Spanien in viraler Liste tödlicher Zugunglücke seit 2020

Eine in sozialen Medien kursierende Liste stellt Spanien bei tödlichen Zugunglücken seit 2020 auf eine Stufe mit Pakistan oder Tansania. Der Minister sagt, das LZB-System sei 170-mal…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien in viraler Liste tödlicher Zugunglücke seit 2020
Spanien teilt eine in sozialen Medien kursierende Liste mit Pakistan und Tansania

Eine in sozialen Medien kursierende Liste stellt Spanien neben Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Chile, Kuba, Kenia, Nigeria, Tunesien, Tansania und Uganda als Länder, die seit 2020 sowohl einen über eine Stunde dauernden landesweiten Stromausfall als auch mehrere tödliche Zugunglücke erlebt haben. Was zunächst wie ein Tischgespräch-Scherz wirkte, ist zum Kern einer Debatte über den tatsächlichen Zustand des spanischen Schienennetzes und den politischen Umgang mit den Unglücken geworden.

Auslöser ist das Unglück, das mehr als hundert Familien hinterlassen hat, die Verantwortliche suchen, und einen Verkehrsminister, Óscar Puente, der öffentlich erklärt, nicht zurücktreten zu wollen. Die meistzitierte Zahl: Das LZB-System, die Sicherheitsvorrichtung, die die Geschwindigkeit der Züge überwacht, ist in diesem Jahr laut dem Minister selbst bereits 170-mal ausgefallen – was er als europäische Normalität einordnet.

Was die Liste sagt und was sie wirklich misst

Die Kriterien der Liste vermischen zwei verschiedene Phänomene: langanhaltende landesweite Stromausfälle und Bahnunfälle mit Todesopfern. Engt man den Filter auf Entgleisungen oder Kollisionen zwischen Zügen ein, bleiben laut der strengsten kursierenden Version nur Pakistan, Tansania und Spanien übrig. Das Land steht also neben zwei Volkswirtschaften mit deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen und noch im Aufbau befindlichen Schienennetzen.

Der Vergleich hat einen Haken. Spanien verfügt über eines der ausgedehntesten Hochgeschwindigkeitsnetze der Welt, was die Anfälligkeit für Vorfälle vervielfacht und jedem Fehler statistisch mehr Spielraum gibt. Zugleich trägt das konventionelle Netz seit Jahrzehnten unter ungleichen Investitionen. Zur Debatte steht nicht, ob es Unfälle gibt – die gibt es in jedem System –, sondern ob Häufigkeit und Schwere mit der verkauften Erzählung von Exzellenz vereinbar sind.

72 % der tödlichen Unfälle im Hochgeschwindigkeitsverkehr

Eine der am weitesten verbreiteten Zahlen schreibt Spanien 72 % der weltweiten tödlichen Unfälle im Hochgeschwindigkeitsverkehr zu – eine Angabe, die auf den Tisch gelegt wurde, ohne dass eine offizielle Quelle sie unumstößlich belegt. Wörtlich genommen ist das ein vernichtender Befund. Im Kontext betrachtet ist das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz relativ jung und bündelt viel Verkehr, was den Vergleich mit jahrhundertealten Netzen verzerrt.

Der Minister hat verteidigt, dass die Ausgaben für die Bahnsicherheit seit 2011 verdoppelt wurden. Das Problem, so kritische Stimmen, sei nicht die Höhe der Ausgaben, sondern dass die Maßnahmen im Alltag nicht sichtbar würden: verspätete Züge, technische Störungen und ein Gefühl des Verfalls, das mit der Propaganda kollidiert.

Das politische Management: Rücktritt, Schuldzuweisungen und die Familien

Puente hat öffentlich erklärt, dass er nicht zurücktritt, dass er eine Tortur von Beleidigungen erleidet und dass die Instandhaltung in Ordnung ist. Er hat auch den Triebfahrzeugführer verantwortlich gemacht und die Sicherheitsmängel in dem Gebiet als normal bezeichnet. Manche sehen darin die Haltung eines Funktionärs, der sich geschützt weiß; gegen einen Rücktritt spricht das Argument, dass ein Rücktritt niemanden zurückbringt und dass politische Verantwortung nicht immer strafrechtliche Verantwortung bedeutet.

Der Schlagabtausch mit dem Ministerpräsidenten der Junta de Andalucía (Regionalregierung von Andalusien), Juanma Moreno, der sagte, er würde nicht mit dem Zug fahren, gießt zusätzlich Öl ins Feuer. Puente antwortete, er vertraue dem System durchaus, und was geschehen sei, sei äußerst außergewöhnlich. Das Außergewöhnliche wiederholt sich jedoch.



Beunruhigend ist nicht die Liste. Beunruhigend ist, dass ein Verkehrsminister öffentlich über europäische Normalität spricht, während mehr als hundert Familien auf Gerechtigkeit warten und das Sicherheitssystem in einem Jahr 170-mal ausfällt. Wenn das normal ist, hat das Wort seine Bedeutung verloren.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (64 Antworten).

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