Streit um Europakarte mit 44 Staaten ohne Russland

Eine Karte mit 44 europäischen Nationen schließt Russland aus, aber nicht die Türkei: Die Frage nach der Definition Europas bleibt ungelöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Streit um Europakarte mit 44 Staaten ohne Russland
Europakarte mit 44 Staaten ohne Russland und mit der Türkei

Eine Karte, die Europa in 44 Nationen aufteilt, hat eine der Fragen neu entfacht, die die Europäische Union seit Jahrzehnten unbeantwortet lässt: Was ist Europa und wer entscheidet, wo es endet? Der Vorschlag umfasst die Türkei und Aserbaidschan, schließt Russland aus und zielt laut ursprünglicher Absicht darauf ab, dass Moskau «die Waffen niederlegt und heimkehrt, von wo es nie hätte weggehen sollen». Der Text zur Karte spricht von «44 Nationen», die Geschichte und «große Fortschritte» teilen, und verortet dieses Erbe von den Nordländern bis zum Mittelmeerraum.

Das Ergebnis ist eine Diskussion, die weit über Geografie hinausgeht. In wenigen Zeilen tauchen die NATO, die Sprengung von Nord Stream, die EU-Erweiterung, die Rolle der Angelsachsen und die Frage auf, ob das Kriterium für die Zugehörigkeit ein Vertrag, eine Grenze oder ein literarischer Kanon ist.

Welche Länder sind dabei und welche fallen vom Raster

Die Liste der Abwesenden ist länger als die der Anwesenden. Russland fehlt, die Türkei wird als «überschüssig» betrachtet, ebenso wie Aserbaidschan, so verschiedene Kommentare, und manche fügen hinzu, Marokko und Israel sollten ebenfalls dabei sein. Polen wird ironisch erwähnt – «Polen ist überall überflüssig», heißt es – und das Vereinigte Königreich wird als Land bezeichnet, das «nie hätte austreten sollen» und auch nie hätte eintreten dürfen. Der grundlegende Widerspruch lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wenn die Türkei zu Europa gehört, warum dann nicht Moskau oder Sankt Petersburg?

Das kulturelle Argument wird in beide Richtungen verwendet. Eine Seite behauptet, das christliche Erbe und die gemeinsame Geschichte seien das eigentliche Kriterium, und die Türkei passe nicht dazu. Die andere Seite antwortet mit einer Namensliste: Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Strawinski und Tschaikowski sind europäische Kultur, und Russland von der Karte zu streichen bedeute, «den klassischen Tanz in seiner Blüte zu töten», um stattdessen Kebab einzubeziehen. Die Antwort ist so einfach wie unbequem: Niemand hat bisher definiert, was gemessen wird.

Der Bosporus als Grenze und das Problem Griechenlands

Manche erinnern daran, dass die Türkei und Griechenland offene territoriale Streitigkeiten haben, was allein schon diese Übung entwertet. Auch das geografische Gegenargument wird diskutiert: Europa am Bosporus zu trennen, ist nicht so einfach, und die türkische Geschichte ist seit vor der Gründung der EU mit der des Kontinents verwoben. Die häufigste Antwort lautet, dass die heutige Türkei nicht das Erbe Byzanz’ trägt, und dass man beides nicht verwechseln darf.

Der Fall des Kosovo dient als Beispiel dafür: Ein mehrheitlich muslimischer Staat in Europa, anerkannt nach einem Krieg, während andere Länder mit Jahrhunderten gemeinsamer Geschichte vom Raster fallen. Die Diskussion verheddert sich, und niemand legt ein festes Kriterium fest.

NATO, Angelsachsen und Nord Stream

Der zweite große Schwerpunkt der Debatte ist, wer in Europa das Sagen hat. Einige Kommentare behaupten, der Kontinent sei «seit dem Zweiten Weltkrieg besetztes Gebiet», mit ausländischen Basen auf europäischem Boden und einer an Washington ausgerichteten Außenpolitik. Die Sprengung von Nord Stream wird als Beweis angeführt: Für manche hätte sie als casus belli behandelt werden müssen, aber nicht gegen Russland. Andere erwidern, ohne die NATO wäre die Ukraine nicht in diesen Krieg gegangen, und die Allianz sei die einzige echte Verteidigungsgarantie.

Das Vereinigte Königreich erhält Kritik aus verschiedenen Richtungen: Man wirft ihm vor, Belgien und Kosovo geschaffen, Jugoslawien zerschlagen und die deutsche Energieinfrastruktur sowie die Währung sabotiert zu haben. Eine britische Reaktion fehlt im Material. Was hingegen auftaucht, ist ein konkreter Vorschlag: Russen und Ukrainer sollen durch einen Sondervertrag bis 2030 in die EU aufgenommen werden, während die Angelsachsen von jedem neuen europäischen Bündnis ausgeschlossen bleiben sollen.

Die Karte passt nicht zur Demografie

Die dritte Front ist intern. Verschiedene Stimmen behaupten, Europa erleide eine «massive ethnische Substitution» durch liberale Migrationspolitik, und die EU «hätte nur für den Austausch von Gütern und Rohstoffen gegründet werden sollen». Andere weisen darauf hin, dass die Industrialisierung nach Ostasien ausgelagert wurde und dass die gemeinsame Währung nicht verhindert hat, dass sich technologische Investitionen in Deutschland konzentrieren. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Wenn die Karte nicht widerspiegelt, was auf den Straßen passiert, ist die Karte nutzlos.



Mit diesen Zutaten funktioniert die Karte der 44 Nationen eher als Spiegel denn als Kompass. Sie sagt weniger über Europa aus als über den, der sie zeichnet. Und sie hinterlässt eine unbeantwortete Frage: Wenn das Kriterium die Kultur ist, gehört Russland dazu; wenn es die Geografie ist, fällt die Türkei raus; wenn es die Politik ist, entscheiden andere. Niemand hat ein Kriterium gefunden, das alle drei Aspekte gleichzeitig erfüllt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (140 Antworten).

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