200 Millionen zu haben ist kein Investitionsproblem, sondern eine Frage der Disziplin
Dass jemand 200 Millionen Euro im Euromillions gewinnt, ist keine Frage der Finanzstrategie. Es ist eine Frage der einfachen Arithmetik. Mit dieser Summe wirft selbst das langweiligste Bankprodukt mehr Geld ab, als die meisten Menschen in ihrem gesamten Berufsleben verdienen. Das Problem, wie die Diskussion um dieses Thema zeigt, ist nicht, wie man das Kapital vermehrt, sondern wie man verhindert, dass der Gewinner es durch pure Dummheit verliert.
Die erste Realität, die sich bei den Berechnungen ergibt, ist der Fiskus (Hacienda). Laut den Berechnungen der Teilnehmer behält der Staat fast die Hälfte des Gewinns ein, bevor der Glückspilz einen einzigen Euro sieht. Von 200 Millionen Brutto blieben nach diesen Schätzungen etwa 120 Millionen netto übrig. Ab hier öffnet sich das Spektrum der Optionen zwischen zwei Extremen: Wer will von den Zinsen leben, ohne das Hauptkapital anzutasten, und wer träumt davon, es massiv zu vervielfachen?
Die 4%-Falle: Jährliche Erträge, die jedes Gehalt übertreffen
Mit 150 Millionen netto würden, wenn man alles in spanische Staatsanleihen (Obligaciones del Estado) mit 30 Jahren Laufzeit und 4% Zins anlegt, laut einer im Diskurs kursierenden Berechnung jährliche Nettoerträge von 4.829.800 Euro nach Steuern erzielt. Das bedeutet fast fünf Millionen pro Jahr, ohne das Kapital anzutasten. Um dies einzuordnen: Das ist mehr, als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in seinem gesamten Berufsleben verdient. Und wir sprechen hier nicht von spekulativen Gewinnen, sondern vom langweiligsten und sichersten Asset auf dem spanischen Markt.
Die Strategie, die unter denen, die rechnen, den größten Konsens findet, sind kurzlaufende Schatzwechsel (Letras a 3 meses). Bei 150 Millionen investiert, würde man quartalsweise rund 500.000 Euro netto einnehmen, so die Berechnungen im Debate. Dieser konstante Cashflow ermöglicht es, schrittweise in den Aktienmarkt einzusteigen und auf Kursrückgänge zu warten, um größere Summen zu investieren. Es ist die alte Taktik des Cost-Average-Effect (DCA), angewendet auf Milliardärsebene.
Manche behaupten, man müsse gar nicht investieren. Selbst bei 0% Zinsen wäre die Summe ausreichend, um mehrere Generationen im Luxus zu leben. Das Problem dieser Haltung ignoriert jedoch zwei Dinge: die Inflation und die menschliche Natur. Ruhendes Geld wird von der Zeit aufgefressen. Und wer 200 Millionen hat und nichts tut, weiß wahrscheinlich auch nicht, wie er den Rest verwalten soll, sobald er anfängt auszugeben.
Diversifikation: Von Gold über Immobilien bis Bitcoin
Das am häufigsten empfohlene Rezept für ein diversifiziertes Portfolio umfasst Gold, Immobilien, Aktien, Kryptowährungen und Staatsanleihen verschiedener Länder. Es ist das klassische Handbuch für den konservativen Investor mit hohem Vermögen. Aber selbst innerhalb dieser Vorsicht gibt es Meinungsverschiedenheiten. Manche setzen auf 50 Millionen in Gold, 50 in Bitcoin und 50 im MSCI World, wobei die restlichen 50 Millionen in einen Dividenden-ETF fließen, der bei 5% Rendite 2,5 Millionen pro Jahr zum Ausgeben freisetzen würde.
Andere bevorzugen Immobilien („Ladrillo“). Parkplätze großer Einkaufszentren, Gewerbeimmobilien, Wohnungen in Top-Lagen. Die Idee ist, dass Immobilien stabile und greifbare Erträge generieren. Der Haken ist die Verwaltung: Mit 200 Millionen in Immobilien muss man entweder eine professionelle Struktur aufbauen oder die Probleme allein bewältigen. Hier kommt der Vermögensverwalter ins Spiel, eine Figur, die manche für unerlässlich halten und andere als unnötige Ausgabe sehen.
