Startup Marathon Fusion will aus Quecksilber Gold gemacht haben – Goldmarkt in Aufruhr

Marathon Fusion behauptet, Quecksilber in stabiles Gold umgewandelt und den CERN-Rekord übertroffen zu haben – Zahlen oder Energiekosten nennt das Unternehmen jedoch nicht. Der Goldmarkt bleibt…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Startup Marathon Fusion will aus Quecksilber Gold gemacht haben – Goldmarkt in Aufruhr
Marathon Fusion will aus Quecksilber stabiles Gold hergestellt haben

Kann ein Kernfusions-Startup den Goldpreis ins Wanken bringen? Das fragt sich im Grunde jeder, der die Ankündigung von Marathon Fusion liest, einem 2023 in San Francisco gegründeten Unternehmen, das angeblich Quecksilber in stabiles Gold umgewandelt hat. Das Unternehmen behauptet, den CERN-Rekord – zwischen 2015 und 2018 entstanden dort rund 29 Pikogramm Gold – um das Zehnfache übertroffen zu haben. Das unbequeme Detail: Es hat keine konkreten Zahlen veröffentlicht, weder zur gewonnenen Goldmenge noch zu den Kosten. Ohne diese beiden Daten ist die Meldung vorläufig nichts als eine Pressemitteilung.

Was hinter der Ankündigung von Marathon Fusion steckt

Marathon Fusion wurde nicht gegründet, um Gold herzustellen. Das erklärte Ziel ist die Entwicklung von Brennstoffsystemen für künftige Fusionskraftwerke, jene Technologie, die den Prozess der Sonne auf der Erde nachbilden will. Zu den Investoren gehören Breakthrough Energy, das Netzwerk von Bill Gates, und Anglo American, der Bergbaukonzern hinter De Beers. Das beschriebene Verfahren besteht darin, Quecksilber mit Neutronen aus Fusionsreaktionen zu bombardieren; das Metall verwandelt sich in ein instabiles Isotop, das beim Zerfall Gold ergibt. Laut dem Unternehmen „echtes und stabiles" Gold.

Der Vergleich mit dem CERN ist die einzige harte Zahl, die es gibt. Der Large Hadron Collider erzeugte in drei Betriebsjahren 29 Pikogramm Gold. Ein Pikogramm ist ein Billionstel Gramm: 0,000000000000001 Gramm. Das Zehnfache davon bleibt eine für das menschliche Auge unsichtbare Menge. Für einen Ehering bräuchte man viele Größenordnungen mehr.

Der Energieaufwand, den niemand aufgeschlüsselt hat

Hier bekommt die Geschichte Risse. Gold mit Fusionsneutronen zu erzeugen erfordert ein laufendes Kraftwerk – und kein einziges ist ans Netz angeschlossen. Die Rechnung, die kursiert: Der Energieaufwand für winzige Goldmengen würde das Verfahren ruinös machen. Das Unternehmen hat die wirtschaftlichen Kosten nicht beziffert. Eine unabhängige Überprüfung hat es ebenfalls nicht zugelassen. Zwei Auslassungen, die in jeder anderen Branche reichen würden, um die Pressemitteilung ad acta zu legen.

Über solchen Ankündigungen schwebt das Beispiel Theranos: Startups mit illustren Investoren, revolutionärer Technologie und null externer Kontrolle. Der Unterschied: Hier gibt es keine Patienten, nur Märkte. Und der Goldmarkt, der seit Jahrhunderten als sicherer Hafen funktioniert, betrachtet jede Innovation mit Misstrauen, die ihn zu überfluten verspricht.

Kann synthetisches Gold den Goldpreis drücken?

Kurzfristig nicht. Synthetische Diamanten brauchten Jahrzehnte, um den Edelsteinmarkt zu bewegen – und das gelang nur, weil ihre Produktion so billig wurde, dass sie konkurrenzfähig war. Bei Gold liegt die Hürde höher: Der Energieaufwand der Kernfusion bleibt das große Hindernis. Solange kein Fusionskraftwerk am Netz hängt – und nach den eigenen Zeitplänen der Branche ist das nicht absehbar –, ist das Gold von Marathon Fusion ein Laborphänomen.

Bewegen kann den Markt dagegen die Erzählung. Wenn Investoren beginnen, an die Machbarkeit von synthetischem Gold zu glauben, verliert der sichere Hafen einen Teil seiner Aura. Das Unternehmen hat es der Sache nicht leichter gemacht: Es behauptet, den CERN-Rekord übertroffen zu haben, ohne eine einzige überprüfbare Zahl zu nennen. Manche sehen darin die Strategie von Leuten, die ahnungslose Anleger suchen wollen, andere die eines Teams, das noch im Laborstadium steckt und Geld braucht.

Die Alchemie des 21. Jahrhunderts

Quecksilber in Gold zu verwandeln ist nichts Neues. Alchemisten versuchten es jahrhundertelang vergeblich, und das CERN schaffte es mit Atomen, die Bruchteile einer Sekunde existierten. Neu wäre, es stabil und im großen Maßstab zu tun. Marathon Fusion sagt, genau das gelungen zu sein. Solange das nicht bewiesen ist, bleibt Gold ein sicherer Hafen – und Quecksilber ein Industriemetall mit schlechtem Ruf.

Das Unternehmen hat keinen Termin genannt, bis wann überprüfbare Ergebnisse vorgelegt werden. Geschieht das nicht, reiht sich sein Name in die Liste technologischer Versprechen ein, die nie etwas wurden. Gelingt es, hat der Goldmarkt ein neues Problem. Im Moment ist das einzige Gewisse, dass niemand das Gold gesehen hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (19 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver