Spanien zieht 24 Migranten pro Tausend an, Frankreich nur fünf

Spanien verzeichnete 2023 einen Zuzug von 24 Migranten pro 1.000 Einwohner, deutlich mehr als in Frankreich oder Italien, und ist nun das viertwichtigste Zielland weltweit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien zieht 24 Migranten pro Tausend an, Frankreich nur fünf
Warum Spanien 24 Migranten pro Tausend anzieht, Frankreich aber nur fünf

Warum Spanien und nicht Deutschland? Diese Frage stellt sich bei jeder Veröffentlichung von Migrationsdaten und hat eine primär numerische, nicht ideologische Antwort. Im Jahr 2023 verzeichnete Spanien 24 Migranten pro 1.000 Einwohner, während Frankreich auf fünf und Italien auf sechs kam, laut den neuesten Daten von Eurostat und der Banco de España. Dies ist der zweite große Anwanderungszyklus innerhalb von drei Jahrzehnten. Im Gegensatz zum ersten wird er nicht durch eine Immobilienblase getrieben.

Der zweite Migrationsboom in Zahlen

Ein Bericht von Oxford Economics unter Leitung des Ökonomen Ángel Talavera liefert unbequeme Daten für die Wachstumsnarrative: Bis zu drei Viertel der neu geschaffenen Arbeitsplätze im aktuellen Zyklus wurden von Ausländern oder Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft besetzt. Die Beschäftigung wächst zwar, aber genau so. Der Forscher Jesús Fernández-Huertas Sarracena ordnet dies in The Second Spanish Immigration Boom ein, veröffentlicht im Oktober: Zwischen 2015 und 2024 wurde Spanien zum viertbeliebtesten Ziel weltweit. Das Phänomen ist in seiner Größenordnung vergleichbar mit dem Zeitraum 1995-2010, weist jedoch entscheidende Unterschiede auf. Offizielle Prognosen sehen keine Verlangsamung voraus. Die AIReF (spanische Fiskalbehörde) rechnet im analysierten Geschäftsjahr mit einer Nettozuwanderung von rund 600.000 Menschen und danach mit einem durchschnittlichen jährlichen Zustrom von 290.000.

Warum sie nach Spanien kommen und nicht nach Deutschland

Hier liegt die oft fehlende Erklärung. Die Studie zeigt, dass in Spanien die Faktoren des Aufnahmelandes schwerer wiegen als die des Herkunftslandes. Es geht also nicht nur um Armut oder Instabilität am Herkunftsort, sondern um die eigene Anziehungskraft. Klima, Sicherheit, Stabilität, eine gemeinsame Sprache mit weiten Teilen Lateinamerikas und Löhne, die europäisch medioker sein mögen, aber die in vielen Herkunftsländern übertreffen. Hinzu kommt ein als liberal beschriebener Rechtsrahmen: Im Mai verkürzte die Regierung die erforderliche Aufenthaltsdauer und vereinfachte die Regularisierung. Capital Economics schätzt, dass die Regularisierungen von etwa 200.000 im Jahr 2024 auf 300.000 pro Jahr steigen werden, was 0,6 % der Bevölkerung entspricht, in den nächsten drei Jahren. Mundpropaganda, heute über soziale Medien verbreitet, erledigt den Rest.

Warum gehen sie nicht in die USA oder Kanada?

Weil sie es oft wollen, aber nicht können. Ein Teil der Analyse besagt, dass viele lateinamerikanische Migranten die USA, Australien oder Kanada bevorzugen würden, doch diese Länder haben ihre Anforderungen verschärft. Spanien profitiert dann durch Ausschlussverfahren, mit einem zusätzlichen Vorteil: Der spanische Passaport öffnet später Türen, die zuvor verschlossen waren, einschließlich Zugang zu Märkten, für die es vorher kein Visum gab. Manche beschreiben das Land als Sprungbrett für Drittdestinationen. Umgekehrt argumentieren Kritiker, dass das hohe Gehalt in Deutschland nicht ausreicht, wenn Qualifikationen fehlen: Lebenshaltungskosten, Arbeitsrecht und Klima fressen die Differenz auf.

Beihilfen, Gesundheit und Staatsbürgerschaft: Der administrative Magnet

Der zweite Erklärungsblock bezieht sich auf den Wohlfahrtsstaat und die Bürokratie. Soziale Hilfen, universelle Gesundheitsversorgung und Bildung, Familiennachzug sowie ein schneller Weg zur Staatsbürgerschaft fungieren als kaum zu konkurrierender Anreiz. Die Gegenargumente lauten: Diese Dienstleistungen gibt es auch in anderen europäischen Ländern, sodass der eigentliche Unterschied in der Sprache und der Einfachheit der Verfahren liegt. Und es gibt ein drittes, vielleicht am häufigsten zitiertes Argument: Die spanische Staatsbürgerschaft ist gleichbedeutend mit einem Schlüssel zum Schengen-Raum. Ist man einmal drin, steht die Mobilität innerhalb der Europäischen Union offen.

Die Kehrseite: Geringverdiener und angespannter Wohnungsmarkt

Die Schattenseite des Phänomens zeigt sich beim Vergleich mit Deutschland. Dort gebe es Rentner mit knappen Budgets; hier dominiere der Arbeitnehmer mit niedrigem Lohn. Diese Asymmetrie – relativ bessere Renten, relativ schlechtere Beschäftigung – wird als nicht tragfähig bezeichnet. Parallel dazu wird an der Küste ein Druck auf den Immobilienmarkt beschrieben, der die lokale Arbeiterklasse aus dem Miet- und Kaufmarkt verdrängt. Eine detaillierte Analyse, die verfügbares Einkommen, Lebenshaltungskosten und Stundenlohn vergleicht, zeigt überraschende Unterschiede für jene, die nur auf das Brutto schauen. Es herrscht kein Konsens darüber, wie viel davon konjunkturell bedingt ist.

Was das Szenario kippen könnte

Drei offene Fronten. Erstens das Geld: Ein großer Teil des jüngsten wirtschaftlichen Impulses hängt von EU-Fonds mit Ablaufdatum ab. Zweitens die Partner: Mehrere Regierungen auf dem Kontinent haben ihre Migrationspolitik verschärft, und Spaniens Ansatz ist heute die Ausnahme. Drittens Schengen: Wenn eine gemeinsame Grenze als zu durchlässig angesehen wird, schrumpft der Handlungsspielraum. Weder Zeitplan noch Ergebnis sind festgeschrieben.

In der Zwischenzeit bleibt das Land der Ort, an dem das Wetter schön ist, die Sprache verstanden wird und Papierkram entgegen aller Erwartungen gelöst wird. Schwer, dagegen anzukämpfen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (231 Antworten).

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