In der ABC argumentiert Ignacio Camacho, dass die Zugunglücke von Adamuz und Urda mit mehr als hundert Toten das beredteste Bild einer institutionellen Degeneration sind, die sich auf alle Ebenen ausgeweitet hat. Der Artikel stellt den AVE als Schaufenster der Moderne in den neunziger Jahren seiner heutigen Krise gegenüber, geprägt von Defekten, Verspätungen und zwei schweren Unglücken innerhalb von neun Monaten.
Der ABC-Kolumnist **Ignacio Camacho** veröffentlichte am 29. Oktober 2026 einen Artikel mit dem Titel „El símbolo trágico de una decadencia" (Das tragische Symbol eines Niedergangs), in dem er argumentiert, dass die Zugunglücke von **Adamuz** und **Urda** das beredteste Bild einer institutionellen Degeneration sind, die sich auf alle Ebenen ausgeweitet hat, mit Folgen, die er als buchstäblich tödlich bezeichnet. Der Text, verbreitet von dem genannten Medium, stellt den AVE als Schaufenster der Moderne in den neunziger Jahren seiner heutigen Krise gegenüber, geprägt von Defekten, Verspätungen und zwei schweren Unglücken innerhalb von neun Monaten mit mehr als hundert Toten.
## Der AVE, der einst Schaufenster war und heute ein Glücksspiel ist
Camacho erinnert zu Beginn seiner Kolumne an den Wahlkampf von 1982, als **Felipe González** das Konzept des „Wandels" als Verpflichtung definierte, „Spanien funktionsfähig zu machen". Der Kolumnist behauptet, dass ihm dies gelang: In seinen gut dreizehn Regierungsjahren erlebte das Land eine strukturelle Erneuerung, wie es sie seit den Zeiten **Karls III.** nicht gegeben hatte, finanziert mit den Kohäsionsmitteln, die mit dem Beitritt zum europäischen Binnenraum kamen. Diese Anstrengung wurde bei den Olympischen Spielen und der Expo weltweit präsentiert – Veranstaltungen, die es dem Autor zufolge erlaubten, der Welt das Bild eines modernen Staates zu zeigen.
Das Symbol jener Epoche war der AVE, ein Verkehrsmittel mit Spitzentechnologie, das zum Schaufenster einer Nation wurde, die bereit war, sich auf internationaler Bühne ohne Scham zu messen. Heute, schreibt Camacho, sei es die beredteste Darstellung eines flagranten kollektiven Verfalls. Nicht nur, weil seine Geschwindigkeits- und Sicherheitsstandards inmitten eines Chaos ständiger Defekte eingebrochen sind, auch nicht wegen der Unfähigkeit von **Renfe** und **Adif**, die mit dem Wachstum des Netzes und dem Eintritt neuer Betreiber einhergehende Vervielfachung von Strecken und Fahrten nicht mehr bewältigen können. Sondern auch, weil seine Krise in neun Monaten zwei schwere Katastrophen mit der schrecklichen Bilanz von mehr als hundert Toten verursacht hat.
Der Kolumnist beschreibt den AVE, vor allem auf seiner andalusischen Strecke, als ein Roulette, bei dem die Möglichkeit eines Unfalls immer mehr Einsätze auf sich zog. Die tägliche Anhäufung von Verspätungen, betrieblichen Störungen und häufigen Abschnitten im Schneckentempo erweckte nach seiner Ansicht die Ahnung einer neuen verhängnisvollen Katastrophe. All dies, während laut dem Text die wahren Ursachen der Katastrophe von Córdoba weiterhin ungeklärt sind, bei der ernsthafte Verdachtsmomente einer Behinderung der technischen Untersuchung bestehen.
## Drei Minister und eine Tragödie, die sich wiederholt
Camacho geht die Verkehrsminister der letzten acht Jahre durch, um das zu erklären, was er den Eisenbahnkollaps nennt. Er erwähnt **José Luis Ábalos**, der seine Gewohnheit, Verträge zu manipulieren und bezahlte Geliebte in Staatsunternehmen unterzubringen, im Gefängnis büßt; **Raquel Sánchez**, eine unerfahrene ehemalige katalanische Bürgermeisterin, die keine Spuren ihres kurzen Wirkens im Amt hinterließ; und **Óscar Puente**, den er als einen streitsüchtigen Agitator beschreibt, der sich in sozialen Netzwerken darauf versteigt, seine Gegner, Journalisten und jeden Bürger zu beleidigen, der es wagt, ihn zu kritisieren, während die Angelegenheiten in seinem Verantwortungsbereich in einem Chaos mit tragischen Folgen versinken. Das, schreibt er, sei die Art von Menschen, die der Ministerpräsident ausgewählt hat, um einen großzügigen Teil der **Next Generation**-Mittel mit dem Urteilsvermögen und den Ergebnissen zu verwalten, die die geduldigen Nutzer täglich erleben.
