Dabiz Muñozs 19-Euro-Sandwich: Das Geschäft mit der Gourmet-Erzählung

Ein von Dabiz Muñoz „designtes“ Sandwich wird auf spanischen Flughäfen für 18,95 Euro verkauft. Forenberechnungen legen einen Stückpreis von nur 1,50 Euro nahe.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Dabiz Muñozs 19-Euro-Sandwich: Das Geschäft mit der Gourmet-Erzählung
Dabiz Muñozs 19-Euro-Sandwich: Das Geschäft mit der Gourmet-Erzählung

Wie viel sind Sie bereit, für ein Schinkensandwich zu zahlen? Auf einem spanischen Flughafen scheint die Antwort 18,95 Euro zu sein. Das ist der Preis des von Dabiz Muñoz „designten“ Sandwichs, das in Terminals und Tankstellen verkauft wird: Sauerteig-Baguette, Ibérico-Schinken, natives Olivenöl extra, Pfeffer und gehackte Pistazien. Die Debatte darüber, ob es sich um einen Betrug oder einen Marktpreis handelt, hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet, und das Fazit lässt niemanden gut dastehen.

Es geht nicht nur um das Sandwich. Es zeigt, wie Preise in Spanien konstruiert werden, wenn jemand mit medialer Strahlkraft seinen Namen auf ein Produkt setzt. Und nebenbei auch, was wir bereit sind hinzunehmen, statt zuzugeben, dass wir hereingelegt wurden.

Die Berechnung, die das 19-Euro-Sandwich entlarvt

Laut einer im Thread kursierenden Berechnung ermöglicht Ibérico-Schinken für 60 Euro pro Kilo den Kauf von 300 Gramm für 18 Euro. Rechnet man ein 1-Euro-Brot hinzu, ergäbe sich ein Sandwich mit mehr als dreimal so viel Schinken wie am Flughafen. Diese bis zur Erschöpfung wiederholte Rechnung legt die Marge offen: Man zahlt nicht für Rohstoffe, sondern für die Geschichte.

Manche behaupten, der Schinken sei Joselito aus Guijuelo, und allein diese Scheibe rechtfertige den Preis. Dies ist die häufigste Verteidigungslinie. Doch das Etikett bestätigt diese Herkunft nicht, und handgeschnittener Joselito kostet in Fachgeschäften rund 180 Euro pro Kilo. Bei diesen Kosten wäre ein 19-Euro-Sandwich mit 50 Gramm Schinken sogar günstig. Die Frage bleibt, ob der am Flughafen servierte Schinken tatsächlich dieser Marke entspricht.

Die vollständige Aufschlüsselung zeigt eine überraschende Differenz: 19 Packungen Navidul-Schinken (je 40 Gramm) würden so viel kosten wie ein einziges Chef-Sandwich. Mit Brot und Öl lägen die Kosten für 19 selbstgemachte Sandwiches bei unter 1,50 Euro pro Stück. Der Vergleich ist nicht ganz fair – Navidul ist kein Joselito –, macht aber deutlich, dass der Preis nicht durch die Qualität des Aufschnitts gedeckt ist.

Warum kostet ein Sandwich am Flughafen das Dreifache?

Die Erklärung liegt nicht beim Schinken, sondern bei der Miete. Spanische Flughäfen werden von einem börsennotierten öffentlichen Unternehmen verwaltet, das jeden Quadratmeter Terminalfläche versteigert. Der Caterer zahlt eine Gebühr, die er an den Kunden weiterreicht. Hinzu kommen Personal, Nachtschichten und Feiertage. Das Ergebnis: Ein Sandwich, das in einer lokalen Bar 5 Euro kostet, wird für 19 Euro verkauft, ohne dass das Brot verbessert wurde.

