Spanier und Südamerikanerinnen: der Streit, der Männer spaltet
Ein glatzköpfiger, älterer Mann erhält an einem spanischen Strand Aufmerksamkeiten, die ihm – so die Geschichte, mit der die Diskussion beginnt – eine spanische Frau niemals schenken würde: Sonnencreme, Küsse und eine Hingabe, die als bedingungslos beschrieben wird. Die mit einem Augenzwinkern erzählte Szene löst eine Diskussion mit 219 Beiträgen aus, die inzwischen 55 Tage dauert und unter der Oberfläche einer Sommeranekdote einen wunden Punkt trifft: den Partnermarkt, den wirtschaftlichen Status und die Wahrnehmung, dass sich etwas daran geändert hat, wer wen wählt.
Die erste Reaktion gilt weniger der südamerikanischen Frau als der spanischen. Mehrere Stimmen behaupten, die spanische Frau sei anspruchsvoll geworden, habe Rechte angehäuft – eine Zahl von über 500 Gesetzen zu ihren Gunsten wird sogar zitiert – und das habe einen Teil der Männer aus dem Spiel gelassen. Dagegen lautet die häufigste Antwort, dass das Phänomen nichts Neues ist: „Deshalb sind so viele Spanier nach Amerika ausgewandert“, fasst einer zusammen. Die Geschichte der spanischen Emigration und der Vermischung dient hier als Berufung auf Autorität, so grob sie auch gestrichen ist.
Die Kalkulation von Begehren und Geldbeutel
Der wirtschaftliche Kern der Sache erscheint bald: Es wird behauptet, es gebe Frauen, die sich lieber einen finanziell besser gestellten Mann mit einer anderen teilten, als einen mit niedrigerem Status zu ertragen. Red-Pill-Rhetorik, der Bevölkerungsrückgang und die Idee, das System sei darauf ausgelegt, die Frau zu begünstigen, vermischen sich im selben Absatz. Es gibt keine Daten, die diese Behauptungen stützen; es sind Meinungen, und als solche werden sie auch präsentiert. Was es gibt, sind Anekdoten: Ein Mann erzählt, eine Frau sei zu einem anderen gegangen, der ihr 500 Euro im Monat gab; ein anderer antwortet, er habe sich mit mehreren Frauen nur zu unverbindlichen Treffen verabredet und sei, sobald sie Geld verlangten, nie wieder gekommen.
Die Diskussion driftet Richtung Sens und verschleierter Prostitution. Es ist von „Leben, die genau das sind“ die Rede, von Treffen mit Preis pro Date und vom Unterschied zwischen dem, was in Spanien passiert, und dem, was in Kolumbien passiert. Der Ton ist rau, aber die Analyse dahinter ist die alte: Angebot, Nachfrage und Kaufkraft. Die südamerikanische Frau erscheint mal als Partnerin, mal als Dienstleistung; der spanische Mann als Kunde oder als Partner. Die Ambiguität wird nie aufgelöst.
Die Klage über Behandlung und Kultur
Ein zweiter Faden zieht sich durch die Diskussion: die Behandlung. Es wird wiederholt, die südamerikanische Frau sei freundlicher, lächle mehr, neige weniger zu Ausbrüchen. „Nur Lächeln und Liebenswürdigkeit“, sagt einer; „was für ein Unterschied zur spanischen Frau mit dem sauren Gesicht“. Es ist der alte Vergleich zwischen Freundin und Ehefrau, zwischen Eroberung und Alltag, jetzt auf Nationalitäten angewandt. Die Kultur kommt als Verstärkung ins Spiel: Es wird behauptet, eine 18- oder 20-jährige Frau in diesen Ländern habe mehr Reife und Lebenserfahrung als der spanische Durchschnitt, und die Telenovela wird als Intensivtraining zitiert. Eine Umfrage, die das belegt, gibt es nicht; es ist ein Eindruck.
Die Gegenoffensive kommt mit derselben Munition. Denen, die diese Präferenzen verteidigen, wird vorgeworfen, ihr Selbstwertgefühl mit frisch angekommenen Frauen aufzubauen, die dringend Papiere brauchen. Es ist von einem „Verwundbarkeitszertifikat“ die Rede, von Familien, die mit der Freundin mitkommen, und von der Technik, „dir den Geldbeutel abzuziehen, während dein Schwanz im Mund ist“. Die Sprache ist derb, das Argument ad hominem, aber eine Idee bleibt klar: Für einen Teil der Diskussion ist das Phänomen keine Liebe, sondern ein Geschäft.
Der europäische Spiegel und der Nationalstolz
Mitten im Geplänkel erscheint eine Abschweifung, die viel über den mentalen Rahmen verrät: Spanien wird mit Norwegen und der Schweiz verglichen, ironisiert wird, dass die Arbeiter des Nordens nur noch Integrale lösen und Mozart spielen, und als Fazit heißt es: „Die Zivilisation liegt in Spanien.“ Die Pointe dient dazu, den Fokus abzulenken, erinnert aber auch daran, dass die kulturelle Hierarchie in beide Richtungen benutzt wird: Die einen verachten die südamerikanische Frau wegen ihres Akzents und ihres Körpers, die anderen den Nordeuropäer wegen seiner Kälte. Niemand gewinnt.
Am Ende der Reise steht die Sache dort, wo sie begann: am Strand. Ein älterer Mann erhält Aufmerksamkeiten, eine junge ausländische Frau schenkt sie ihm, und um sie herum projizieren sich alle Frustrationen und alle Wünsche eines alternden Landes, das sich nicht entscheiden kann, ob das Liebe, Geschäft oder beides zugleich ist. Die Diskussion kommt zu keiner Einigung. Sie sucht auch keine.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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