Spanien: Zwei Jahre Investmentbanking und eine 90%-Wahrheitsversprechen

Ein angeblicher Investmentbanker rät in Spanien, die Hypothek nicht vorzeitig zu tilgen, da niedrige Zinsen gegen hohe Inflation stehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Zwei Jahre Investmentbanking und eine 90%-Wahrheitsversprechen
Tilge deine Hypothek nicht: Bei 1% Zins und 4% Inflation lohnt sich das nicht

Zwei Jahre direkte Erfahrung. Das ist die Referenz, mit der sich jemand als Finanzdienstleistungsprofi vorstellt, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit „zu 90%“ verspricht – die anderen 10% bleiben unerklärt – und anbietet, Fragen zu Sparen und Investieren zu klären. Sofort werden Kryptowährungen empfohlen. Und das Gespräch entwickelt sich schnell zu einem Verhör.

Er behauptet, im Investment Banking, im Großkundengeschäft, zu arbeiten, und dass seine Einheit mehrere Millionen Euro Gewinn pro Monat erzielt. Er zeigt keine einzige Zahl, die das belegt. Egal: Jemand erinnert daran, dass es Profile gibt, die seit über fünfzehn Jahren Risiko modellieren und Modelle wie Black-Scholes, Merton oder Hull durchleuchten. Seine Verteidigung sind Excel und VBA. Und ein Satz, der den Beruf charakterisiert: Erfahrung ist relativ, wichtig ist, Nebelkerzen werfen zu können.

Warum rät er davon ab, die Hypothek vorzeitig zu tilgen?

Ein Sparer, der 10.000 Euro pro Jahr zurücklegt, fragt, was er damit tun soll. Die Antwort ist kategorisch: Nicht tilgen. 9.000 Euro dieses Jahres tilgen, um den Steuervorteil (desgravación) auszureizen, und den Rest liegen lassen, weil das Darlehen zu einem Zinssatz von etwa 1% läuft, während die Inflation bei rund 4% liegt. Die zugrunde liegende Logik ist, dass Verschuldung zu diesen Konditionen kostenlos, ja sogar profitabel ist.

Das hält ohne eine Bedingung, die niemand auf den Tisch legt, wie ein anderer Teilnehmer einwendet, nicht stand. Der Realzins eines Kredits entspricht nicht einfach der Inflation minus dem Nominalzins, es sei denn, die Einkommen des Schuldners steigen im gleichen Maße wie die Preise. Mit einem Nettolohn von 1.000 Euro und einer Rate von 400 frisst die Hypothek 40% des Gehalts; bei jährlichen Lohnerhöhungen von 5% über fünf Jahre steigt das Gehalt auf 1.300 und die Belastung sinkt von allein. Ohne diese Erhöhungen zahlt die Inflation die Hypothek nicht: Sie verteuert sie nur. Wer das Gegenteil behauptet, verkauft eine Tafelgleichung als ob es ein Gehaltszettel wäre.

Von IE zu Festgeldkonten: Wo die Erzählung ins Wanken gerät

Bezüglich Business Schools stellt er seine eigene Hierarchie auf: IE ist zweitrangig, besser seien IESE oder ESADE. Ein Freifahrtschein. Später kommt die unangenehme Frage: Wie lange wird die Anweisung der Banco de España halten, Festgeldkonten mit 1% zu verzinsen? Und die eigentliche Frage eines Sparers mit mehr als 100.000 Euro – was ist für ihn vorteilhaft und was schmerzt die Bank – bleibt ohne nützliche Antwort.

Es gibt ein Muster. Die Antworten gehen selten über eine Zeile hinaus: Investment Banking, Kryptowährungen. Wenn es darum geht, Dinge zu rechtfertigen, wechselt er das Thema oder verspricht, später zu antworten. Dem Gespräch fehlt am Ende genau das, was gefordert war: die Berechnung. Das Misstrauen wächst so sehr, dass jemand fragt, ob dafür überhaupt vorherige Erfahrung nötig gewesen wäre.

Kryptowährungen und der Rest des Anlegermenüs

Was ist jetzt die beste Investition? Kryptowährungen. Zu welcher Branche man wählen sollte oder welche Börse, national oder US-amerikanisch, gibt es keine Ausarbeitung. Die Top-Empfehlung löst die vernünftigste Gegenreaktion des Tages aus: Eine Kryptowährung generiert nichts, sie stützt sich nur auf ihren eigenen Kurs, daher sollte man entscheiden, ob das Investieren oder Spekulieren ist. Die Frage bleibt im Raum stehen.

Was hingegen auftaucht, ist eine andere, viel ausgearbeitete These, vertreten von einem anderen Forennutzer: In wirtschaftlichen Depressionen ist der Feind, seiner Meinung nach, der Staat, der sich in ein hungriges Bestie verwandelt und immer auf das „schwächste Glied der Herde“ zielt. Daraus folgt eine Strategie: Sich an die Peripherie begeben, in dünn besiedelte Gebiete, wo es sich nicht lohnt, jemanden zu jagen, und sich mit Vermögenswerten absichern, die im Falle einer hypothetischen Auflösung des Euros an Wert gewinnen. Gold vergraben unter den Salatköpfen im Gemüsegarten, spöttisch zusammengefasst. Niemand gibt Zahlen für dieses Szenario an, aber es braucht auch keine, um solider zu klingen als eine Agenturmeldung.

Die Frage, die unbeantwortet bleibt

Zehntausend Euro Ersparnis pro Jahr, eine Hypothek mit 1% und eine Inflation von 4%. Mit diesen drei Zahlen kann man jede Geschichte bauen und auch wieder zerlegen. Was als Beratung begann, endete fast wie ein Verhör, und die Schlussfolgerung ist, dass niemand weiß, ob der Ratgeber ein echtes Büro hat oder eine offene Excel-Vorlage im Wohnzimmer. Wie lange braucht ein Leser, um zu erkennen, dass dem Rat die Zahlen fehlen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (272 Antworten).

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