PSOE und die Drohung, eine Wahl anzufechten, die noch gar nicht stattgefunden hat
Kann man eine Wahl anfechten, bevor sie stattgefunden hat? Das ist die Frage, die über dem 29N-Wahlkampf schwebt, nachdem sich die Vorstellung verbreitet hat, Spaniens PSOE sei bereit, das Ergebnis im Falle einer Niederlage anzufechten. Die Debatte begann mit einer Meldung von Libertad Digital und hat sich zu einem gegenseitigen Schlagabtausch über das Wählerverzeichnis, die Einbürgerungen und die Legitimität des Verfahrens entwickelt. Der zeitliche Rahmen ist ein Wahlkampf, in dem der Oberste Gerichtshof vollständig mit der Überprüfung von Einbürgerungen beschäftigt ist.
Der Schlüssel liegt im Wählerverzeichnis, nicht in der Wahlurne. Der Oberste Gerichtshof beziffert die Einbürgerungen nach dem Enkelgesetz auf 163.020, so die Zahlen, die in der Debatte genannt werden. Demgegenüber behaupten manche, die tatsächliche Zahl sei mehr als viermal höher und die meisten dieser Verfahren seien betrügerisch. PSOE seinerseits hat keine Anfechtung offiziell angekündigt. Was es gibt, ist ein Klima: Die Rechte spricht von Wahlbetrug, die Linke von Faschismus. Und dazwischen ein Wahlsystem, das niemand so recht verteidigt.
Was bedeutet die Anfechtung einer Wahl, und wann ist sie möglich?
Die Anfechtung einer Wahl ist kein Knopf, den man bei einer Niederlage drückt. Es ist ein geregeltes Verfahren, das bei der Wahlkommission einzulegen ist, mit konkreten Fristen und festgelegten Gründen: Unregelmäßigkeiten im Wählerverzeichnis, bei der Besetzung der Wahlvorstände oder bei der Auszählung. Eine Anfechtung nachträglich, nur weil das Ergebnis nicht gefällt, hat rechtlich keinen Bestand. Was jedoch passieren kann, ist, dass die einstweiligen Maßnahmen des Obersten Gerichtshofs zu den Einbürgerungen am Ende das Wählerverzeichnis und damit auch das Ergebnis beeinflussen. Dort wird die Debatte spannend: Nicht die Stimme wird angefochten, sondern wer wahlberechtigt war.
In der Diskussion wird darauf hingewiesen, dass PSOE nichts anfechten wird, weil es nicht beweisen kann, dass die nach dem Enkelgesetz Eingebürgerten legitim sind. Der Wahlkampf würde für die Partei sehr lang, mit nachgewiesenem Wahlbetrug und ohne Erklärungen. Das ist eine Hypothese, kein Fakt. Aber die Hypothese trägt, weil der Oberste Gerichtshof bereits gehandelt hat.
Das Wählerverzeichnis, das nicht aufgeht: 163.020 Einbürgerungen gegen die vermuteten
Die Zahl des Obersten Gerichtshofs ist die einzige überprüfbare: 163.020 Einbürgerungen. Von dort aus verzweigt sich die Debatte. Manche halten diese Zahl für einen Tropfen auf den heißen Stein, deren wahlerische Wirkung marginal sei, weil die Auslandsstimmen selten mehr als 10 % des Wählerverzeichnisses ausmachen. Andere argumentieren, das Problem sei nicht, wie viele wählen, sondern wie viele zur Wahl aufgerufen sind, ohne die Voraussetzungen zu erfüllen. Der Unterschied zwischen beidem ist der Unterschied zwischen einem Verwaltungsfehler und Wahlbetrug.
Die vollständige Berechnung, mit einer Schätzung, wie viele dieser Verfahren unregelmäßig sein könnten, ist der Punkt, der die meiste Diskussion auslöst. Eine abschließende Zahl gibt es nicht. Was es gibt, ist eine laufende Untersuchung und ein Wahlkampf, der mit ihr leben muss.
Vom Enkelgesetz zum Bürgerkrieg: Wie die Tonlage eskalierte
In weniger als vierundzwanzig Stunden ging die Konversation von der Anfechtung zum institutionellen Kollaps über. Manche behaupten, wenn PP und Vox in Koalition regieren, würden PSOE und seine Klientelnetzwerke das Land mit Streiks lahmlegen und den Tourismus zerstören. Andere gehen noch weiter und sprechen von Bürgerkrieg. Das sind Meinungen, keine Analysen. Aber sie prägen das Klima.
Ursprung der Eskalation sind Äußerungen von Óscar Puente, in denen er dazu aufrief zu wählen, um den Faschismus aufzuhalten. Danach füllte sich die Diskussion mit historischen Bezügen: Largo Caballero, Argentinien bei der WM, Märtyrer der Freiheit. Die spanische Politik hat eine natürliche Neigung zum Dramatischen. Und der 29N wird keine Ausnahme sein.
Der Präzedenzfall von A Coruña und die Angst vor der Straße
Die Diskussion erwähnt Spannungsmomente bei Wahlkundgebungen, mit gegenseitigen Vorwürfen von Übergriffen. Eine unabhängige Bestätigung der Vorfälle gibt es nicht. Was es gibt, ist ein Muster, das sich bei jedem Wahlkampf wiederholt: Die Linke ruft zur Mobilisierung gegen den Faschismus auf, die Rechte zur Mobilisierung gegen den Wahlbetrug. Und dazwischen eine Wählerschaft, die nichts mehr glaubt.
Das Szenario, das in der Diskussion am häufigsten auftaucht, ist nicht die Anfechtung selbst, sondern die Anfechtung als Vorwand. Verliert PSOE, wird es Betrug behaupten. Gewinnt es, wird der PP Betrug behaupten. Und so weiter, bis jemand beschließt, dass die Regeln nicht mehr gelten. Die spanische Demokratie ist gut vierzig Jahre alt. Nicht schlecht für ein Land, das das gesamte 20. Jahrhundert damit verbracht hat, darüber zu streiten, ob sie sich lohnt.
Am Ende lautet die Frage nicht, ob PSOE anfechten wird. Die Frage ist, ob jemand noch glaubt, dass Wahlen an der Urne gewonnen werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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