument derer, die behaupteten, der Boden halte.
Was sagten die FED-Protokolle vom 10. August 2010?
Sie waren der erwartete Auslöser. Der Termin stand auf 20.00 Uhr, und die Vorab-Leseart war diagnostisch einstimmig: Anleihen wollten von kontrollierter Inflation und schwachem Wachstum hören; Aktien von kontrollierter Inflation und vernünftigem Wachstum. Ein klassisches Unmögliche, das der Markt via Communiqués verdauen musste.
Das Problem lag im Kern. Laut mehreren kursierenden Analysen sagten die Aussagen von Ben Bernanke, die die Börse so positiv aufnahm, genau das Gegenteil dessen, was sie schienen: Dass die Lage sehr, sehr kompliziert sei. Ein Großteil des Sommers bestand aus diesem perversem Spiel. Je schlechter die Fundamentaldaten, desto mehr Grund für Zentralbanken, Liquidität zu injizieren, und je mehr Liquidität, desto höher die Indizes. Die Börse läuft gegen die Logik. Klar. So einfach ist das für jeden.
Die Marktbewegung, die niemand erklären konnte
Es gab eine Sitzung, die alle Muster brach. Eine scharfe Aufwärtsbewegung, über hundert Punkte in einem Rutsch, die Techniker, Fundamentalisten und numerische Systeme gleichermaßen überraschte. Ein bekannter Analyst riss sich die Haare aus, ohne zu wissen, warum. Die meistgenannte Hypothese war ein Händler, der auf eigene Rechnung handelte – ein Rogue Trader, der rund fünfzig Pips auf einmal bewegte und den halben Tisch aus dem Konzept brachte.
Der Vorfall hinterließ eine unbequeme Schlussfolgerung: Wer mit engen Stops handelte, verlor die Position, auch wenn seine Analyse korrekt war. Wer weite Stops nutzte, blieb verschont, aber auf Kosten eines kaum vertretbaren Risikos. Mitten in diesem Sturm kreuzte der Stoxx-Index seinen 200-Tage-Durchschnitt in nur zehn Minuten, und der Ibex reagierte mit einer abrupten Bremsung bei Berührung der 10.300.
Warum stieg der DAX, während Ibex und Dow stagnierten?
Weil der deutsche DAX seit Jahresbeginn der einzige Index mit eindeutig bullischem Verhalten in 2010 war. Im August überschritt er sein Jahreshoch. Während der Dow abzustürzen schien, blieb der deutsche Auswahlindex unerschütterlich, und wer seine Struktur verfolgte, las in dieser Ruhe einen Vorbote der Bewegungen der großen Akteure. Der Ibex hingegen machte seiner Ruf als enger Markt alle Ehre: Jeder mittelgroße Zu- oder Abfluss bewegt den Preis viel stärker als angemessen wäre.
Auch die Breadth-Indikatoren halfen nicht zur Beruhigung. Der Advance Decline des Ibex erreichte einen historischen Höchstwert von -398, während der Konkorde-Indikator zwei Sitzungen hintereinander Käufe durch starke Hände signalisierte. Widersprüchliche Signale, die man erst danach liest, nie vorher.
China, Morgan Stanley und die PIGS als Gegengewicht
Während Kerzen diskutiert wurden, folgten makroökonomische Fakten ihrem Lauf. China übernahm 10 % von Morgan Stanley, ein Deal, der als Zeichen asiatischer Finanzkraft gelesen wurde. Im selben Topf die Nachricht, dass Burger King zum Verkauf stand wegen Insider-Trading-Bewegungen.
Die damals entfaltete geopolitische Logik hatte ihre Berechtigung: Da die USA und Japan Geld druckten, musste die EU die Peripheriewirtschaften als Gegengewicht nutzen – die Angst vor Zahlungsausfällen als Werkzeug –, um ihre Wechselkurse unter Kontrolle zu halten. Das Risiko lag in China, wo die Probleme nicht deflationär waren: Wenn sie ihre Währung künstlich niedrig hielten, könnten sie gezwungen sein, den Hahn abzudrehen.
KI-Systeme, Excel und Prognosen mit acht Pips Fehler
Die technologische Hinterbühne dieses Sommers verdient einen eigenen Absatz. Ein Händler erklärte, er arbeite mit proprietärer Software von über 20.000 Codezeilen: mehrere Feedforward-Netze und zwei rekurrente Netze, die Tick-für-Tick-Daten nahmen, sich alle zehn Minuten resilient per Backpropagation selbst trainierten und sich allein an plötzliche Marktwechsel anpassten. 2010 klang das nach Science-Fiction.
Ein anderer baute seine dynamischen Charts direkt in Excel, fing Echtzeitpreise seines Brokers ab und berechnete eigene Indikatoren, ohne die Tabellenkalkulation zu verlassen. Das am meisten besprochene Utility war die Rekonstruktion der Eurostoxx-Optionsverfallsentwicklung zugunsten der starken Hände, die im Umfeld von 2.700 lag: Über diesem Niveau war es für sie teurer, den Index nach oben zu bewegen, als ihn fallen zu lassen.
Treffer in der Präzision, wenn sie kamen, waren rahmenswürdig. Ein projiziertes intraday Minimum bei 9.972 drehte tatsächlich bei 9.964. Acht Pips Abweichung. Für den, der angab, den Boden exakt getroffen zu haben, gilt wohl: Ich sage nichts, und ich sage alles.
Die Lektion der Stops
Von allen Schlüssen dieses Abschnitts war der häufigste Wiederholte das Risikomanagement. Ein Stop kann eine runde Transaktion retten oder eine gewinnende Position zerstören. In einer besonders langweiligen Sitzung mit einer Gesamtspanne unter 60 Punkten schloss jemand Shorts bei 10.000 mit nur fünfzehn Pips Gewinn, genervt vom Halten der Position.
Andere empfahlen, Shorts auf Stop Profit zu setzen, solange der VIX nicht durchdrehte und der Ibex zwei kleinere Linien respektierte. Der Zug funktionierte: Die Sitzung kippte, und wer den automatischen Ausstieg gesetzt hatte, sparte sich das Zuschauen, wie der Gewinn verdampfte. Wer nicht, lernte die Lektion durch verlorene Wertzuwächse.
Murmeltier-Sommer
Die letzte Sitzung des Zyklus endete mit einer mittelmäßigen Bewegung und derselben Diagnose Tag für Tag: Die großen Akteure verschwunden, geringes Volumen, Indizes pendelten richtungslos. Der Murmeltier-Sommer, nannte es jemand. Der DAX auf Hoch, der Ibex blockiert und die FED-Protokolle bereits eingepreist.
Die Decke für die September-Erholung wurde bei 11.200 Punkten für den Ibex und der Bandbreite 1.130-1.151 für den S&P 500 gesehen. Von dort an wurde ein neues Kapitel von Abstürzen erwartet, das diesmal Supports brechen könnte. Niemand unterschrieb das. Bei diesen widersprüchlichen Indikatoren ist jede Prognose genau so viel wert wie der Stop, der sie begleitet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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