Spaniens Landwirtschaft braucht Migranten, die VOX abschieben will

Ohne ausländische Erntehelfer droht Murcias Agrarsektor der Ruin, doch Wähler fordern Abschiebungen. Debatte über Löhne, Kosten und wirtschaftliche Abhängigkeit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Landwirtschaft braucht Migranten, die VOX abschieben will
Wir wollen Fremde vertreiben, aber ihre Arbeit nicht selbst machen

Der Widerspruch ist klassisch: Ein Teil der Wählerschaft verlangt die Abschiebung von Migranten, während ganze Wirtschaftszweige Spaniens – Gewächshauslandwirtschaft, Gastronomie, Altenheime – nur dank dieser Arbeitskräfte funktionieren. Die in einem Wirtschaftsforum geführte Debatte stellt eine unbequeme Frage: Wer würde morgen die Ernte einbringen, wenn es in Murcia keinen einzigen ausländischen Arbeiter mehr gäbe?

Mursias Agrarsektor würde ohne Saisonarbeiter bankrottgehen, lautet das Ausgangsargument. Es wird behauptet, dass selbst bei höheren Löhnen keine Spanier bereit wären, bei 40 Grad in einem Gewächshaus für 1.500 Euro zu arbeiten. Steigen die Löhne, steigen die Produktkosten: Obst in Europa mit 30 % höheren Kosten zu verkaufen, sei unmöglich. Das Paradoxon besteht darin, dass viele Landwirte genau jene Parteien wählen, die die Abschiebung ihrer eigenen Mitarbeiter versprechen.

Warum gibt es keine Spanier auf dem Feld?

Die im Diskurs am häufigsten genannte Antwort ist der Lohn. Es wird argumentiert, dass sich junge Spanier sofort melden würden, wenn man 3.000 Euro monatlich für die Pflege in Heimen oder das Schleppen von Zementsäcken bieten würde. Das Gegenargument besagt, dass dies Dienstleistungen und Produkte so stark verteuern würde, dass Verbraucher sie nicht mehr bezahlen können: Bier für 6 Euro oder Tagesmenüs für 30 Euro, wie in anderen europäischen Ländern.

Manche gehen weiter und sehen das Problem nicht im Mangel an Arbeitskräften, sondern in der strukturellen Prekarität des spanischen Arbeitsmarktes. Es wird daran erinnert, dass vor Jahrzehnten Kellner, Tagelöhner und Reinigungskräfte noch Spanier waren. Was hat sich geändert? Nach dieser Auffassung war es die massive Zuwanderung von Arbeitnehmern, die Bedingungen akzeptierten, die Einheimische ablehnen, was die Löhne drückt und Inländer verdrängt.

Erfahrung Weinlese: Als höhere Tagessätze funktionierten

Ein konkretes Beispiel: Mitte der 90er Jahre mussten Winzer in Kastilien-La Mancha den Tagessatz von 5.000 auf 8.000 Pesetas erhöhen, weil Arbeitskräfte fehlten. Der Anstieg war so deutlich, dass viele Leute unbezahlten Urlaub nahmen, um zur Weinlese zu gehen. Dieses Experiment endete Ende des Jahrzehnts, als Migranten eintrafen, die weniger verlangten. Die Arbeitgeber freuten sich und stoppten die Lohnanpassungen.

Dieser Vorfall stützt die These, dass das Problem nicht der Mangel an arbeitswilligen Spaniern ist, sondern die Existenz eines Reservoirs an Arbeitskräften, die Bedingungen akzeptieren, die Einheimische als unwürdig empfinden. Die schwebende Frage ist, ob dieses Reservoir das Produktionsmodell trägt oder dessen Verbesserung verhindert.

Versteckte Kosten: Wohnraum, Dienstleistungen und sinkende Löhne

Eine andere Analyseebene betrachtet die makroökonomischen Effekte. Es wird behauptet, dass die massenhafte Zuwanderung den Druck auf Wohnraum und öffentliche Dienstleistungen erhöht, während das Pro-Kopf-Einkommen sinkt und die Löhne stagnieren. Für diese Gruppe führt das aktuelle Migrationsmodell zur Verarmung der Gesamtbevölkerung, auch wenn das nominale BIP stabil bleibt.

Demgegenüber wird daran erinnert, dass die Landwirtschaft in Almería nicht erst durch Migration entstand: Gewächshäuser gibt es seit den 60er Jahren, Bars noch länger. Damals arbeiteten dort Menschen. Der Unterschied heute ist, dass relativ gesehen weniger bezahlt wird als vor Jahrzehnten.



Die Diskussion ist nicht abgeschlossen. Wenn Spaniens Landwirtschaft Migranten braucht, um nicht zu kollabieren, und gleichzeitig ein Teil der Wählerschaft deren Abschiebung fordert, ist das Gleichgewicht instabil. Die Prognose, mit Vorbehalten: Entweder werden die Löhne so weit angehoben, dass diese Stellen attraktiv werden, was zu höheren Produktkosten führt, oder die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften bleibt bestehen. Einen dritten Weg, der funktioniert, gibt es nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (154 Antworten).

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