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Russland entwirft Chips, lässt sie aber in Taiwan fertigen
Russische Prozessoren wie Elbrus und Baikal werden im Inland entwickelt, jedoch von TSMC in Taiwan bei 28 nm gefertigt, was die Grenzen der technologischen Autarkie aufzeigt.
Elbrus und Baikal: Das Kleingedruckte der russischen Chips
Dass ein russischer Elbrus-Prozessor Grand Theft Auto V ausführt, ist keine Science-Fiction: Enthusiasten haben dies erreicht, indem sie Anweisungen im Flug übersetzten, als würde das Spiel eine Sprache sprechen, die der Chip nicht versteht. Diese Anekdote dient als Einstieg in die ernste Frage. Besteht in der russischen Verwaltung tatsächlich Panik darüber, dass man sich nicht auf Intel und AMD verlassen kann? Die kurze Antwort lautet: Russland entwirft Prozessoren, aber viele davon werden anderswo hergestellt.
Der russische Laptop mit einem in Taiwan hergestellten Chip
Das am häufigsten zitierte Beispiel ist der BITBLAZE Titan BM15, vorgestellt von der Firma Promobit und datiert auf den 25. März 2022. Er wird als erster russischer Laptop mit nationaler Fertigung vermarktet: Magnesium-Aluminium-Gehäuse, 15,6-Zoll-IPS-Full-HD-Bildschirm und ein im Land entwickelter Prozessor der Serie Baikal-M. Der unbequeme Detail zeigt sich beim Blick in die technischen Daten: Dieser Chip stammt aus den taiwanesischen Werken von TSMC, gefertigt im 28-Nanometer-Verfahren.
Dies ist kein geringfügiges Detail. Ein 28-nm-Knoten liegt mehrere Generationen hinter dem Stand der Technik, wo ein Großteil des Wettbewerbs entschieden wird. Auch die ARM-Architektur des Baikal-M ist keine originäre russische Technologie. Ein System-on-Chip zu entwerfen ist das eine; eine eigene Lithografie an der Grenze des Wissens zu besitzen, ist etwas völlig anderes.
Wie viele Halbleiter-Foundries hat Russland?
Beobachter behaupten, das Land verfüge über mindestens drei Foundries auf seinem Territorium, eine Zahl, die ohne unabhängige Bestätigung kursiert. Selbst wenn man dies akzeptiert, liegt der Schlüssel nicht darin, wie viele Fabriken existieren, sondern in welchen Knotengrößen sie arbeiten. Die Herstellung modernster Chips hängt von einer Handvoll globaler Akteure ab – TSMC, Samsung, Intel – und keine Labor-Autarkie kann diese Kette innerhalb weniger Jahre ersetzen.
Daher die Schärfe der Debatte. Die Autarkie hat Befürworter und Gegner. Erstere argumentieren, dass Isolation die russische Industrie beschleunigen werde; Letztere entgegnen, dass Abschottung ein Land zu einer verarmten Wirtschaft mache, die nach unten konkurriert. Was unbestreitbar ist: Moskau ging in diese Krise hinein mit dem Entwurf von Chips, die es zur Fertigung ins Ausland schickt.
Palladium: Russlands Trumpfkarte gegen Intel und AMD
Russland kauft nicht nur Technologie. Es kontrolliert auch Rohstoffe, die die westliche Industrie benötigt. Es gibt die Behauptung, dass ein Lieferstopp für russisches Palladium die Produktion bei Intel und AMD erschweren würde, da beide Unternehmen dieses Metall in verschiedenen Prozessen verwenden. Dies ist keine abwegige Hypothese: Das Land gehört zu den weltweit größten Produzenten, und diese Asymmetrie wirkt in beide Richtungen.
Ob verkauft wird oder nicht, ist eine geopolitische Entscheidung, keine technische. Sie bringt die westliche Industrie in eine unangenehme Lage: Man kann den Lieferanten des Metalls, mit dem die eigenen Chips hergestellt werden, nicht vollständig strangulieren.
Windows 7, Virtualisierung und die Angst vor Backdoors
Auf der Software-Ebene taucht ein weiteres wiederkehrendes Argument auf. Windows 7 haftet das Stigma an, mehr Sicherheitslücken zu haben als Schweizer Käse, und manche bestehen darauf, dass Backdoors nicht im Betriebssystem sitzen, sondern direkt im Prozessor. Als Beispiel wird stets die Intel Management Engine genannt: ein Subsystem, das unterhalb des Systems operiert und über das Nutzer keine Kontrolle haben.
Die übliche Verteidigung lautet, dass dies weniger relevant sei, wenn die Umgebung virtualisiert läuft: Die virtuelle Maschine isoliert das System von der Hardware und erschwert die Ausnutzung von Firmware-Backdoors. Es ist ein konzeptioneller Patch, keine Lösung. Hardware bleibt Hardware.
Krieg als Beweis: Türkische Drohnen und eine Karten-API
Die ukrainische Front hat die theoretische Diskussion in etwas Greifbares verwandelt. Es wird darauf hingewiesen, dass türkisch gefertigte Drohnen Kolonnen russischer Panzer zerstören und die Verfolgung von Konvois auf kommerziellen Tools basiert, die jedem zugänglich sind. Ein Teil der Analyse kommt zu dem Schluss, dass die technologische Abhängigkeit Russlands real ist, außer in sehr spezifischen Nischen. Moskau glänzt bei Kampfjets, U-Booten und Raketensystemen, ist aber bei Consumer-Chips von Asien abhängig.
Man sollte zwei Dinge trennen. Nicht das neueste High-End-Smartphone herzustellen ist das eine; nicht in der Lage zu sein, ein Unternehmensverwaltungssystem, eine Datenbank oder industrielle Steuerung aufrechtzuerhalten, ist etwas ganz anderes. Die meisten dieser Lasten laufen auf Prozessoren früherer Generationen, wo der Spielraum für Substitution größer ist, als alarmierende Schlagzeilen suggerieren. Nicht umsonst zeichnen sich russische Teams bei Programmierwettbewerben wie der ICPC aus: Software-Talent existiert, aber Foundry-Kapazität ist eine andere Geschichte.
Die Frage bleibt offen. Kann ein Land seine Banken, Verwaltung und Industrie ohne Intel- und AMD-Chips aufrechterhalten? Das Material deutet auf ein qualifiziertes Nein hin: Es kann, solange es akzeptiert, zwei Generationen zurückzuliegen und die Mehrkosten zu zahlen. Es bleibt abzuwarten, wie lange diese Rechnung durchhält, bevor Einsparungen in Rückstand umschlagen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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