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Spaniens Bahnverkehr in seinem schlimmsten Moment nach zweitem schwerem Unfall
Sechsundvierzig Tote in Adamuz und ein zweiter Unfall auf derselben Strecke innerhalb von neun Monaten stellen das LZB-Sicherheitssystem und die Führung von Minister Óscar Puente in Frage.
Im August 2024 erklärte Minister Óscar Puente, der Bahnverkehr erlebe "den besten Moment seiner Geschichte", und ein Unfall wie der in Adamuz sei "extrem unwahrscheinlich". Neun Monate nach dieser Katastrophe hat ein zweiter Unfall auf derselben Strecke Madrid-Sevilla den Fokus wieder auf das LZB-Sicherheitssystem und die Führung des Ministeriums gerichtet.
Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Sevilla gab es innerhalb von neun Monaten zwei schwere Unfälle. Der erste, in **Adamuz**, forderte **sechsundvierzig Tote**. Der zweite, auf derselben Strecke, hat die Frage wieder aufgeworfen, die ein Journalist dem Verkehrsminister nach der ersten Katastrophe gestellt hatte: ob sich das wiederholen könne. **Óscar Puente** antwortete damals, in "über dreißig Jahren" habe es keinen Unfall mit solchen Folgen gegeben, die Wahrscheinlichkeit sei daher "sehr gering, extrem gering".
## Das LZB-Versagen und das Schweizer-Käse-Modell
Was offenbar defekt war, ist das **LZB**, das System, das den Zugverkehr überwacht und die Züge bei Kollisionsgefahr automatisch bremst. Fällt dieses System aus, wird der Verkehr über Signale, Balisen und die Leitstelle gesteuert, mit Einschränkungen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen. Quellen im Ministerium, zitiert von regierungsnahen Medien, verweisen auf menschliches Versagen als Ursache.
Die Vorbeugung von Bahnunfällen wird meist mit dem Schweizer-Käse-Modell von **James Reason** erklärt. Jede Sicherheitsebene ist eine Scheibe: Sie ist nicht unfehlbar und hat Löcher, aber ein Unfall geschieht nur, wenn sich die Löcher aller Scheiben ausrichten. Zwei sehr schwere Unglücke in kurzer Zeit, begleitet von unzähligen kleineren Vorfällen, lassen vermuten, dass die Scheiben riesige Löcher haben. Oder dass nur noch eine Scheibe übrig ist, wenn man die Erklärung des menschlichen Versagens einfach so akzeptiert. Ein Sicherheitssystem, das davon abhängt, dass sich niemand jemals irrt, ist per Definition ein schlechtes System.
## Die wechselnde Darstellung des Ministeriums nach Adamuz
Die Krisenbewältigung des Ministeriums nach der Adamuz-Katastrophe durchlief mehrere Versionen. Puente behauptete zunächst, die Strecke Madrid-Sevilla sei seit **2021** vollständig erneuert worden, bis eine Schiene aus dem Jahr **1989** auftauchte. Ein Medium verwies anschließend auf einen möglichen Schweißfehler als Ursache des Unfalls. Der Minister nannte das "eine kathedralengroße Falschmeldung" und bestätigte einen Tag später in einem Interview die Version des Mediums.
**Adif** entfernte nachts, ohne gerichtliche Anordnung, eine Schiene vom Unfallort. Statt einzulenken, zeigte sich Puente vor den Senatoren der Partido Popular zufrieden: Er wollte damit sagen, dass die Opposition sich daran störe, dass er einen so guten Job mache. Es gab sechsundvierzig Tote, und er blieb im Amt. Dass er Verbesserungen im Zugbetrieb eingeführt hätte, ist nicht überliefert – wohl aber, dass er in einer Fernsehsendung über Bahnzwischenfälle Scherze machte.
## Die Korruption im Umfeld des Ministeriums
Das Umfeld des Ministeriums hat eigene Akten vorzuweisen. Der ehemalige Verkehrsminister **José Luis Ábalos** sitzt im Gefängnis. Die frühere Adif-Präsidentin ist unter Untersuchung. **Koldo García** war Vorstand bei Renfe Mercancías. Der inhaftierte Minister platzierte Personen aus seinem persönlichen Umfeld bei **Ineco** und **Logirail**. Man darf fragen, ob es vernünftig ist zu erwarten, dass ein Ministerium unter diesen Umständen ordnungsgemäß funktioniert.
Die Parallele in der Analyse ist explizit: Der Chavismus ruinierte **Petróleos de Venezuela (PDVSA)**, weil Effizienz und Wirksamkeit nicht zu seinen Prioritäten gehörten und Korruption sowie die Politisierung der Manager die eigentliche Führung ersetzten. Ähnliches lässt sich über **Pedro Sánchez** und die Infrastruktur sagen. Die regionale Dezentralisierung diente ihm als Versteckspiel, um Verantwortung abzuwälzen – aber die Desaster im Hochgeschwindigkeitsverkehr lassen sich nicht den von der Partido Popular regierten Regionen zuschreiben.
## Rücktritt, Vertrauen und Wahlkampf
Puente hätte nach Adamuz entlassen werden müssen, wurde aber nicht. Nach dem zweiten Unfall hat er auch keine Absicht zurückzutreten. Sánchez erklärt, er wolle das Vertrauen der Bürger in den Hochgeschwindigkeitsverkehr wiederherstellen, während er den Verantwortlichen für die Bahnsicherheit im Amt lässt. Beides ist unvereinbar.
Derweil offenbarte **RTVE** mit mehr als sechzig Toten insgesamt seine Prioritäten, indem es den zweiten Unfall als einen Schlag "mitten im vorgezogenen Wahlkampf" beschrieb. Die Schlagzeile des Mediums, das die Analyse veröffentlicht, bringt es ungeschminkt auf den Punkt: Der Bahnverkehr in Spanien erlebt seinen schlimmsten Moment, weil die Regierung in den schlechtesten Händen liegt. Puente, der über die sarracena Überlegenheit der Linken twitterte, ist in beiden Fällen ein gutes Beispiel.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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