Bitcoin und Kryptowährungen tauchen immer als „Würze“ im Portfolio auf. Manche schlagen vor, alles in XRP zu stecken und abzuwarten. Der Aktienmarkt sei unantastbar und werde jederzeit zusammenbrechen. Es ist die alte Leier vom bevorstehenden Kollaps, der nie ganz eintritt, aber jede extreme Wette rechtfertigt. Die Realität ist, dass bei 200 Millionen alles auf eine Karte zu setzen eine unnötige Tollkühnheit ist.
Der menschliche Faktor: Warum die meisten Gewinner ihr Geld verlieren
Die Geschichte großer Lotteriegewinne ist voll von Gewinnern, die ruiniert endeten. Das ist kein Pech. Es fehlt an finanzieller Bildung und vor allem an der Fähigkeit, den sozialen Druck zu managen. Die Falle des Luxuskonsums wird am häufigsten genannt: Villen, Sportwagen, Launen, die kein Glück bringen, aber laufende Kosten verursachen. Wer 200 Millionen gewinnt und sich einen Ferrari kauft, geht nicht wegen des Ferraris bankrott, sondern wegen des Lebensstils, der mit dem Ferrari einhergeht.
Die am häufigsten wiederholte Empfehlung lautet, niemandem etwas zu erzählen. Weder Familie, noch Freunden, noch Nachbarn. Geheimhaltung ist die erste Verteidigungslinie. Danach variiert die Strategie: Manche empfehlen, einen Vermögensverwalter einzustellen und nie wieder selbst zu rechnen. Andere ziehen es vor, das Geld auf 15 verschiedene Banken zu verteilen und nichts zu investieren, es einfach als Lebensversicherung dort liegen zu lassen.
Auch die steuerliche Seite wiegt schwer. Den Wohnsitz in ein Land ohne Steuern zu verlegen ist eine Option, die viele für obligatorisch halten. Schweiz, Dubai, Miami. Jeder hat seine Befürworter und Gegner. Das Problem ist, dass die Verlagerung persönliche Kosten hat: Verlust des Umfelds, der Familie, der Freunde. Und nicht jeder ist bereit, diesen Preis zu zahlen, um einige Millionen Steuern zu sparen.
Die unbequeme Schlussfolgerung: Mit 200 Millionen funktioniert fast alles
Die Wahrheit hinter dieser ganzen Diskussion ist, dass mit 200 Millionen praktisch jede vernünftige Strategie funktioniert. Sogar die konservativste. Sogar die dümmste, wenn sie mit einem Minimum an Disziplin ausgeführt wird. Das Problem ist nicht das „Was“, sondern das „Wie“. Und vor allem das „Wer“. Die Person, die nicht weiß, wie man 100.000 Euro verwaltet, wird auch nicht wissen, wie man 200 Millionen verwaltet. Sie braucht nur länger, um bankrott zu gehen.
Es gibt eine Anekdote über einen Gewinner, der seinen Lebensstil unverändert ließ. Kein neues Haus, kein neues Auto, keine neuen Freunde. Er investierte das Geld einfach und arbeitete weiter. Jahre später war er immer noch Millionär. Die Sarracena ist simpel: Geld verändert die Menschen nicht, es enthüllt sie. Und was es in den meisten Fällen enthüllt, ist eine tiefe Unfähigkeit, das zu verwalten, was nicht durch harte Arbeit erworben wurde.
Die Prognose, mit allen Vorbehalten, ist, dass die Mehrheit derer, die 200 Millionen im Euromillions gewinnen, in zehn Jahren immer noch reich sein werden. Nicht weil sie klug sind, sondern weil die Summe so obszön groß ist, dass sogar schlechtes Management Spielraum lässt. Wer bankrott geht, wird es aktiv herbeigeführt haben. Und das ist mit 200 Millionen in der Tasche fast schon eine Leistung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (163 Antworten).