Bitcoin: Forum-Nutzer warnt vor Crash, rät dann zum Kauf

Am 5. Oktober 2015 stand Bitcoin bei 213 € auf Kraken. Ein Nutzer empfahl den Kauf. Monate später überstieg der Kurs 430 $, und derselbe Autor revidierte seine Ansicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von „Kauft nicht“ zu „Steigt jetzt ein“: Bitcoin bei 213 Euro

Wie viel Vertrauen verdient jemand, der erst vor einem Absturz warnt und dann zum Kauf rät? Am 5. Oktober 2015, als Bitcoin auf Kraken bei 213 Euro notierte, drehte ein Forum-Nutzer, der sich als einer der schärfsten Kritiker der Kryptowährung bezeichnete, seine These um und sendete eine unmissverständliche Nachricht: Kauft. Wer kauft, so argumentierte er, würde es ihm danken; wer nicht kauft, werde wieder hören: „Ich habe es euch gesagt.“ Monate später überstieg Bitcoin die Marke von 430 Dollar auf BitStamp, und derselbe Autor sprach bereits davon, Positionen bei 395 Euro abzubauen und auf Buy & Hold umzusteigen. Die Wende endete jedoch damit nicht.

Was die ursprüngliche Nachricht sagte und warum sie Empörung auslöste

Der Ansatz war selbst für die Standards des Subforums aggressiv. Der Autor prahlte damit, den vorherigen Absturz – in seinem Diagramm rot markiert – vorhergesagt und auch bei anderen Assets recht behalten zu haben: dem Zusammenbruch einer von einem anderen Teilnehmer empfohlenen Aktie und dem Gold-Hochpunkt. Auf dieser Basis baute er eine bedingungslose Empfehlung auf: „All in bitcoin = +EV“. Übersetzt: Alles reinvestieren, weil der Erwartungswert positiv ist.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Ein Teilnehmer zog es vor, die 200 Euro für Online-Poker auszugeben. Ein anderer fragte, ob man mit Kreditkarte zahlen könne. Und ein weiterer hinterließ eine dreizeilige Nachricht, die die Hälfte aller Internet-Threads zusammenfasst: „Ruso war hier für das spätere Owned“. Die andere Hälfte forderte Argumente.

Warum steigt Bitcoin? Die genannten Argumente

Als Auslöser wurde die Genehmigung des Gemini-Exchanges der Winklevoss-Brüder durch die New Yorker Abteilung für Finanzdienstleistungen genannt, was es ermöglichte, Kunden in 26 Bundesstaaten und Washington D.C. zu bedienen. Die Logik war mechanisch: mehr Kauf- und Verkaufsleichtigkeit, mehr Liquidität, mehr Nachfrage.

Der Einwand kam präzise: Dass ein Asset leicht handelbar ist, bedeutet nicht, dass sein Kurs steigt. Auch Volkswagen-Aktien sind liquide und fielen unaufhaltsam. Die Frage blieb im Raum stehen: Warum sollte Bitcoin steigen? Die ehrlichste Antwort im Austausch war, dass niemand es weiß, dass es steigen oder fallen wird, und wer absolute Sicherheit sucht, soll lieber vom Klippenrand springen. Kurz danach räumte der Autor selbst ein, dass seine Indikatoren nicht unfehlbar seien: 85 % Trefferquote out-of-sample und 80 % im Backtest.

Quantencomputing und die Debatte um die Sicherheit

Eine der technischsten Fronten war die Quantenfrage. Es wurde ein Artikel aus dem ACM-Magazin über Quantenprogrammierung zitiert, um zukünftige „Weinen“ anzukündigen. Die Gegenreaktion war konkret: Wenn keine Absenderadressen wiederverwendet wurden, sind Bitcoins durch den SHA256-Algorithmus und RIPEMD-160 gegen Quantencomputing geschützt. Die Diskussion wandelte sich dahin, ob das Netzwerk selbst sich mit derselben Technologie anpassen könnte, wie es bereits beim traditionellen Computing geschieht.

Ethereum, Lisk und ICOs: Das Geld wechselt die Hände

Die Erzählung wird kompliziert, wenn der Autor seine Meinung revidiert. Er gab zu, dass seine anfängliche Vorhersage einige Variablen nicht einschloss, darunter Ethereum. Er bemerkte einen Geldfluss von Bitcoin zu Ether, wobei Coinbase kurz davor stand, die zweite Kryptowährung anzubieten, und Gerüchte kursierten, dass Okcoin dasselbe tun würde. Hinzu kamen Fundamentaldaten, die „im Schneckentempo“ voranschritten: Erhöhung der Blockgröße, Segwit, Lightning Network, Rootstock.

Seine Bewertung der Initial Coin Offerings (ICOs) war ebenso hart: Lisk startete mit einer Marktkapitalisierung von 250 Millionen und stürzte am Launch-Tag um 75 % ab, was er als vorprogrammiert ansah. Über den DAO spottete er, dass Aktionäre Investitionen entscheiden zu lassen statt eines Managers sei eine Garantie für Scheitern, weil das Individuum intelligent ist und Massen dumm. Er ging sogar auf Ethereum short, nachdem er feststellte, dass der Coinbase-Effekt nicht eintrat.

Das Ergebnis: Von 213 Euro zur Verdopplung in einem Monat

Die Bilanz, die der Autor sich selbst vorwirft, ist unbequem: [+67 % seit Thread-Beginn[/B] und kein einziges Dankeschön. In nur einem Monat hätte, so ein Teilnehmer, wer mit einem kleinen Betrag eingestiegen wäre, die Investition verdoppelt. Das Tiefstand-Tal der letzten zwei Jahre lag hinter ihnen, und der Preis näherte sich dem Höchststand des Vorjahres, auf dem Weg zu den Niveaus der Blase von 2013.

Es gab Käufer, die wegen des Threads kauften und es zugaben. Es gab solche, die ihre Positionen bei 395 Euro abbauten. Und es gab solche, die gerade wegen der Empfehlung nicht einstiegen. Die auffälligste Anekdote erzählte der Autor selbst: Seine Großeltern, beide über siebzig, gehen in die Bar und bezahlen mit Bitcoins, während seine Onkel und Tanten sie nutzen, um Überweisungen an Cousins im Ausland zu senden. Alle hätten Geld investiert, das sie bereit waren zu verlieren, gab er zu, und alle seien aus Gier eingestiegen.

Der Widerspruch, den niemand vergaß

Der Thread trägt eine wiederkehrende Anschuldigung: Der Autor habe früher das Gegenteil gesagt. Seine Verteidigung lautet, dass Korrigieren weise sei und Indikatoren nie hundertprozentig zuverlässig sind. Entscheidend sei, so betont er, nicht immer recht zu haben, sondern Risikomanagement: Man kann Geld verlieren, wenn man in 99,99 % der Fälle recht hat, und gewinnen, wenn man in 40 % der Fälle recht hat. Das Problem ist, dass wer der ersten Kaufempfehlung folgte, nun selbst entscheiden muss, ob die spätere Korrektur ihm noch hilft.

Mit Bitcoin, wie ein Teilnehmer zusammenfasste, spielt man mit Geld, das man bereit ist zu verlieren. Und bei solchen Dingen ist die einzige Prognose, die gut altert, diejenige, die niemand zu unterschreiben wagt.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (163 Antworten).

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