Spanien wuchs durch Blasen, nicht durch Politik: die unbequeme Zahl

Spaniens größter Wachstumszyklus (1995-2007) beruhte auf einer Immobilienblase. Der Aufschwung nach der Pandemie wiederholt das Muster: Ohne Produktivität gibt es…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien wuchs durch Blasen, nicht durch Politik: die unbequeme Zahl
Spanien ist nur mit Blasen gewachsen: 1995-2007 und der Elbichito-Aufschwung

Zwischen 1995 und 2007 erlebte Spanien den größten Wachstumszyklus seiner Demokratie: zwei Regierungen unter Aznar und die erste von Zapatero. Die Zahl ist unbestreitbar. Die Deutung schon weniger: Dieser Aufschwung stützte sich auf eine Immobilien- und Spekulationsblase, nicht auf nachhaltige Produktivitätsgewinne. Und die letzten Jahre bestätigen das Muster, statt es zu brechen: Der Aufschwung nach der Pandemie bläht die Zahlen auf, ohne dass jemand geklärt hätte, woher der nächste Motor kommen soll.

Das Paradox, mit dem das Thema beginnt, ist für beide Seiten unbequem. Wenn die PP während der glänzendsten Phase regierte, dann mit einem Rückenwind, den sie selbst nicht erzeugt hat. Wenn die PSOE mehr Jahre an der Macht verzeichnet, fällt keiner davon mit einer vergleichbaren Expansion zusammen. Vor diesem Hintergrund wird die Zurechnung auf politisches Können zu einem Glaubensakt mehr als zu einer Buchhaltungsaufgabe.

Der Franquismus als wiederkehrende Ausrede

Das Gespräch driftet bald zum Entwicklungsboom ab. Manche behaupten, das frühere Regime habe das Land mit Straßen, Staudämmen und einer entstehenden Mittelschicht aus dem Hunger geholt. Die Einschränkung folgt sofort: Die Technokraten, die das Wirtschaftswunder entwarfen, waren Ideologiefreie Ökonomen aus dem Umfeld des Opus Dei, und ihr Rezept beruhte auf billigen Arbeitskräften, niedrigen Löhnen, Arbeitsdisziplin und dem massiven Zustrom von Devisen durch Tourismus und Emigration. Die Autarkie, der eigentliche Beitrag des Regimes, war genau das, was das Land in die Tiefe riss, bis die Öffnung es rettete.

Der Gegeneinwand ist ebenso deutlich: Westeuropa, durchweg demokratisch, wuchs im Wiederaufbau nach dem Krieg genauso stark. Korrelation mit Kausalität zu verwechseln ist ein Lehrbuchfehler. Die Ölkrise fegte diesen billigen Wohlstand hinweg und legte offen, dass das Modell auf tönernen Füßen stand.

Wohnungsbau: Eine Million Wohnungen retten das BIP nicht

Der klassische Vorschlag taucht auf: eine Million Wohnungen bauen, um Arbeit und Wohlstand zu schaffen. Die Rechnung hat einen Haken. Spanien zählt rund 28 Millionen Wohnungen für eine Bevölkerung von etwa 30-35 Millionen Spaniern, nach der Zahl, die in der Diskussion selbst genannt wird. Das Problem ist nicht der Bestand, sondern die Verteilung und der Preis des Baulands. Manche verweisen darauf, der Staat könnte kostenloses Bauland zur Verfügung stellen und die Steuerlast auf selbstgenutztes Wohneigentum streichen, was den Preis mehr als halbieren würde. Das geschehe nicht, so das Argument, weil Politiker andere Prioritäten hätten.

Der demografische Einwand ist der unbequemste: Ohne junge Bevölkerung, die kaufen will, bläht mehr Bauen nur den Bausektor auf, ohne das Kernproblem zu lösen. Und das Kernproblem ist, dass das Land von Tourismus, Fußball und Dienstleistungen mit geringer Wertschöpfung lebt.

Spekulation ist keine Sünde, sie ist der Markt

Gegen die Erzählung der Blase als Anomalie vertritt eine andere Richtung die Auffassung, sogenannte Spekulation sei das normale Funktionieren einer Wirtschaft: Preise antizipieren, Kapital zuweisen, Risiko übernehmen. Unter diesem Blickwinkel war das Wachstum von 1995-2007 kein Trugbild, sondern die rationale Reaktion auf ein Umfeld niedriger Zinsen und reichlicher Kredite. Das Problem war nicht der Mechanismus, sondern dass niemand rechtzeitig bremste.

Die Zahl, die alle verunsichert: Auch 1984-1992 verzeichnete Wachstum, getragen damals von der Blase öffentlicher Bauvorhaben. Und die letzten vier Jahre, in denen die Inflation die Löhne auffraß, zeigen eine Expansion, die viele als bloße statistische Erholung nach dem Einbruch lesen. Jeder Zyklus hat seine Ausrede.

Der Fall Thatcher und der unbequeme Spiegel

Das Gespräch springt nach Großbritannien. Die Finanzderegulierung von 1986 festigte ein Dienstleistungs- und Finanzmodell, das die Industrie des Nordens ausradierte und eine regionale Ungleichheit hinterließ, die bis heute anhält. Ein wohlhabender Süden, notleidende ehemalige Bergbaureviere. Ein solches Experiment würde hier, so der Hinweis, einen sozialen Aufstand auslösen.

Die Lektion kennt keine Grenzen: Wenn das Wachstum sich in einem spekulativen Sektor konzentriert, zahlen Regionen und Arbeitnehmer, die am Boom nicht teilhatten, die Rechnung. Spanien ist keine Ausnahme, nur ein weiterer Fall aus demselben Handbuch.

Die Frage bleibt unbeantwortet: Wenn jede spanische Expansion eine Blase als Treibstoff brauchte, gibt es dann eine Formel für echtes Wachstum ohne aufgeblähte Preise, oder ist das Land verdammt, auf die nächste Blase zu warten?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).

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