Der Artikel erinnert daran, dass Puente stets an den Worten tragen wird, mit denen er die Tragödie der Sierra Morena als selbstrechtfertigenden Zufall darzustellen versuchte. Genau erklärte er im Sitz des Verkehrsministeriums, „die Möglichkeit, dass sich ein Unfall dieser Art wiederholt, ist äußerst gering". Es scheint, ironisiert Camacho, dass er neben seiner Eignungslosigkeit für eine wichtige Aufgabe auch die Gabe der Prophetie nicht besitzt, besteht aber dennoch darauf, dass es keine Erklärung für das wiederholte Unglück gebe. Die Theorie der „Dinge, die eben passieren", zugeschrieben **Marlaska**, gleichsam als göttliche Fügung oder als unvorstellbare Verkettung überraschender Umstände. Die Opposition hat erneut den Rücktritt oder die Absetzung des Ministers gefordert, doch jetzt, so der Kolumnist, sei nicht der Moment, ihm die Flucht zu gestatten. Nicht ohne die Folgen seiner Unfähigkeit anzuerkennen, nicht ohne seine inakzeptable politische Arroganz zu sühnen, nicht ohne sich den Opfern zu stellen, denen er anlässlich von Adamuz sagte, er habe die Gleise nicht geschweißt.
In **Urda** könnte ein menschliches Versagen vorliegen, ein Fehler bei der Weitergabe von Anweisungen, doch zuvor gab es ein Versagen des Systems. Nicht nur des Signalsystems, der **LZB**, die den Lauf der Züge koordiniert und die Fahrer im Störungsfall warnt. Das institutionelle Mechanismus, der die Spanier mit zuverlässigen Dienstleistungen und einer ordnungsgemäßen Versorgung versehen soll, ist gescheitert – und scheitert seit Langem.
## Vom wirtschaftlichen Triumphalismus zum institutionellen Verfall
Gegenüber dem Triumphalismus der offiziellen Wirtschaftszahlen zählt Camacho eine Reihe von Problemen auf, die seiner Ansicht nach die Regierung gleichgültig lässt: Die Inflation frisst die Löhne auf, die Eisenbahnen funktionieren nicht, die Straßen sind in erbärmlichem Zustand, das unterfinanzierte Gesundheitssystem steckt in Wartelisten fest, im Stromnetz herrscht ein erheblicher Kapazitätsmangel, und junge Menschen finden keinen Zugang zu Wohnraum. Währenddessen, schreibt er, veranstaltet die Regierung rührselige Kampagnen, in denen **Pedro Sánchez** und seine Frau in gut komponierten sentimentalischen Inszenierungen einander küssen. Es sei viel unterhaltsamer, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu, den heroischen antifaschistischen Alarm auszurufen angesichts des absehbaren Sieges der Rechten.
Der Kolumnist behauptet, dass der Sanchismus – die politische Bewegung Sánchez' – die demokratische Institutionalität abgebaut hat. Viele seiner Anhänger, fortgerissen von der Dynamik sektiererischer Polarisierung, messen der Deaktivierung der unabhängigen Gegengewichte zur Macht keine Bedeutung bei, die dem Aufbau einer klar caesarischen Führung dient. Doch vielleicht wird es ihnen schwerfallen, die Verschlechterung ihres Alltagslebens zu ignorieren, den unaufhaltsamen Niedergang eines Staates, der die dramatischen Folgen seiner absoluten, schädlichen, unhaltbaren Unfähigkeit nicht mehr verbergen kann.
Die Kolumne, veröffentlicht in der **ABC** am 29. Oktober 2026, stützt sich auf eine Bilanz von mehr als hundert Toten zwischen Adamuz und Urda, um zu argumentieren, dass zwischen beiden Punkten eine gerade Linie verläuft, deren Punkte sich mit Strichen von Nachlässigkeit, mangelnder Voraussicht und Inkompetenz verbinden lassen. Alle Beteiligten, von den Lokführern über die Ingenieure bis hin zu den Stellwerksleitern und der reisenden Bevölkerung, wissen laut dem Autor, dass sich der AVE in ein Roulette verwandelt hatte. Der Text liefert keine offiziellen Zahlen zu den laufenden Untersuchungen und keine technischen Daten zu den Ursachen der Unglücke, die laut dem Kolumnisten selbst weiterhin ungeklärt sind.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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