Spaniens Vorgehen gegen prorussische Propaganda testet Meinungsfreiheit

Nach dem Fall Gonzalo Lira entfacht Sarah Ashton-Cirillos Warnung vor prorussischen Propagandisten erneut die Debatte um die Meinungsfreiheit in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Vorgehen gegen prorussische Propaganda testet Meinungsfreiheit
"Wir kommen für alle": Der Tweet, der Grenzen der Meinung austestet

Eine kurze Nachricht mit ukrainischer Flagge und dem Satz "We are coming for everyone one of you" reichte aus, um die Kontroverse zu entzünden. Die Autorin des Tweets, Sarah Ashton-Cirillo, bezog sich auf Gonzalo Lira und im weiteren Sinne auf alle prorussischen Propagandisten. Aus der Anekdote wurde eine unbequeme Frage: Kann eine Demokratie jemanden wegen seiner Meinung über einen Krieg "jagen"?

Der Text, der diesen Tweet wiedergab, fügte zwei weitere Elemente hinzu. Erstens, dass gegen Rubén Gisbert ermittelt werde. Zweitens eine Warnung an alle, die das sogenannte "ukrainische Genozid" in sozialen Medien leugnen: Es gibt Gesetze, und man kann verurteilt werden. Mit diesen Bausteinen entwickelte sich die Angelegenheit zu einem Streit über die Grenzen der Meinungsfreiheit.

Der Fall Lira und die Warnung "Wir kommen für alle"

Der Ausgangspunkt ist die Verhaftung von Gonzalo Lira, die die Nachricht als ersten Schlag einer angeblichen weltweiten Jagd darstellt. Daher der Sprung zur allgemeinen Drohung: "Die Justiz hat Gonzalo Lira gefasst, genau wie sie es mit allen Kriminellen tun wird, prorussischen Propagandisten überall auf der Welt."

Man sollte diesen Satz für das nehmen, was er ist: eine Absichtserklärung, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurde, kein rechtskräftiges Urteil. Aber er wirkte als Zündfunke. Mehrere Nachrichten erinnerten daran, dass zudem Ermittlungen gegen Rubén Gisbert eingeleitet wurden, was für manche bestätigt, dass die Warnungen bereits umgesetzt werden, und für andere nur Rauschen ist.

Ist die Leugnung eines Genozids in Spanien strafbar?

Hier liegt der juristische Kern der Sache. Manche argumentieren unter Berufung auf das Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional), dass die Leugnung eines Genozids in Spanien keine Straftat sei und solche Aussagen durch die Meinungsfreiheit gedeckt seien. Es wird sogar schlicht verteidigt, dass man jeden Genozid leugnen könne, einschließlich des Holocausts, "und es sei legal, das zu sagen".

Demgegenüber entgegnet die Gegenseite, dass Meinungsfreiheit kein Freibrief sei und dass es Straftatbestände gebe, die auf bestimmte Verhaltensweisen anwendbar sind, nicht auf bloße Kritik. Der Konflikt löst sich weder in die eine noch in die andere Richtung: Es ist ein Tauziehen zwischen denen, die hier ein Gesinnungsverbrechen sehen, und denen, die darin einfache Propaganda erkennen.

Meinungsfreiheit, die Linie, die alles trennt

Das am häufigsten wiederholte Argument gegen die Warnung ist einfach. "Ohne Meinungsfreiheit gibt es keine Demokratie", heißt es, und was ein freies Land von einer Tyrannei unterscheidet, ist nicht das Recht zu wählen, sondern das Recht, ohne Angst seine Meinung zu äußern. Unter dieser Prämisse kommt die Verfolgung Andersdenkender dem Kopieren der Methoden des Gegners gleich.

Die Warnung, so heißt es, erzeugt genau den gegenteiligen Effekt: Anstatt prorussische Stimmen zum Schweigen zu bringen, treibt sie mehr Menschen in diese Gräben. Es ist der klassische Streisand-Effekt, angewandt auf die Geopolitik. Im Gegensatz dazu behaupten andere, dass die Verfolgung von Propaganda, die eine Invasion schönredet, keine Zensur sei, sondern Gesetzesvollzug, und dass totale Straflosigkeit ebenfalls das Zusammenleben erodiert.

"Prorussischer Propagandist": Eine undefinierte Sammelkategorie

Und hier taucht das praktische Problem auf: Wer ist genau ein prorussischer Propagandist? Diese Frage schwebt die ganze Zeit ohne abschließende Antwort. Manche ironisieren und fragen, ob es schon reicht, wenn man sagt, man möge Dostojewski. Diese Strömung beschwert sich, dass die Bezeichnung so elastisch sei, dass alles darunter falle, von einer differenzierten Meinung bis zu einer einfachen Unstimmigkeit.

Diese Unschärfe ist der Schwachpunkt der Warnung. Ein Etikett ohne klare Konturen, so wird angemerkt, sei fruchtbarer Boden für Missbrauch. Und das Gefühl bleibt bestehen, dass die Warnung sich an die schwachen Glieder richtete, an jene, die von zu Hause aus schreiben, und nicht an die großen Propagandaapparate irgendeiner Seite.

Zwei Erzählungen, die sich nicht berühren

Der Dissens geht über die Anekdote hinaus. Ein Teil beschreibt die Ukraine als einen Staat, der die Meinungsfreiheit nicht respektiert und damit droht, abweichende Meinungen zu kriminalisieren. Ein anderer wirft der NATO und ihren Verbündeten vor, als Block zu handeln, der einen einzigen Gedanken aufzwingen und Nichtkonforme niederdrücken wolle.

Dies sind zwei inkompatible mentale Rahmenwerke. In dem einen ist, wer den Krieg leugnet oder relativiert, ein Propagandist im Dienste Moskaus. In dem anderen ist, wer diese Jagd anprangert, ein Verteidiger der Freiheit gegen eine Zensurmaschine. Niemand weicht einen Millimeter.

Was, wenn das Problem nicht ist, wer recht hat, sondern dass niemand bisher definiert hat, was genau ein "prorussischer Propagandist" ist?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (133 Antworten).

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