Fünf Jahre voller Unglücke: Die Liste, die manche nicht mehr für Zufall halten
Ein Zug entgleist. Ein Gebäude stürzt ein. Ein Stromausfall lässt das Land im Dunkeln stehen. Und irgendwo im Internet fängt jemand an zu zählen. Die Summe, so heißt es, gehe nicht auf. Von der Pandemie bis zur jüngsten Bahnkatastrophe hat sich in Spanien eine Kette von Ereignissen gereiht —Filomena, La Palma, die DANA-Flut, Waldbrände, Hitzewellen, Unfälle—, die für einen Teil der Bevölkerung nicht mehr in das Bild des Pechs passen. Der jüngste Zugunfall hat einen Verdacht wiederbelebt, der schon lange kursierte: Was, wenn es kein Zufall ist?
Die Diskussion ist nicht neu. In Wirtschaftsforen und sozialen Medien wird seit Längerem vor dem gewarnt, was manche „in Ex-paña den Zug nehmen" nennen (ein spöttisches Wortspiel mit dem Namen Spaniens). Die Warnung, halb im Scherz, halb im Ernst, ist unter denen, die der offiziellen Erzählung misstrauen, zu einer stehenden Redewendung geworden. „Hier wurdet ihr gewarnt, nicht den Zug zu nehmen", fasst die Nachricht zusammen, die den jüngsten Thread eröffnete. Der Grundgedanke: Die Instandhaltung kritischer Infrastruktur ist verfallen, und technische Warnungen werden aus politischen Gründen ignoriert.
Die Liste der Schande
Das kursierende Verzeichnis ist lang: Filomena, der Ausbruch auf La Palma, die DANA-Flut, Hitzewellen mit Hunderten Toten, die schlimmsten Waldbrände seit einem Jahrhundert, die Pandemie, das Gebäude in Campanar, Adamuz, Urda, der Stromausfall, das Erdbeben von Granada. Alles in fünf Jahren. „Das könnte man nicht erfinden", höhnt ein Teilnehmer. Die Häufung, so die These, sei statistisch verdächtig. Und obwohl manche versuchen, Naturkatastrophen von Managementversagen zu trennen, verschwimmt die Grenze.
Manche gehen weiter und sprechen von einem „kriminellen Staat". Der Ausdruck, im Zorn über den jüngsten Unfall geäußert, fasst das Klima des Misstrauens zusammen. Es ist nicht nur so, dass Dinge schiefgehen; es wird, dieser Strömung zufolge, absichtlich zugelassen, dass sie schiefgehen. Die Instandhaltung des Bahnnetzes, die Signaltechnik, die alten Strecken und die neuen, ohne Konzept zusammengeschweißt: Alles deute, so heißt es, auf bewusste Nachlässigkeit oder auf eine Inkompetenz hin, die von Vorsatz nicht mehr zu unterscheiden ist.
Die Instandhaltung als Sündenbock
Die technische These hat ihre Logik. „Die Dinge sind nicht ewig", erinnert eine Nachricht. Ein Jahr ohne Instandhaltung fällt nicht auf; zwei auch nicht; aber zehn Jahre ohne alles, und die Dinge brechen zusammen. Das spanische Bahnnetz, mit Hochgeschwindigkeitsstrecken nach internationalen Standards, hat Unfälle erlebt, die auf dem Papier fast unmöglich waren. Der Vergleich mit Japan, wo der Hochgeschwindigkeitsverkehr wie ein Uhrwerk läuft, ist ein Klassiker des Forums geworden. „Hochgeschwindigkeit in Japan und… Spaniens AVE… Ich fühle mich so sicherrr", höhnt ein Teilnehmer.
Die Frage, die im Raum steht: Wer trägt die Verantwortung? Der Politiker, der kürzt? Der Techniker, der unterschreibt? Der Beamte, der wegschaut? Die Verantwortungskette verwässert in einem System, in dem Posten politisch vergeben werden und Beförderungen nach Nähe erfolgen. „Ein unfähiger Minister lässt sich umgehen, wenn er von kompetenten Beamten umgeben ist", argumentiert jemand. „Aber wenn sogar die Abteilungsleiter von denen eingesetzt werden…".
Der Schatten der Verschwörung
Nicht alle kaufen die Verschwörungserzählung. Manche weisen darauf hin, dass es Schummelei ist, Naturkatastrophen mit politischen Entscheidungen zu vermischen. „Um eine Liste zusammenzustellen, die auch nur entfernt der Inkompetenz dieser Regierung ähnelt, musstest du eine Liste nehmen, die praktisch 25 Jahre umfasst", wirft ein Teilnehmer einem anderen vor. Die Diskussion driftet in das klassische Whataboutism ab: erst der 11-M, dann die Bilanz der PP, dann Ayuso und die Waldbrände in Madrid. Die Politik durchdringt alles.
Aber selbst unter den Skeptikern bleibt ein Rest von Unruhe. Das zeitliche Zusammenfallen so vieler Schläge —natürlicher und weniger natürlicher— ist laut einigen Nachrichten bei einem Teil der sozialistischen Wählerschaft angekommen. „Irgendwann muss sich selbst ein Sozialist fragen, ob das noch normal ist", schreibt jemand. Der Satz fasst die Stimmung zusammen: Man muss keine Verschwörungen glauben, um zu denken, dass etwas falsch gemacht wurde.
Der Stromausfall, der noch kommt
Das Gespräch driftet in die Zukunft. Der Stromausfall, nur am Rande erwähnt, wird zur nächsten Angst. „Es steht noch ein mehrtägiger Stromausfall bevor", prophezeit eine Nachricht. Das Stromnetz, mit Atomkraftwerken, die nicht einmal für Wartung abgeschaltet werden können, ist das nächste Glied in einer Kette, die kein Ende zu nehmen scheint. Das Gefühl: Das Land lebt im Countdown, und die nächste Katastrophe ist keine Frage des Ob, sondern des Wann.
Ironie mischt sich mit Resignation. „Der Sozialismus tötet", urteilt eine Nachricht. „Egal, wann du das liest." Der Satz, wie ein Mantra wiederholt, verdichtet eine Weltsicht, in der Ideologie mehr wiegt als Verwaltungskompetenz. Aber unter der Parole liegt eine berechtigte Frage: Wie viel von dem, was passiert ist, hätte verhindert werden können?
Die Zahl, die verstört
Unterdessen bleiben die Daten, wo sie sind. Spaniens Hochgeschwindigkeitsnetz liegt nach Fahrgastzahlen weltweit auf Platz vier, doch seine relative Sicherheit ist nach den jüngsten Unfällen infrage gestellt. Es gibt keine offiziellen Zahlen, die die Verschwörungstheorie stützen, aber auch keine Erklärung, die alle überzeugt. Das Gefühl, dass etwas nicht aufgeht, nährt sich vom Fehlen von Antworten. Und in dieser Leere wird die Liste der Unglücke selbst zum Argument.
Am Ende lautet die Frage nicht, ob es Pech oder Sabotage ist. Die Frage ist, ob jemand bereit ist, die unbequemen Fragen zu stellen. Denn wie eine andere Nachricht sagt: „Bei Management gibt es kein Pech." Man ist entweder fähig oder unfähig. Und in diesem Fall zeigt sich eine Unfähigkeit, die sich nicht mehr mit einer Schlagzeile überdecken lässt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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