Das Argument, „es sei ein öffentliches Unternehmen, es müsste günstiger sein“, hält nicht stand. Das Flughafenmanagement funktioniert wie ein Monopol, das Flächen zu Goldpreisen vergibt. Der Reisende sitzt zwischen Sicherheitskontrolle und Gate fest. Dort bestimmt nicht der Wettbewerb den Preis, sondern Durst und Verzweiflung. Dass es öffentlich ist, verbilligt nichts; es erhöht die Kosten durch Ineffizienz.

In diesem Kontext sind 19 Euro für ein Ibérico-Schinkensandwich am Flughafen gar nicht so absurd. Absurd wird es erst, wenn der Schinken nicht dem Versprochenen entspricht. Genau dort bricht die Erzählung des Chefs zusammen.

Pistazien: Vom Imbiss-Snack zum Gourmet-Zutat

Gehackte Pistazien sind der Touch, der ein normales Sandwich in ein „designtes“ Produkt verwandelt. Vor Jahren war es eine Seltenheit, die in einfachen Bars als Snack serviert wurde. Heute gilt es als Inbegriff der Raffinesse. Seine Popularität hat den Preis und seine Präsenz auf modernen Speisekarten in die Höhe getrieben.

Das Problem ist, dass die Kombination von Pistazien mit Eichel-Ibérico-Schinken nach Meinung orthodoxer Gaumen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein sollte. Pfeffer und Pistazien zerstören Textur und Geschmack des Schinkens. Es ist keine Beilage, es ist Tarnung. Die geheime Zutat ist nicht die Nuss: Es ist die Leichtgläubigkeit des Gastes, der dafür zahlt.

Der 46-Euro-Panettone und das wiederkehrende Muster

Das Sandwich ist kein Einzelfall. Derselbe Koch verkauft einen Panettone namens „Drachenatem“ für 46 Euro bei El Corte Inglés. Ein Panettone ist ein Gebäck aus Mehl, Eiern, Butter und kandierten Früchten. Für 46 Euro erklärt sich der Preis nicht durch die Zutaten, sondern durch den Namen und die Person.

Das Muster ist immer gleich: Basisprodukt, klangvoller Name, überhöhter Preis. Es funktioniert, weil Nachfrage besteht. Die Leute kaufen die Geschichte, nicht das Essen. Solange jemand 46 Euro für einen Panettone zahlt, wird jemand 19-Euro-Sandwiches am Flughafen verkaufen.

Der Werdegang des Chefs: Medialer Erfolg und Zweifel im Ausland

Dabiz Muñoz ist ein Medienstar in Spanien. Sein Restaurant in Madrid läuft gut, seine TV-Auftritte sind konstant, und seine Marke verkauft sich. Außerhalb Spaniens greift die Erzählung jedoch oft nicht. Laut einigen Beiträgen im Thread konnte sein Londoner Lokal den Erfolg nicht wiederholen, und das in Dubai wurde geschlossen. In der gastronomischen Champions League zu spielen, ist etwas anderes als im eigenen Viertel Prophet zu sein.

Der Vergleich mit der lokalen Szene ist unvermeidlich: In Madrid bleibt das Star-Gericht vieler Bars weiterhin das Calamar-Sandwich. Kein Design, keine Pistazien, keine Geschichte. Nur Preis und Hunger. Und es funktioniert.

Das Geschäft mit der Monetarisierung fremder Torheit

Die Bereitschaft der Menschen, zu viel zu zahlen, zu erkennen, ist nicht einfach. Es gibt starke Konkurrenz. Aber der Chef hat es geschafft, sagen Kritiker: Er hat ein Schinkensandwich in ein Luxusprodukt verwandelt. Nicht wegen der Qualität, sondern wegen des Verpackungsmaterials.

Das Geschäft ist nicht die Gastronomie. Es ist Marketing. Solange es ein Publikum gibt, das 19 Euro für Brot mit Konzept zahlt, wird das Geschäft weiterlaufen. Die Frage ist nicht, ob es Betrug ist. Die Frage ist, wie lange es dauert, bis der Nächste es kopiert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (158 Antworten).

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