Die Spanische Evangelische Allianz (AEE) startet „Bajo su higuera“ (Unter deinem Feigenbaum), ein Netzwerk, das Kirchen, Anwälte, Sozialarbeiter und Vermieter zusammenbringen wird, um 2027 insgesamt 150 Familien mit Wohnungsproblemen zu begleiten. Das erste Treffen findet am 6. Februar 2027 in Madrid statt und fällt mit dem 150-jährigen Bestehen der Organisation zusammen.
Es gibt eine Szene, die sich in vielen spanischen evangelischen Kirchen wiederholt: Jemand klopft an einem Dienstagmorgen an die Tür und bittet um Hilfe bei der Miete. Das ist keine Statistik. Es ist eine Familie mit Namen. Die **Spanische Evangelische Allianz (AEE)** beobachtet seit einiger Zeit, wie sich diese Anfragen häufen, und hat beschlossen, von einzelnen Hilfsaktionen zu einem organisierten Rahmen überzugehen. Das Projekt heißt **„Bajo su higuera“**, und das erste Treffen ist für den **6. Februar 2027 in Madrid** geplant – aus Anlass des **150-jährigen Bestehens** der 1877 gegründeten Organisation.
Das erklärte Ziel ist es, **150 Familien** in diesem Jahr zu begleiten. Das ist keine glatte Broschürenzahl, sondern ein operatives Ziel, das die Koordination von Gemeinden, sozialen Einrichtungen, Anwälten, Sozialarbeitern, Unternehmern und Vermietern erfordert, die bisher getrennt voneinander arbeiteten. „Die anfängliche Resonanz ist sehr ermutigend“, erklärt **Pedro Tarquis**, Sprecher der AEE. Die Initiative beginnt nicht bei null: Viele lokale Gemeinden kümmern sich seit Jahren um Grundbedürfnisse mit Kleiderkammern, Lebensmittelausgaben, Aufnahmewohnungen und Mietbeihilfen. Neu ist der gemeinsame Dachverband.
## Notfonds für zwei bis drei Monate ausstehender Zahlungen
Eines der Standbeine des Projekts ist es, jede Kirche zu ermutigen, einen eigenen Notfonds einzurichten. Die AEE nennt konkrete Beispiele dafür, was einen Haushalt ohne ausreichendes Einkommen zur Mietzahlung zurücklassen kann: eine Kündigung, eine Krankheit, eine Trennung. Situationen, die nicht immer chronisch sind, aber ausreichen, um ein Räumungsverfahren in Gang zu setzen. „Zwei oder drei Monate ohne Zahlungen genügen, um ein Räumungsverfahren einzuleiten“, warnt Tarquis. Der Vorschlag betont, dass jede Gemeinde ihren Fonds nach eigenen Kriterien für Prüfung, Verwaltung und Nachverfolgung verwalten soll, angepasst an ihre Gegebenheiten.
Das Geld wird von Begleitteams flankiert, die ab dem Moment tätig werden, in dem eine Räumungskündigung eingeht. Diese Teams helfen bei der Suche nach rechtlicher Beratung, erleichtern den Dialog mit den Vermietern und vermitteln Familien an die Sozialdienste. Die AEE argumentiert, dass diese Vermittlung auch dem Vermieter Sicherheit gibt, weil er jemanden hat, mit dem er Zahlungsausfälle besprechen und Lösungen erarbeiten kann. Mieterschutz und rechtliche Sicherheit des Eigentümers, so heißt es, müssten Hand in Hand gehen.
## Untergenutzte Räume und Pfarrwohnungen
Der zweite Weg ist die bessere Nutzung bereits vorhandener Immobilien. Die AEE möchte eine Überprüfung der untergenutzten Räumlichkeiten und Flächen von evangelischen Kirchen und Organisationen anstoßen, um zu prüfen, ob sich einige davon zeitweise als Unterkunft nutzen lassen. Tarquis nennt frühere Pfarrwohnungen, an Kirchengebäuden angrenzende Wohnungen und andere kaum genutzte Räume. Jeder Raum würde einer technischen und rechtlichen Prüfung mit baurechtlicher Beratung unterzogen. Ziel sei es nicht, irgendeinen Raum anzubieten, sondern würdige Bedingungen zu gewährleisten.
Parallel dazu ruft die Organisation evangelische Eigentümer dazu auf, Wohnungen zu angemessenen Preisen zu vermieten. Als Vorbild nennt sie **Vecindad Inclusiva** (Inklusive Nachbarschaft), ein Programm von **Diaconía España**, das sich bereits für den Zugang zu Wohnraum für Menschen in Ausgrenzungslage oder mit Ausgrenzungsrisiko einsetzt. Die Initiative hilft Eigentümern bei mietrechtlichen Fragen und begleitet sowohl die Wohnungen als auch die Teilnehmenden. Diaconía, eine soziale Einrichtung, die mit der **FEREDE** (Föderation der Evangelischen Religionsgemeinschaften Spaniens) verbunden ist, bietet in Spanien mehr als **700 Aufnahmeplätze** für Antragsteller oder Berechtigte internationalen Schutzes, Personen mit vorübergehendem Schutz und Staatenlose.
## Ein Appell an die Parteien für einen nationalen Pakt
Der Vorschlag geht über den Rahmen der Gemeinden hinaus. Anlässlich des Wahlkampfs zur Parlamentswahl am **29. November** ruft die AEE die Kandidierenden dazu auf, einen nationalen Wohnungs pact zu vereinbaren – „ganz gleich, wer regiert“. „Denen, die regieren, sagen wir: Rechnen Sie mit uns“, erklärt Tarquis. Die Organisation bietet ihr Netzwerk aus Kirchen und Ehrenamtlichen an, das in Stadtvierteln und Dörfern in ganz Spanien präsent ist. „Wir kennen die Menschen beim Namen und erreichen Orte, an denen die Verwaltung manchmal zu spät kommt. Wir wollen die Verwaltungen nicht ersetzen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten“, fügt er hinzu.
Zu ihren Forderungen gehören der dringende Ausbau des Bestands an bezahlbarem und sozialem Wohnraum, eine transparente Verwaltung öffentlicher Mittel und eine bessere Koordination zwischen Gerichten, Sozialdiensten und Verwaltungen, damit schutzbedürftige Familien nicht ohne Begleitung und würdige Alternative einer Zwangsräumung gegenüberstehen. Andererseits lehnt die AEE es ab, mit einer bestimmten politischen Option gleichgesetzt zu werden. Das Treffen im Februar soll dazu dienen, die Koordination von Kirchen, Fachleuten und Eigentümern voranzutreiben und diese Zusammenarbeit in konkrete Hilfen umzuwandeln. Jede Familie, die in Zahlungsrückstände gerät, sollte rechtliche Beratung einholen und sich an die Sozialdienste ihrer Gemeinde wenden, bevor das Problem chronisch wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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