Studie: KI verdrängt Juniorstellen in Spanien zunehmend

Eine internationale Studie zeigt, dass KI in Spanien den Einstiegsjob-Markt schrumpfen lässt und Arbeitsplätze hin zu Seniorpositionen verschiebt. Das „spanische Rätsel“ erklärt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die künstliche Intelligenz verändert die Struktur der Beschäftigung: Sie begünstigt Positionen mit mehr Verantwortung und verringert die Einstiegsmöglichkeiten – besonders in Spanien, wie eine internationale Studie zeigt.

Die künstliche Intelligenz (KI) gestaltet den Arbeitsmarkt weltweit um, und eine aktuelle internationale Studie nennt Spanien als paradigmatischen Fall dafür, wie diese Technologie den Einstiegspositionen die Türen verschließen könnte. Die Untersuchung, die Daten aus **41 Ländern** auswertet, legt nahe, dass Unternehmen, die KI einsetzen, Arbeitsplätze nicht nur nicht zerstören, sondern sogar schaffen – wobei sich die Zusammensetzung der Belegschaft jedoch deutlich hin zu erfahreneren Profilen verschiebt.

## Die Verschiebung hin zu Seniorpositionen

Die Analyse, erstellt von Experten der **Stanford University** und des **King's College London**, untersucht Daten von fast **400.000 Unternehmen** und mehr als **einer Milliarde Stellenangeboten**, die seit 2022 veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Belegschaft von KI-affinen Unternehmen im Durchschnitt um **3,3 %** wächst, verglichen mit jenen, die nicht auf KI setzen. Dieses Wachstum verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig. Der Anteil der Einstiegspositionen mit geringerer Verantwortung ist im globalen Durchschnitt um **1,9 Prozentpunkte** zurückgegangen und wurde durch Stellen der Senior-Ebene ersetzt. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt in Branchen wie der Technologiebranche und der Softwareentwicklung.

Wichtig zu verstehen ist, dass sich „Juniorstellen“ nicht strikt auf das Alter der Beschäftigten bezieht, sondern auf die Position innerhalb der Unternehmenshierarchie. Diese Positionen mit geringerer Verantwortung scheinen von der KI-Einführung am stärksten betroffen zu sein. Die Studie stellt klar, dass dieses Phänomen nicht auf Massenentlassungen von Junior-Mitarbeitern zurückzuführen ist, sondern auf eine gestiegene Nachfrage nach Rollen mit mehr Verantwortung, die weltweit um **6,7 %** gewachsen sind. Die Benachteiligung der Einstiegspositionen ist also mit einem allgemeinen Wachstum der Belegschaft vereinbar.

## Das „spanische Rätsel“ und die Grenzen der Studie

Auffällig am spanischen Fall ist, dass er als das deutlichste Beispiel dieses Trends gilt. Zwar ist in **23 der 41 untersuchten Länder** ein Rückgang des Anteils an Juniorstellen zu beobachten, doch nur in sieben davon – darunter **Spanien**, die **USA**, das **Vereinigte Königreich**, **Polen**, **Brasilien**, **Mexiko** und **Saudi-Arabien** – ist der Rückgang statistisch signifikant. Spanien ist zudem eines von nur zwei Ländern, in denen die Gesamtbeschäftigung in KI-adaptierenden Unternehmen deutlich wächst; das andere ist **Schweden**.

Dieses Ergebnis ist erstaunlich, zumal die **USA** als anerkannter Führer in der Entwicklung und Nutzung von KI gelten. Die Autoren der Studie selbst, etwa **Bharat Chandar** von Stanford und **Bouke Klein Teeselink** vom King's College, sind renommierte Figuren in der Analyse von KI und Arbeitsmarkt. Chandar war bereits an früheren Untersuchungen beteiligt, die auf negative Auswirkungen auf die Beschäftigung von Berufseinsteigern in den USA hinwiesen.

Die Forscher räumen jedoch ein, dass ihre Datenquellen Grenzen haben. Die in der Studie verwendete Datenbank **Revelio** bildet tendenziell größere Unternehmen und bestimmte Senior-Profile überproportional ab. In Spanien deckt sie beispielsweise **38 %** der Unternehmen ab, viele davon multinationale Konzerne und ihre Tochtergesellschaften. Diese Überrepräsentation könnte die Wahrnehmung des tatsächlichen Gewichts der Juniorstellen verzerrn, die laut Analyse in den erfassten Unternehmen bei **61,6 %** liegen. Ein ähnlicher Bias zeigt sich bei Stellenangeboten auf Plattformen wie **LinkedIn**, die im Vergleich zu anderen Ländern ein stärkeres Gewicht generativer KI aufweisen.

## Arbeitsmarktflexibilität und die Zukunft der Beschäftigung

Die Studie beleuchtet auch die scheinbare Unabhängigkeit dieses Trends von den Eigenschaften der Arbeitsmärkte. In Ländern mit sehr unterschiedlichen Volkswirtschaften und institutionellen Strukturen sind ähnliche Auswirkungen zu beobachten. Die Flexibilität des US-Arbeitsmarktes etwa scheint keinen Vorteil gegenüber Volkswirtschaften mit einem schützenderen Arbeitsrecht wie dem spanischen zu bieten. Das deutet darauf hin, dass Unterschiede in der Starrheit des Kündigungsschutzes kein entscheidender Faktor sind, um diese Verschiebung hin zu Seniorpositionen zu verhindern. Mit anderen Worten: Ein strengeres Arbeitsrecht scheint allein nicht auszureichen, um dem Effekt der KI auf die Beschäftigungsstruktur entgegenzuwirken.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver